MANILA – Beim philippinischen Energieunternehmen First Gen zeichnet sich eine weitreichende Veränderung der Eigentümerstruktur ab. – klajoo.com – Der internationale Finanzinvestor KKR hat angeboten, weitere 8,43 Prozent der First-Gen-Aktien von der Muttergesellschaft First Philippine Holdings zu übernehmen. Nach Unternehmensangaben dürfte dieser Schritt ein Pflichtangebot für den gesamten verbliebenen öffentlichen Streubesitz auslösen und den Weg für einen freiwilligen Rückzug von der Philippine Stock Exchange öffnen.
Auf Basis eines erwarteten Angebotspreises von rund 46 Peso je Aktie ergibt sich für First Gen eine Bewertung von etwa 165,44 Milliarden Peso oder rund 2,7 Milliarden US-Dollar. Der Börsenkurs reagierte bereits stark auf die Aussicht auf das Angebot.
KKR steigt nicht neu ein
Der Eindruck einer überraschenden Übernahme wäre jedoch falsch. KKR ist seit Jahren ein bedeutender Anteilseigner. 2020 kaufte eine von KKR kontrollierte Gesellschaft nach einem öffentlichen Übernahmeangebot rund 427 Millionen First-Gen-Aktien für 9,6 Milliarden Peso. 2021 folgten weitere knapp 263 Millionen Aktien für 8,7 Milliarden Peso.
Ende 2025 hielt KKR nach Angaben von First Gen rund 715,9 Millionen Stammaktien. Das entsprach ungefähr 19,9 Prozent des wirtschaftlichen Anteils beziehungsweise 14,1 Prozent der Stimmrechte. First Philippine Holdings hielt gleichzeitig 67,84 Prozent der Stammaktien. Die jetzige Transaktion wäre deshalb die nächste Stufe einer bereits seit 2020 aufgebauten Beteiligung.
Warum ein Pflichtangebot ausgelöst werden könnte
First Gen hat rund 3,60 Milliarden ausstehende Stammaktien. Der öffentliche Streubesitz liegt bei 11,67 Prozent. Wenn KKR den zusätzlichen Anteil von First Philippine Holdings erwirbt, greifen nach Angaben des Unternehmens voraussichtlich die Regeln für ein obligatorisches Übernahmeangebot. KKR müsste dann auch den übrigen öffentlichen Aktionären anbieten, ihre Aktien zu verkaufen.
Genau dieses Angebot könnte anschließend die Voraussetzung dafür schaffen, dass First Gen einen freiwilligen Börsenrückzug beantragt. Ein Delisting bedeutet nicht, dass das Unternehmen seinen Betrieb einstellt oder verkauft wird. Die Aktien wären lediglich nicht mehr regulär an der Philippine Stock Exchange handelbar. Für Minderheitsaktionäre ist deshalb der angebotene Ausstiegspreis besonders wichtig.
First Gen ist für die Energieversorgung strategisch bedeutend
First Gen gehört zu den bedeutenden privaten Energiegruppen der Philippinen. Das Unternehmen ist sowohl im Erdgasgeschäft als auch über seine Beteiligungen im Bereich Geothermie und anderer erneuerbarer Energien tätig. Damit betrifft ein möglicher Börsenrückzug nicht nur den Kapitalmarkt, sondern einen Konzern mit wichtiger Rolle in der Stromerzeugung und bei der Energiewende.
Ein privates Unternehmen kann langfristige Investitionen teilweise leichter verfolgen, weil weniger Rücksicht auf kurzfristige Börsenerwartungen genommen werden muss. Gleichzeitig verschwindet mit einem Delisting ein Teil der regelmäßigen Transparenz, die börsennotierte Gesellschaften gegenüber öffentlichen Anlegern erfüllen müssen. Das ist besonders relevant, wenn Infrastrukturunternehmen mit strategischer Bedeutung betroffen sind.
Der endgültige Ausgang steht noch nicht fest
Derzeit handelt es sich um einen vorgeschlagenen Ablauf. Entscheidend sind der tatsächliche Erwerb des 8,43-Prozent-Pakets, die Bedingungen des Pflichtangebots, die Zahl der Aktien, die von Minderheitsaktionären angedient werden, und anschließend die Voraussetzungen der Börse für ein freiwilliges Delisting.
Die Transaktion zeigt dennoch bereits, wie stark KKR sein Engagement bei First Gen ausbauen will. Sie ist deshalb weniger eine plötzliche Übernahme als der mögliche Abschluss einer schrittweisen Beteiligungsstrategie, die vor sechs Jahren begonnen hat.
Quellen:
- Reuters: Philippines’ First Gen eyes take-private deal from KKR at $2.7 billion valuation
- First Gen Corporation: First Gen 2025 Financial Statements







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