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Indonesiens Großbrände: Warum der Haze die Philippinen seit Wochen belastet

MANILA – Seit Ende August beeinträchtigt grenzüberschreitender Rauch- und Feinstaubdunst aus Indonesien immer wieder die Luftqualität auf den Philippinen. – klajoo.com – Der sogenannte Haze wurde inzwischen unter anderem in Teilen von Luzon, Central Visayas, Negros, Mindanao und Caraga gemessen. In Metro Cebu erreichten die Feinstaubwerte zeitweise gesundheitsgefährdende Bereiche, Schulen setzten Präsenzunterricht aus und Gesundheitsbehörden bereiteten sich auf zusätzliche Atemwegserkrankungen vor. Anders als bei einem kurzfristigen lokalen Brand liegt die Ursache Tausende Kilometer entfernt: großflächige Wald- und Landbrände vor allem auf Borneo und Sumatra.

Die Größenordnung lässt sich nur mit Vorsicht beziffern, weil unterschiedliche Behörden und Organisationen mit verschiedenen Auswertungsmethoden arbeiten. Das indonesische Forstministerium weist für Januar bis Juli 2026 offiziell 202.004 Hektar verbrannte Wald- und Landfläche aus. Das entspricht rund 2.020 Quadratkilometern. Allein im Juli kamen nach Regierungsangaben fast 95.000 Hektar hinzu. Gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025 lag die offiziell erfasste Brandfläche deutlich höher.

Für August nennt die Umweltorganisation Yayasan Konservasi Alam Nusantara (YKAN) eine wesentlich größere zusätzliche Größenordnung. Nach Angaben, die Reuters unter Berufung auf YKAN veröffentlichte, sollen allein in diesem Monat rund 600.000 Hektar durch Feuer geschädigt worden sein. Das entspräche etwa 6.000 Quadratkilometern. Dieser Wert darf jedoch nicht einfach mit den 202.004 Hektar des Forstministeriums zu einem vermeintlich offiziellen Gesamtwert addiert werden: Die Angaben stammen aus unterschiedlichen Quellen und beruhen nicht zwingend auf derselben Erfassungsmethode. Sie zeigen aber, wie stark sich die Brandsaison im August verschärft hat.

Besonders wichtig für die Philippinen ist Kalimantan auf dem indonesischen Teil Borneos. Die indonesische Katastrophenschutzbehörde BNPB bezifferte die bis Mitte September betroffene Fläche allein in West-Kalimantan auf rund 48.536 Hektar. Das sind etwa 485 Quadratkilometer. Die Provinz gehört zu den Gebieten, aus denen Rauch mit den vorherrschenden Luftströmungen nach Norden und Nordosten transportiert werden kann. Philippinische Umweltbehörden haben den Haze in Central Visayas, Caraga und der Davao Region ausdrücklich mit Bränden in Kalimantan und teilweise auch Sumatra in Verbindung gebracht.

Warum der Rauch so lange anhält, liegt nicht nur an der Zahl der einzelnen Brände. In Teilen Indonesiens brennen auch Torfböden. Solche Feuer können sich unter der Oberfläche ausbreiten und lange weiterglimmen, selbst wenn an der Oberfläche nur noch wenig Feuer sichtbar ist. Gleichzeitig herrschen in weiten Teilen des südlichen Südostasiens ungewöhnlich trockene Bedingungen. Das ASEAN Specialized Meteorological Centre erwartet wegen des starken El Niño weiterhin unterdurchschnittliche Niederschläge und überdurchschnittliche Temperaturen. Dadurch bleiben Vegetation und Böden leicht entzündlich, während Regen als natürliches Ende der Brandsaison später einsetzen kann.

Der Rauch wird anschließend durch die regionale Wetterlage verteilt. Während des Südwestmonsuns können bodennahe Luftströmungen Partikel aus Indonesien über das Südchinesische Meer und die Sulu- und Celebessee bis auf die Philippinen transportieren. Deshalb schwankt die Belastung stark: Ein Ort kann nach Regen oder einer Winddrehung wieder gute Luftwerte melden und wenige Tage später erneut stark belastet sein. Der Haze ist damit kein gleichmäßiger Rauchvorhang, sondern eine wiederkehrende Folge aus aktiven Bränden, Windrichtung, Niederschlag und atmosphärischer Durchmischung.

Die starke Trockenheit erklärt allerdings nicht allein, warum so viele Feuer entstehen. Indonesische Behörden untersuchen auch vorsätzliche oder fahrlässige Brandrodungen und andere menschliche Ursachen. Präsident Prabowo Subianto forderte Mitte September schärfere Sanktionen gegen das Abbrennen von Flächen zur Landgewinnung. Nach Regierungsangaben liefen zu diesem Zeitpunkt mehr als 200 strafrechtliche Ermittlungen; auch Unternehmen wurden überprüft. Damit ist die aktuelle Krise zugleich Wetterereignis und strukturelles Problem der Landnutzung.

Für die Philippinen ist die Situation besonders unangenehm, weil das Land die Brände selbst kaum beeinflussen kann. Die Behörden können Luftqualität überwachen, Warnungen ausgeben und die Bevölkerung zum Tragen von N95-Masken oder zur Einschränkung von Aktivitäten im Freien auffordern. Die eigentliche Ursache liegt jedoch außerhalb des eigenen Staatsgebiets. Das macht den Haze zu einem klassischen grenzüberschreitenden Umweltproblem, bei dem regionale Zusammenarbeit wichtiger ist als lokale Einzelmaßnahmen.

Ein schnelles Ende ist nicht sicher. Das ASEAN-Haze-Zentrum rechnet für September und den weiteren Verlauf des Herbstes weiterhin mit erhöhtem Brand- und Haze-Risiko. Indonesiens Forstministerium warnte zudem, die Feuer könnten wegen verspäteter Regenfälle bis Anfang November andauern. Entspannung dürfte daher eher durch einen nachhaltigen Wetterumschwung als durch einzelne Regentage entstehen.

Für die Philippinen bedeutet das: Auch wenn sich die Luftqualität regional zwischenzeitlich verbessert, kann der Haze erneut zurückkehren, solange große Brandflächen in Indonesien aktiv bleiben und die Windrichtung den Rauch nach Norden transportiert. Die wiederkehrenden Warnungen in Cebu, Mindanao und anderen Regionen sind deshalb keine voneinander unabhängigen Episoden, sondern Teil derselben außergewöhnlich schweren Brandsaison in Indonesien. – RM

Quellen:

  • Kementerian Kehutanan / SiPongi – Indikasi Luas Kebakaran Hutan dan Lahan 2026
  • Kementerian Kehutanan – Update Karhutla 2026
  • ANTARA / BNPB – BNPB pantau titik api, total karhutla Kalbar tembus 48 ribu hektare
  • Reuters – Indonesia’s choking wildfire, haze worsen breathing woes on Borneo
  • Reuters – Indonesian president calls for stricter sanctions against forest fire perpetrators
  • ASEAN Specialized Meteorological Centre – Seasonal Outlook September to November 2026
  • Philippine Information Agency – DENR-EMB 7 advises Metro Cebu residents to limit outdoor exposure amid transboundary haze
  • Philippine Information Agency – Haze affecting Davao Region’s Air Quality

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