MANILA – Der philippinische Senat hat die Magna Carta of Barangay Health Workers einstimmig in dritter und letzter Lesung beschlossen. Alle 20 an der Abstimmung teilnehmenden Senatoren stimmten am Montag, 3. August 2026, für Senate Bill No. 1905. – klajoo.com – Der Gesetzentwurf soll landesweit einheitlichere Mindestleistungen, Versicherungen und Schutzrechte für rund 277.000 Barangay Health Workers schaffen.
Barangay Health Workers, kurz BHWs, sind örtliche Gesundheitshelfer, die in Gemeinden und Stadtvierteln den Kontakt zwischen Bevölkerung, Gesundheitsstationen und medizinischem Personal herstellen.
Zu ihren Aufgaben gehören je nach Gemeinde unter anderem Hausbesuche, Gesundheitsaufklärung, Unterstützung bei Impfungen, Betreuung schwangerer Frauen, Überwachung von Kindern, Hilfe bei der Medikamentenausgabe und die Weiterleitung erkrankter Personen an Ärzte oder Krankenhäuser.
Viele arbeiten bislang als Freiwillige
Ein großer Teil der Barangay Health Workers gilt rechtlich nicht als regulär angestelltes Gesundheitspersonal, sondern als akkreditierte oder registrierte freiwillige Hilfskraft.
Die Höhe ihrer Aufwandsentschädigung und die tatsächlich gewährten Leistungen unterscheiden sich deshalb erheblich zwischen wohlhabenden Städten und finanzschwachen Gemeinden.
Manche örtlichen Verwaltungen zahlen regelmäßige Honorare und zusätzliche Leistungen. Andere Barangay Health Workers erhalten nur geringe oder unregelmäßige Beträge und müssen nach Aussagen von Senatoren sogar Fahrtkosten oder kleine medizinische Materialien teilweise selbst bezahlen.
Mindestens 3.000 Peso monatlich
Der vom Senat beschlossene Entwurf sieht für registrierte Barangay Health Workers ein monatliches Honorar von mindestens 3.000 Peso vor.
Hinzu kommen eine Gefahrenzulage, eine Transportzulage und staatlicher Versicherungsschutz. Wer mindestens 15 Jahre ununterbrochen als Barangay Health Worker tätig war, soll außerdem einmalig einen Treuebonus von 10.000 Peso erhalten.
Das Honorar ist kein reguläres Beamtengehalt. Die Gesetzesvorlage soll aber erstmals einen landesweiten Mindeststandard schaffen, unter den lokale Zahlungen nicht fallen sollen.
Örtliche Verwaltungen könnten weiterhin höhere Honorare und zusätzliche Leistungen gewähren, sofern ihre Haushalte dies zulassen.
Bestehendes Gesetz reicht vielen Helfern nicht aus
Barangay Health Workers besitzen bereits seit 1995 gesetzlich festgelegte Rechte.
Republic Act No. 7883, der Barangay Health Workers’ Benefits and Incentives Act, sieht unter anderem Bildungsangebote, Zugang zu Darlehen, bestimmte Vergünstigungen und weitere Anreize für akkreditierte Helfer vor.
Viele Leistungen, die Ausgaben örtlicher Verwaltungen erfordern, müssen jedoch von den jeweiligen Local Health Boards geprüft und genehmigt werden. Dadurch entstanden große regionale Unterschiede, und das Gesetz garantiert kein einheitliches monatliches Mindesthonorar für alle.
Die neue Magna Carta soll deshalb nicht bei null beginnen, sondern die bestehenden Regelungen ausweiten, vereinheitlichen und verbindlicher machen.
Warum Barangay Health Workers wichtig sind
In vielen ländlichen Gebieten, auf kleineren Inseln und in dicht besiedelten Stadtvierteln sind Barangay Health Workers die ersten Ansprechpartner bei Gesundheitsproblemen.
Sie kennen die Familien in ihrem Zuständigkeitsbereich, beobachten Risikoschwangerschaften, erinnern an Untersuchungen und Impfungen und können frühzeitig erkennen, wenn sich Infektionskrankheiten, Unterernährung oder andere Gesundheitsprobleme häufen.
