LUZON – Nach den schweren Überschwemmungen in Pampanga steht erneut das Ausbaggern von Flüssen und Wasserwegen auf der politischen Tagesordnung. – klajoo.com – Die Forderung ist nachvollziehbar: Wenn Sedimente und Ablagerungen den Abflussquerschnitt verkleinern, kann das Entfernen von Material die Abflusskapazität verbessern. Doch die aktuellen Regierungspläne selbst zeigen, dass das Problem im Pampanga-Flusssystem wesentlich größer ist als die Frage, ob häufiger gebaggert wird.
In Pampanga waren durch den verstärkten Südwestmonsun und mehrere Tropenstürme nach Regierungsangaben mehr als eine Million Menschen betroffen. Die landwirtschaftlichen Schäden wurden zuletzt mit rund 424 Millionen Peso angegeben, etwa 5,9 Millionen Euro. Die Provinz steht seit dem 12. August unter Katastrophenzustand. Gleichzeitig wurden Schäden an Straßen, öffentlichen Einrichtungen und Hochwasserschutzbauten gemeldet.
Was derzeit tatsächlich gemacht wird
Als unmittelbare Maßnahme nennt das Department of Public Works and Highways, kurz DPWH, in Pampanga Wartungs- und Räumarbeiten an Entwässerungssystemen und Wasserwegen. Solche Arbeiten gehören zur laufenden Unterhaltung und können lokale Engstellen beseitigen. Sie sind aber etwas anderes als ein großräumiger Umbau des Flusssystems.
Parallel liegen mehrere langfristige Vorschläge auf dem Tisch: weitere Ausbaggerungen, Phase 2 des Pampanga Delta Development Project, ein Central Luzon Pampanga River Floodway, die Rio Chico Control Structure, ein Manila Bay Coastal Defense Dike über Metro Manila, Bulacan, Pampanga und Bataan sowie Uferbefestigungen, Durchlässe, Rückhaltebecken und Dämme.
Allein diese Liste beantwortet die Frage, ob Ausbaggern “die Lösung” ist: Offenbar nicht. Selbst das DPWH plant ein System aus Maßnahmen, die unterschiedliche Ursachen und Wege des Wassers behandeln sollen.
Warum das Wasser nicht einfach schneller ins Meer fließt
Das Pampanga River Basin ist hydrologisch schwierig. Im Bereich von Candaba sammeln sich große Wassermengen aus mehreren Zuflüssen in tief liegenden Flächen. Eine 2026 veröffentlichte Studie über Candaba beschreibt den Sumpf ausdrücklich als wichtigen natürlichen Speicher für Hochwasser. Gleichzeitig konzentrieren sich dort Zuflüsse, sodass tiefe und lang anhaltende Überflutungen entstehen können.
Weiter flussabwärts kommen flaches Gefälle, schlechte Entwässerung und der Einfluss von Gezeiten hinzu. Das bedeutet: Selbst ein ausgebaggerter Abschnitt kann nur so viel bewirken, wie die nachgelagerten Wasserwege und Küstenbereiche aufnehmen beziehungsweise ableiten können. Wer an einer Stelle den Abfluss beschleunigt, muss deshalb betrachten, was weiter unten im System geschieht.
Rückhalteflächen sind kein Widerspruch zum Hochwasserschutz
Bei Hochwasser geht es nicht ausschließlich darum, Wasser möglichst schnell abzuleiten. Rückhaltebecken, Feuchtgebiete und andere Speicherflächen sollen einen Teil der Wassermenge zeitweise aufnehmen und damit Spitzen abflachen. Die Bedeutung des Candaba Swamp als natürlicher Speicher zeigt, warum solche Flächen im Gesamtsystem nicht einfach als “ungenutztes Land” betrachtet werden können.
