MINDANAO – Bei einem Einsatz zur Vollstreckung von Haftbefehlen sind am 6. August 2026 in Pikit in der Provinz Cotabato fünf mutmaßliche Mitglieder der Dawlah Islamiyah getötet worden. – klajoo.com – Der Vorfall ist nicht nur eine weitere lokale Einsatzmeldung. Zusammen mit mehreren Hinterhalten, Festnahmen und Gefechten seit Jahresbeginn zeigt er den heutigen Zustand der islamistisch-extremistischen Netzwerke im Süden der Philippinen: deutlich kleiner und stärker zersplittert als noch vor einigen Jahren, aber weiterhin in der Lage, Sicherheitskräfte zu töten und Sprengstoffanschläge vorzubereiten.
Die Bezeichnung Dawlah Islamiyah wird auf den Philippinen nicht immer für eine einheitlich geführte Organisation verwendet. Sicherheitsbehörden und Medien fassen darunter verschiedene örtliche Zellen und Teilgruppen zusammen, die sich an der Ideologie des sogenannten Islamischen Staates orientieren oder ihm in der Vergangenheit Gefolgschaft erklärt haben. Zu den wichtigsten Bezeichnungen gehören die Dawlah-Islamiyah-Maute-Gruppe im Raum Lanao und die Dawlah-Islamiyah-Hassan-Gruppe in Zentral-Mindanao.
Mitglieder, Führungsstrukturen und Bezeichnungen können sich überschneiden oder verändern. Hinzu kommen Verbindungen und Abspaltungen aus anderen bewaffneten Gruppen. Deshalb sind genaue Mitgliederzahlen schwierig und einzelne Meldungen sollten nicht automatisch zu einer einzigen landesweit zentral gesteuerten Organisation zusammengefügt werden.
Von territorialer Kontrolle zu kleinen mobilen Zellen
Die militärische und politische Lage unterscheidet sich grundlegend von 2017, als mit dem Islamischen Staat verbundene Kämpfer Teile von Marawi besetzten. Heute kontrolliert Dawlah Islamiyah keine größere Stadt und kein zusammenhängendes Gebiet. Zahlreiche Führungspersonen wurden getötet oder festgenommen, andere Mitglieder ergaben sich. Lokale Gemeinschaften und die Moro Islamic Liberation Front arbeiten in mehreren Gebieten mit staatlichen Stellen gegen extremistische Zellen zusammen.
Die Streitkräfte erklärten im Dezember 2025, die Gesamtzahl der Mitglieder aller lokalen Terrorgruppen auf den Philippinen sei von 1.257 im Jahr 2016 auf ungefähr 50 gesunken. Diese Angabe ist eine militärische Schätzung und bezieht sich nicht allein auf Dawlah Islamiyah. Sie zeigt dennoch, wie stark die bewaffneten islamistischen Gruppen nach Einschätzung der Regierung personell geschrumpft sind.
Eine kleine Zahl bedeutet jedoch nicht automatisch eine geringe Gefahr. Wenige ortskundige Kämpfer können aus einem Hinterhalt angreifen, Sprengsätze bauen, Waffen verstecken oder sich zeitweise mit kriminellen und verwandtschaftlichen Netzwerken vermischen. Dafür benötigen sie weder ein großes Lager noch eine offene Frontlinie.
Mehrere tödliche Angriffe im Jahr 2026
Am 23. Januar wurden in Munai in Lanao del Norte vier Soldaten getötet und ein weiterer verletzt. Die Streitkräfte machten mutmaßliche Mitglieder der Dawlah-Islamiyah-Maute-Gruppe für den Hinterhalt verantwortlich. Die Soldaten waren nach Behördenangaben im Rahmen zivil-militärischer Aufgaben unterwegs.
Ende Januar intensivierte das Militär seine Einsätze gegen die Dawlah-Islamiyah-Hassan-Gruppe in Maguindanao del Sur. Die Operationen führten erneut zur Flucht von Familien aus betroffenen Ortschaften. Das verdeutlicht eine zweite Seite der Sicherheitslage: Auch erfolgreiche Einsätze können für Zivilisten zeitweilige Vertreibung, Unterrichtsausfälle und den Verlust von Einkommen bedeuten.
Am 8. März wurde in Banisilan in der Provinz Cotabato ein mutmaßlicher Unterführer der Hassan-Gruppe getötet. Am 28. März folgte einer der schwersten Angriffe des Jahres: Bei einem Hinterhalt in Shariff Aguak in Maguindanao del Sur starben fünf Polizisten, drei weitere wurden verletzt. Die Regionalpolizei machte Dawlah Islamiyah für den Angriff verantwortlich. Spätere Einsätze richteten sich gegen mutmaßlich beteiligte Verdächtige.
