MANILA – Philippinische Exporteure haben 2025 bei Waren im Wert von rund 92 Millionen Pfund keine Zollvergünstigungen des britischen Developing Countries Trading Scheme genutzt, obwohl diese Sendungen grundsätzlich dafür infrage kamen. – klajoo.com – Das entspricht rund 108 Millionen Euro Warenwert. Entscheidend ist die Formulierung: 92 Millionen Pfund sind nicht die Höhe der entgangenen Zollersparnis.
Nach von PHILEXPORT verbreiteten Angaben waren philippinische Ausfuhren im Wert von rund 299 Millionen Pfund für Präferenzen des britischen Systems berechtigt. Für etwa 207 Millionen Pfund wurde die Begünstigung tatsächlich in Anspruch genommen. Rein rechnerisch blieben damit rund 30,8 Prozent des begünstigungsfähigen Warenwerts außerhalb des Präferenzverfahrens.
Warum 92 Millionen Pfund nicht als Verlust gerechnet werden dürfen
Der tatsächliche finanzielle Nachteil ist deutlich kleiner als 92 Millionen Pfund und lässt sich aus den veröffentlichten Summen allein nicht bestimmen. Eine Zollpräferenz senkt oder beseitigt den Zoll auf eine Ware. Wenn ein Exporteur sie nicht beansprucht, ist sein möglicher Nachteil die Differenz zwischen dem normalen britischen Zollsatz und dem Präferenzsatz – nicht der gesamte Warenwert.
Wie groß die entgangene Ersparnis tatsächlich war, hängt deshalb davon ab, welche Produkte betroffen waren, welcher reguläre britische Zoll auf diese Produkte gegolten hätte und ob sämtliche Voraussetzungen für die Präferenz in jedem Einzelfall erfüllt wurden. Schlagzeilen, die aus 92 Millionen Pfund Warenwert unmittelbar 92 Millionen Pfund “verlorene Zollvorteile” machen, überzeichnen die Aussage der Daten.
Die Philippinen haben einen besonders günstigen DCTS-Status
Das Vereinigte Königreich führt die Philippinen in der Kategorie Enhanced Preferences. Für Länder dieser Gruppe sind nach britischen Regierungsangaben 92 Prozent der Produktlinien zollfrei. Nur ein kleinerer Teil bleibt mit reduzierten oder regulären Zollsätzen belegt. Das macht die geringe Nutzung bei einem erheblichen Teil der grundsätzlich berechtigten Exporte wirtschaftlich bemerkenswert.
Die Vergünstigung erfolgt allerdings nicht automatisch allein deshalb, weil eine Ware aus den Philippinen stammt. Exporteure müssen die Voraussetzungen des Systems erfüllen und den präferenziellen Ursprung belegen. Gerade bei Produkten mit Vorleistungen aus mehreren Ländern können Ursprungsregeln und Nachweise darüber entscheiden, ob die Vergünstigung genutzt werden kann.
Seit Januar sind die Regeln teilweise einfacher
Seit dem 1. Januar 2026 hat Großbritannien die Ursprungsregeln des DCTS reformiert. Für Asien wurden Kumulierungsregeln erweitert. Damit können Unternehmen Vorprodukte aus einem größeren Kreis von DCTS-Ländern verwenden, ohne zwangsläufig den Präferenzursprung zu verlieren. Zusätzlich wurden die Regeln für Bekleidung aus Ländern mit Enhanced Preferences gelockert. Je nach Produkt dürfen bis zu 100 Prozent der Vorleistungen aus anderen Ländern stammen; zugleich wurden verpflichtende Verarbeitungsschritte reduziert.
Diese Änderungen beseitigen nicht jede Bürokratie, verringern aber einen Teil der technischen Hürden. Sollten philippinische Exporteure die Vorteile auch 2026 in ähnlichem Umfang ungenutzt lassen, wäre die Erklärung “zu komplizierte Ursprungsregeln” allein daher weniger überzeugend.
Warum verzichten Firmen auf einen möglichen Kostenvorteil?
Die bisher veröffentlichten Zahlen beantworten diese Frage nicht. Denkbar sind fehlende Kenntnis des Programms, zu hoher Verwaltungsaufwand bei kleinen Lieferungen, Schwierigkeiten bei Ursprungsnachweisen oder Lieferketten, bei denen die Voraussetzungen tatsächlich nicht vollständig dokumentiert werden können. Diese Punkte sind plausible Erklärungen, aber aus den vorliegenden Daten nicht als Ursache bewiesen.
Genau hier liegt die zweite Betrachtung: Die Philippinen müssen für besseren Marktzugang nicht erst ein neues Handelsabkommen aushandeln. Ein Teil des Vorteils existiert bereits, wird aber nicht genutzt. Für Handelsbehörden und Exportverbände wäre daher wichtiger zu wissen, welche Branchen und Unternehmensgrößen hinter den 92 Millionen Pfund stehen und an welchem Schritt die Nutzung scheitert.
Wenn die Lücke vor allem aus Informations- und Dokumentationsproblemen entsteht, könnten gezielte Beratung und standardisierte Ursprungsnachweise vergleichsweise günstig zusätzliche Wettbewerbsfähigkeit schaffen. Liegt sie dagegen überwiegend an den konkreten Lieferketten einzelner Branchen, wäre der Handlungsspielraum kleiner. Ohne diese Aufschlüsselung bleibt die große Zahl ein Warnsignal – aber noch keine Erklärung. – RM
Quellen:
- GOV.UK – Preference tiers under the Developing Countries Trading Scheme
- GOV.UK – Improved Rules of Origin under the Developing Countries Trading Scheme are now in effect
- Context.ph / PHILEXPORT – Philippine exporters leave £92M UK tariff benefits unclaimed







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