Startseite » Baguio prüft Wolbachia-Mücken gegen Dengue – was hinter der Methode steckt
Luzon

Baguio prüft Wolbachia-Mücken gegen Dengue – was hinter der Methode steckt

BAGUIO CITY – Baguio wird als möglicher Pilotstandort für eine neue Strategie gegen Dengue geprüft. Dabei sollen Aedes-aegypti-Mücken eingesetzt werden, die das natürlich vorkommende Bakterium Wolbachia in sich tragen. – klajoo.com – Ziel ist nicht, sämtliche Mücken zu beseitigen, sondern ihre Fähigkeit zur Übertragung von Dengue-Viren deutlich zu verringern.

Nach Angaben der städtischen Gesundheitsbehörde haben zwei Unternehmen Interesse bekundet, ein entsprechendes Pilotprojekt in Baguio aufzubauen. Eine endgültige Entscheidung über Durchführung, Umfang und Finanzierung ist bislang nicht bekannt.

Wolbachia erschwert die Vermehrung des Dengue-Virus

Wolbachia kommt natürlicherweise in vielen Insektenarten vor, normalerweise aber nicht in Aedes aegypti, dem wichtigsten Überträger von Dengue. Werden Mücken mit bestimmten Wolbachia-Stämmen angesiedelt, kann sich das Dengue-Virus in ihnen deutlich schlechter vermehren. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein infizierter Mensch über einen Mückenstich weitere Menschen ansteckt.

Die bei dieser Methode eingesetzten Mücken sind nicht gentechnisch verändert. Bei sogenannten Population-Replacement-Programmen werden Wolbachia-tragende Mücken freigesetzt, damit sich das Bakterium langfristig in der örtlichen Mückenpopulation verbreitet.

Davon zu unterscheiden sind andere Wolbachia-Verfahren, bei denen vor allem männliche Mücken freigesetzt werden, um die Population zu verkleinern. Für die Bewertung eines möglichen Baguio-Projekts ist deshalb wichtig, welche konkrete Methode die Anbieter einsetzen wollen.

Studie in Indonesien zeigte deutlichen Rückgang

Besonders bekannt ist eine randomisierte kontrollierte Studie aus Yogyakarta in Indonesien. Dort sank die Zahl symptomatischer, virologisch bestätigter Dengue-Fälle in den Gebieten mit Wolbachia-Mücken um 77 Prozent. Dengue-bedingte Krankenhauseinweisungen gingen um 86 Prozent zurück.

Diese Ergebnisse sind stark, lassen sich aber nicht automatisch eins zu eins auf jede andere Stadt übertragen. Klima, Mückendichte, Bebauung, Mobilität der Bevölkerung und die langfristige Etablierung der Wolbachia-Population können die Wirkung beeinflussen.

WHO überprüft derzeit die aktuelle Evidenz

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Juni 2026 angekündigt, ihre Bewertung von Wolbachia-Programmen zur Kontrolle von durch Aedes-Mücken übertragenen Krankheiten zu aktualisieren. Dazu werden neue systematische Übersichten und ein operatives Handbuch erarbeitet. Ein WHO-Leitliniengremium soll sich 2027 mit formalen Empfehlungen befassen.

Damit wäre es zu weitgehend, die Methode derzeit bereits als weltweit einheitlich empfohlenen Standard darzustellen. Gleichzeitig gibt es inzwischen umfangreiche Erfahrungen aus mehreren Ländern und belastbare Wirksamkeitsdaten aus einzelnen kontrollierten Studien.

Baguio meldet bereits mehr als 500 Dengue-Fälle

In Baguio wurden seit Jahresbeginn 543 Dengue-Fälle registriert. Die Gesundheitsbehörde erwartet aufgrund des bekannten mehrjährigen Musters der Krankheit eine besonders kritische Phase bis etwa Mitte August, bevor die Fallzahlen voraussichtlich ab Oktober wieder deutlicher zurückgehen.

Für die gesamte Cordillera Administrative Region meldete das Department of Health zwischen dem 4. Januar und dem 8. August 4.436 Dengue-Fälle. In mehreren Provinzen lagen die Zahlen über dem Vorjahresniveau, darunter Benguet, Kalinga und Ifugao.

Pilotprojekt müsste langfristig begleitet werden

Ein mögliches Wolbachia-Projekt wäre deshalb mehr als eine einmalige Freisetzung von Mücken. Entscheidend wären eine genaue Auswahl der Gebiete, die Überwachung der Mückenpopulation, regelmäßige Tests auf den Anteil Wolbachia-tragender Tiere und ein Vergleich der Dengue-Fallzahlen über längere Zeit.

Ebenso wichtig ist die Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Vorstellung, zur Bekämpfung einer von Mücken übertragenen Krankheit zunächst zusätzliche Mücken freizusetzen, ist erklärungsbedürftig. Ohne transparente Information über Methode, Sicherheitsdaten und Zielsetzung können leicht Missverständnisse entstehen.

Für Baguio bietet ein Pilotprojekt die Chance zu prüfen, ob die in anderen Ländern erzielten Ergebnisse auch unter den besonderen Bedingungen einer hoch gelegenen, dicht bebauten philippinischen Stadt erreicht werden können. Ob es tatsächlich dazu kommt, hängt jedoch noch von den konkreten Projektbedingungen und den Entscheidungen der Stadt ab. – RM

Quellen:

  • INQUIRER.net: „Baguio eyes mosquito bacteria to curb dengue“
  • World Health Organization: „WHO update on the assessment of Wolbachia population replacement for the control of Aedes-borne diseases“
  • World Mosquito Program: „Randomised Controlled Trial (RCT)“
  • Philippine News Agency: „Baguio intensifies dengue mosquito surveillance“

Add Comment

Click here to post a comment