PANAY – Die Wirtschaftsleistung von Western Visayas wuchs 2025 um 6,4 Prozent – stärker als in jeder anderen Region der Philippinen. – klajoo.com – Gleichzeitig zeigt die aktuelle Fischereistatistik, wie verletzlich einzelne Produktionsbereiche weiterhin sind: Im zweiten Quartal 2026 sank die Fischereiproduktion auf 66.003 Tonnen und damit um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Besonders deutlich fiel der Rückgang in der Aquakultur aus, deren Produktion um 17,1 Prozent sank.
Für sich genommen könnte ein schwaches Quartal noch eine kurzfristige Schwankung sein. Im ersten Quartal 2026 war die Fischereiproduktion in Western Visayas jedoch bereits um 21,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Das steht in deutlichem Gegensatz zum Gesamtjahr 2025, in dem die Region ihre Fischereiproduktion noch um 6,5 Prozent auf rund 311.000 Tonnen steigern konnte.
Auch im landesweiten Vergleich fällt die Entwicklung auf. Während die Fischereiproduktion auf den Philippinen im zweiten Quartal 2026 um 2,0 Prozent zunahm, ging sie in Western Visayas um 8,3 Prozent zurück. Die Region entwickelt sich damit derzeit deutlich schwächer als der philippinische Fischereisektor insgesamt.
Innerhalb der Region sind die Unterschiede zusätzlich groß. In Guimaras sank die gesamte Fischereiproduktion im zweiten Quartal um 21,1 Prozent, die Aquakultur dort sogar um 66,6 Prozent. Andere Provinzen entwickelten sich deutlich günstiger. Die Statistik zeigt damit keine einheitliche Krise der gesamten Region, sondern sehr unterschiedliche Entwicklungen einzelner Produktionsbereiche und Provinzen.
Die Statistik erklärt noch nicht, warum die Aquakultur so stark zurückgeht. Wetter, Wasserqualität, Krankheiten, Besatz, Marktpreise und Betriebskosten können gleichzeitig eine Rolle spielen. Ein bekannter Kostenfaktor ist Fischfutter. Bei der Eröffnung einer neuen Futtermühle in Iloilo verwiesen Behörden darauf, dass Futter bis zu 70 Prozent der Produktionskosten eines Aquakulturbetriebs ausmachen kann. Die neue Anlage soll deshalb günstigere Futtermittel und zusätzliche Schulungen ermöglichen.
Der Rückgang zeigt zugleich, wie stark einzelne Produktionsbereiche schwanken können. Für Western Visayas stellt sich deshalb nicht nur die Frage, wie sich Fischerei und Aquakultur stabilisieren lassen, sondern auch, wie aus den vorhandenen landwirtschaftlichen und fischereiwirtschaftlichen Produkten mehr Wertschöpfung innerhalb der Region entstehen kann.
Genau an diesem Punkt setzt eine größere wirtschaftspolitische Debatte an. Das Department of Economy, Planning, and Development Region VI sieht zusätzlichen Bedarf bei Industrie und Verarbeitung und warnt davor, die regionale Wirtschaftsstruktur langfristig zu stark auf Dienstleistungen zu stützen. 2025 entfielen 66,5 Prozent der regionalen Wirtschaftsleistung auf Dienstleistungen, 18,6 Prozent auf Industrie sowie 14,9 Prozent auf Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei.
Ein hoher Dienstleistungsanteil ist nicht automatisch problematisch. Tourismus, Handel, Finanzdienstleistungen und Business-Process-Outsourcing schaffen Einkommen und Arbeitsplätze. Eine breitere Produktionsbasis kann jedoch Risiken besser verteilen. Western Visayas produziert bereits Reis, Zucker, Fisch, Kokosprodukte und weitere Agrarerzeugnisse. Ein größerer Teil der Wertschöpfung könnte in der Region bleiben, wenn nicht nur Rohware verkauft wird, sondern mehr Verarbeitung, Verpackung, Lagerung, Kühlung und Weiterverarbeitung vor Ort stattfinden.
Der Fischereirückgang zeigt dabei, dass wirtschaftliche Diversifizierung Landwirtschaft und Fischerei nicht ersetzen muss. Eine stärkere verarbeitende Industrie kann diese Bereiche vielmehr ergänzen und stabilisieren. Futtermühlen, Kühlhäuser, Lebensmittelverarbeitung und Logistik schaffen zusätzliche Absatzmöglichkeiten, Arbeitsplätze und Dienstleistungen rund um die eigentliche Produktion. Gleichzeitig sinkt die Abhängigkeit davon, unverarbeitete Ware unmittelbar verkaufen zu müssen.