Gerade in Gebieten mit wenigen Ärzten und langen Wegen zum nächsten Krankenhaus übernehmen sie Aufgaben, ohne die viele Präventions- und Gesundheitsprogramme die Bevölkerung kaum erreichen würden.
Die Barangay Health Workers ersetzen keine Ärzte, Pflegekräfte oder Hebammen. Sie bilden aber die Verbindung zwischen professionellem Gesundheitssystem und örtlicher Gemeinschaft.
Versicherung und Schutz vor Risiken
Die vorgesehene staatliche Versicherung ist besonders relevant, weil Barangay Health Workers regelmäßig mit kranken Menschen in Kontakt kommen, längere Wege zurücklegen und teilweise in Katastrophen-, Epidemie- oder Konfliktgebieten eingesetzt werden.
Die Gefahrenzulage soll Tätigkeiten berücksichtigen, bei denen ein erhöhtes Gesundheits- oder Sicherheitsrisiko besteht.
Die Transportzulage soll verhindern, dass Helfer notwendige Hausbesuche, Fortbildungen oder Begleitungen aus eigener Tasche finanzieren müssen.
Die konkreten Beträge und Voraussetzungen einzelner Zulagen müssen im endgültigen Gesetzestext und späteren Ausführungsbestimmungen präzisiert werden.
Vier Jahrzehnte parlamentarische Anläufe
Nach Angaben des Senats und der beteiligten Politiker reichen die Bemühungen um eine umfassendere Magna Carta für Barangay Health Workers rund vier Jahrzehnte zurück.
In mehreren Legislaturperioden wurden ähnliche Entwürfe eingebracht. Eine Fassung passierte bereits im Februar 2025 den damaligen Senat, wurde aber vor Ende der Legislaturperiode nicht endgültig Gesetz.
Mit Beginn des 20. Kongresses mussten die Vorschläge erneut eingebracht und beraten werden. Senate Bill No. 1905 fasste mehrere Initiativen verschiedener Senatoren zusammen.
Noch kein geltendes Gesetz
Die einstimmige Zustimmung des Senats ist ein wichtiger Schritt, macht die Magna Carta aber noch nicht zu geltendem Recht.
Das Repräsentantenhaus muss einen gleichlautenden Entwurf verabschieden. Falls beide Kammern unterschiedliche Fassungen beschließen, müssen diese in einem gemeinsamen Vermittlungsverfahren zusammengeführt werden.
Erst wenn Senat und Repräsentantenhaus denselben Text angenommen haben, kann die Vorlage dem Präsidenten zur Unterzeichnung übermittelt werden.
Bis dahin bleiben die vorgesehenen 3.000 Peso, Zulagen, Versicherungsleistungen und Treueprämien Ansprüche aus einem Gesetzentwurf und dürfen noch nicht als bereits auszahlbare Leistungen dargestellt werden.
Finanzierung bleibt entscheidend
Eine der wichtigsten offenen Fragen ist, wie finanzschwache Gemeinden die neuen Mindestleistungen dauerhaft finanzieren sollen.
Wird die Verantwortung überwiegend den örtlichen Verwaltungen übertragen, könnten gerade kleinere und ärmere Gemeinden Schwierigkeiten bekommen, alle Beträge regelmäßig auszuzahlen.
Frühere Beratungen sahen deshalb Unterstützungsmechanismen des nationalen Staates für finanzschwächere Local Government Units vor. Die endgültige Ausgestaltung und Höhe dieser Unterstützung ist entscheidend dafür, ob die neuen Rechte landesweit tatsächlich gleichmäßig umgesetzt werden können.
Die Verabschiedung im Senat beendet damit noch nicht die jahrzehntelange Diskussion. Sie bringt die Magna Carta jedoch einen wesentlichen Schritt näher an ein verbindliches landesweites Schutzsystem.
Quellen: Senate Bill No. 1905; Senat der Philippinen; Republic Act No. 7883; The Philippine Star / RM







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