Am 17. April wurden in Marantao in Lanao del Sur zehn mutmaßliche Mitglieder der Dawlah-Islamiyah-Maute-Gruppe getötet, darunter nach Militärangaben ein führender Kommandeur. Die Gruppe wurde mit dem Januar-Hinterhalt auf die Soldaten in Verbindung gebracht. Sicherheitskräfte fanden Schusswaffen, eine Granate und Bestandteile improvisierter Sprengsätze.
Im Juli meldeten Behörden weitere Gefechte, Waffenfunde und die Festnahme mehrerer mutmaßlicher Bombenbauer in Maguindanao del Sur. Solche Festnahmen sind für die Sicherheitslage oft wichtiger als die reine Zahl getöteter Kämpfer, weil Kenntnisse über Sprengstoffbau, Lieferwege, Verstecke und Kontakte innerhalb kleiner Zellen nur schwer zu ersetzen sind.
Warum die Gruppe trotz hoher Verluste nicht verschwindet
Dawlah Islamiyah profitiert nicht mehr von der Dynamik, die während des Aufstiegs des Islamischen Staates im Irak und in Syrien sowie vor der Belagerung von Marawi ausländische und lokale Kämpfer anzog. Rekrutierung, Finanzierung und offene Bewegung sind schwieriger geworden. Der Verlust erfahrener Anführer schwächt Planung und Zusammenhalt.
Vollständig beseitigt ist das Umfeld für neue Zellen dennoch nicht. In Teilen Mindanaos bestehen Armut, schwache staatliche Dienstleistungen, lokale Machtkonflikte, Clanfehden und leicht zugängliche Waffen fort. Extremistische Akteure können solche Konflikte nutzen, ohne dass jeder lokale Gewalttäter ideologisch fest in eine Terrororganisation eingebunden sein muss. Gerade diese Vermischung erschwert eine eindeutige Zuordnung einzelner Angriffe.
Führungsverluste können außerdem kurzfristig Vergeltungsversuche auslösen. Sicherheitsanalysen zu Mindanao weisen seit Jahren darauf hin, dass die Tötung eines Kommandeurs eine Gruppe organisatorisch schwächen kann, aber nicht automatisch die Ideologie, familiäre Bindungen oder lokale Unterstützungsstrukturen beseitigt.
Nicht mit der Bangsamoro-Friedensbewegung gleichsetzen
Die Dawlah-Islamiyah-Zellen dürfen nicht mit der Moro Islamic Liberation Front oder der Bevölkerung der Bangsamoro Autonomous Region in Muslim Mindanao gleichgesetzt werden. Die Moro Islamic Liberation Front schloss 2014 ein Friedensabkommen mit der Regierung und ist ein zentraler Träger der autonomen Bangsamoro-Strukturen. Extremistische Splittergruppen lehnten diesen Weg ab und setzen weiterhin auf Gewalt.
Die Zusammenarbeit zwischen Sicherheitskräften, lokalen Verwaltungen, Gemeinden und früheren Rebellen ist einer der Gründe dafür, dass große Lager und Bewegungen leichter entdeckt werden. Gleichzeitig muss verhindert werden, dass pauschale Verdächtigungen ganze Ortschaften treffen oder zivile Opfer und Vertreibungen neue Ressentiments erzeugen.
Gesamtbild: beherrschbarer, aber nicht verschwundener Gegner
Die Dawlah Islamiyah verfügt nach allem, was öffentlich bekannt ist, nicht mehr über die Stärke für eine Operation wie die Besetzung Marawis. Ihre Teilgruppen stehen unter ständigem militärischem und polizeilichem Druck, verlieren Führungsfiguren und Waffen und können sich kaum offen bewegen. In diesem Sinn ist die Bedrohung deutlich zurückgegangen.
Die Angriffe von Munai und Shariff Aguak zeigen jedoch, dass kleine Zellen weiterhin hohe Verluste verursachen können. Der Einsatz in Pikit ist deshalb als Teil einer fortdauernden Auseinandersetzung einzuordnen. Ein Ende der Gruppe lässt sich aus fünf weiteren getöteten mutmaßlichen Mitgliedern nicht ableiten. Aussagekräftiger wäre, ob Waffen- und Sprengstoffnetzwerke dauerhaft zerschlagen werden, weitere Mitglieder aussteigen und in den betroffenen Gemeinden keine neuen Rekruten nachrücken.
Quellen: Philippine Daily Inquirer, Bericht zum Einsatz in Pikit, 6. August 2026; Armed Forces of the Philippines und Philippine News Agency, Angaben zur Stärke lokaler Terrorgruppen und zu Einsätzen 2025/2026; MindaNews, Berichte zu den Hinterhalten in Munai und Shariff Aguak; GMA Regional TV News und Associated Press, Berichte zum Einsatz in Marantao am 17. April 2026; S. Rajaratnam School of International Studies, aktuelle Länderanalyse zu islamistischem Extremismus auf den Philippinen. RM







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