Ein wirksames Konzept muss deshalb Abfluss, Speicherung und Schutz besiedelter Gebiete kombinieren. Dazu kommen nichtbauliche Maßnahmen wie Pegel- und Niederschlagsüberwachung, Warnsysteme, Evakuierungsplanung und Regeln dafür, wo besonders hochwassergefährdete Flächen weiter bebaut werden dürfen.
Viele der heutigen Vorschläge sind seit Jahren bekannt
Der besonders kritische Punkt ist die Umsetzungsgeschichte. Schon 2018 wurden nach schweren Überschwemmungen für Central Luzon kurzfristige Ausbaggerungen und langfristig Deiche, Pampanga Delta Phase II und weitere Hochwasserschutzprojekte diskutiert.
Pampanga Delta Phase II war damals sogar bereits als Fortsetzung eines älteren Projekts beschrieben worden.
Wenn 2026 nach der nächsten schweren Flut wieder dieselben Projektnamen auftauchen, reicht es deshalb nicht zu fragen, was nun vorgeschlagen wird. Wichtiger ist: Welche Teile wurden seitdem geplant, finanziert, gebaut oder verworfen – und warum sind andere weiterhin Vorschläge?
Ein aktuelles Beispiel aus dem gleichen Flusssystem zeigt das Planungsproblem
Im benachbarten Hagonoy in Bulacan hat DPWH-Minister Vince Dizon am 24. August eine ungewöhnlich deutliche Bilanz gezogen. Nach seinen Angaben seien rund sechs Milliarden Peso – etwa 83 Millionen Euro – für voneinander getrennte Hochwasserschutzprojekte ausgegeben worden, ohne dass ein umfassender Plan zugrunde lag. Er bezeichnete diese Mittel als verschwendet.
Für Hagonoy soll nun unter anderem ein etwa neun Kilometer langer, U-förmiger Deich vervollständigt werden. Hinzu kommen Pumpwerke und langfristig wiederum das Manila-Bay-Küstenschutzprojekt sowie Pampanga Delta Phase II. Das Beispiel liegt zwar in Bulacan und nicht in Pampanga, gehört aber zum selben regionalen Wasserproblem. Es zeigt, was passiert, wenn einzelne Bauwerke geplant werden, ohne den gesamten Abflussweg mitzudenken.
Was nach der nächsten Flut überprüft werden sollte
Für Pampanga wären deshalb fünf Ebenen entscheidend:
- Regelmäßige Unterhaltung und gezieltes Ausbaggern dort, wo Messungen tatsächlich reduzierte Abflussquerschnitte zeigen.
- Durchgängige Fluss- und Floodway-Planung statt isolierter Bauwerke.
- Ausreichend Rückhalteflächen und Schutz ihrer Speicherfunktion.
- Küsten- und Tide-Schutz in den tiefer gelegenen Bereichen.
- Funktionierende Warn- und Evakuierungssysteme für Überschwemmungen, die auch mit großen Bauwerken nicht vollständig verhindert werden können.
Das ist weniger spektakulär als die Forderung nach einem einzelnen Großprojekt, aber wahrscheinlich näher an der Realität. Hochwasserschutz in der Pampanga-Ebene ist kein Bauwerk, sondern ein System. Die wiederkehrende Frage nach jeder Katastrophe sollte daher nicht nur lauten “Was hätte man bauen müssen?”, sondern auch “Was war längst geplant – und warum ist es noch nicht wirksam?” – RM
Quellen:
- Philippine Information Agency – President Marcos checks on relief efforts extended to evacuees in Bacolor, Pampanga
- Philippine Information Agency – DPWH inilatag ang agaran at pangmatagalang solusyon sa baha sa Paombong, Hagonoy
- Philippine News Agency – Comprehensive flood control program in Central Luzon pushed
- Journal of Disaster Research – Community Classification Based on Landform Distribution and Flood Hazard Characteristics in Candaba Municipality, Pampanga River Basin, Philippines
- Bulacan PDRRMO – Community-Based Flood Mitigation Management Program







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