Das gilt besonders für Aquakultur und Fischerei, wo Kühlketten und Verarbeitung entscheidend dafür sind, wie lange ein Produkt vermarktet werden kann und welcher Preis erzielt wird. Je mehr Verarbeitungsschritte in Western Visayas stattfinden, desto größer kann der Anteil des Endverkaufswerts sein, der bei Fischern, Züchtern, lokalen Unternehmen und Beschäftigten in der Region verbleibt.
Neue Verarbeitungsbetriebe entstehen allerdings nicht allein durch politische Zielsetzungen. Verlässliche Stromversorgung, Häfen und Straßen, qualifizierte Beschäftigte, Finanzierung und planbare Genehmigungen sind ebenso wichtig. Gerade bei Kühlhäusern, Futtermühlen und Lebensmittelverarbeitung wird die Stromversorgung zu einem entscheidenden Standortfaktor.
Das ist auf den Philippinen kein theoretisches Problem. In vielen Regionen sind geplante und ungeplante Stromunterbrechungen eine wiederkehrende Belastung. Wartungsarbeiten an Übertragungs- oder Verteilnetzen können ganze Gebiete für viele Stunden vom Netz nehmen. Für den 8. April 2026 wurde etwa in Teilen der Provinz Batangas eine geplante Unterbrechung von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends angekündigt; vergleichbare zwölfstündige Wartungsfenster werden auch von Stromgenossenschaften in anderen Landesteilen veröffentlicht.
Für private Haushalte ist ein solcher Ausfall vor allem unbequem. Für Betriebe mit Kühlung, Maschinen oder kontinuierlichen Produktionsprozessen kann er erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Unternehmen müssen deshalb häufig Generatoren, Batteriespeicher oder andere Notstromlösungen vorhalten. Das erhöht Investitions- und Betriebskosten und schwächt damit gerade bei energieintensiver Verarbeitung einen Teil des wirtschaftlichen Vorteils, den zusätzliche lokale Wertschöpfung eigentlich schaffen soll.
Bemerkenswert ist deshalb der Zeitpunkt der Diskussion. Western Visayas fordert mehr wirtschaftliche Diversifizierung nicht aus einer Rezession heraus, sondern nach dem stärksten regionalen Wirtschaftswachstum des Landes. Das eröffnet die Möglichkeit, die derzeitige Wachstumsphase zu nutzen, um zusätzliche Wertschöpfungsketten aufzubauen, bevor eine neue Krise bestehende Abhängigkeiten offenlegt.
Der aktuelle Rückgang der Fischereiproduktion ist damit mehr als eine einzelne Branchenstatistik. Er zeigt exemplarisch, warum starkes Wirtschaftswachstum allein noch nicht garantiert, dass eine Region gegenüber sektoralen Krisen widerstandsfähig ist. Entscheidend wird sein, ob Western Visayas aus den Rohstoffen und Produkten, die es bereits erzeugt, künftig einen größeren Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung selbst gewinnt – und ob die dafür notwendige Infrastruktur zuverlässig genug ist, um diese Verarbeitung dauerhaft zu tragen. – RM
Quellen:
- Philippine Statistics Authority Region VI – Fisheries Production in Western Visayas, Second Quarter 2026
- Philippine Statistics Authority Region VI – Fisheries Production in Western Visayas, First Quarter 2026
- Philippine Statistics Authority Region VI – 2025 Fisheries Production in Western Visayas
- Philippine Statistics Authority – Fisheries Situation Report, April to June 2026
- Philippine Statistics Authority Guimaras – Fisheries Production in Guimaras, 2nd Quarter 2026
- Philippine Statistics Authority Region VI – Western Visayas Leads Regional Economic Growth at 6.4 Percent in 2025
- Philippine Information Agency – Western Visayas posts fastest regional growth in 2025
- Philippine Information Agency – New Iloilo feed mill to cut costs, ease burden on fish farmers
- Municipality of Ibaan – NGCP Scheduled Power Interruption, 8 April 2026
- National Electrification Administration – Annual Report 2024







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