MINDANAO – In Davao City haben im vergangenen Jahr 72 mutmaßliche Opfer illegaler Rekrutierung beim regionalen Büro des Department of Migrant Workers, kurz DMW, eine entsprechende Bescheinigung beantragt. – klajoo.com – Diese wird benötigt, um gegen mutmaßliche illegale Vermittler oder Vermittlungsagenturen gerichtlich vorgehen zu können.
In der gesamten Davao Region wurden nach Angaben des DMW 112 solcher Anträge registriert. Damit kamen fast zwei Drittel der erfassten Antragsteller aus Davao City. Die Zahlen veranlassten den Stadtrat, stärkere Schutzmaßnahmen auf Ebene der Stadt und ihrer 182 Barangays vorzubereiten.
Die 72 Fälle dürfen allerdings nicht pauschal als 72 bestätigte Fälle von Menschenhandel bezeichnet werden. Es handelt sich zunächst um Personen, die sich wegen mutmaßlicher unerlaubter Arbeitsvermittlung an das DMW gewandt und eine Bescheinigung für ein mögliches Gerichtsverfahren erhalten haben. Ob darüber hinaus Menschenhandel vorliegt, hängt unter anderem davon ab, ob die Betroffenen durch Täuschung, Zwang oder das Ausnutzen ihrer Notlage für Arbeit, sexuelle Dienstleistungen oder andere Zwecke ausgebeutet werden sollten.
Besonders viele Betroffene aus Talomo und Marilog
Die meisten Antragsteller aus Davao City kamen aus den Distrikten Talomo und Marilog. Für Talomo wurden 16 und für Marilog 15 Personen registriert. Es folgten Toril mit neun, Calinan mit sieben, Buhangin mit vier sowie Bunawan und Poblacion mit jeweils drei Personen. Aus Agdao kamen zwei Antragsteller, aus Paquibato und Tugbok jeweils einer. Bei elf weiteren Personen war zwar bekannt, dass sie aus Davao City stammen, ihr genauer Distrikt wurde jedoch nicht erfasst.
Nach Angaben der Vorsitzenden des Ausschusses für Wanderarbeitnehmer im Stadtrat, Rachel Zozobrado, waren viele der Betroffenen Frauen. Sie seien unter anderem mit vermeintlichen Arbeitsangeboten in Japan, Australien und Kanada angeworben worden.
Zozobrado erklärte außerdem, dass ein großer Teil der mutmaßlichen Vermittler entweder in Davao City wohne oder dort Büros und andere Anlaufstellen unterhalte. Aus den bislang veröffentlichten Zahlen lässt sich jedoch nicht ableiten, dass alle Fälle zu einem gemeinsamen organisierten Netzwerk gehören. Es kann sich sowohl um einzelne Vermittler als auch um Agenturen, regionale Gruppen oder miteinander verbundene Strukturen handeln.
Unerlaubte Arbeitsvermittlung und Menschenhandel treten häufig gemeinsam auf, sind rechtlich aber nicht dasselbe
Als illegale Rekrutierung/unerlaubte Arbeitsvermittlung gilt unter anderem, wenn eine Person oder ein Unternehmen ohne die erforderliche Genehmigung Arbeitnehmer für Stellen im Ausland anwirbt, vermittelt oder ihnen eine Beschäftigung verspricht. Dazu kann bereits das Veröffentlichen oder Weiterleiten entsprechender Stellenangebote gehören.
Auch eine offiziell zugelassene Vermittlungsagentur darf nicht jedes beliebige Stellenangebot vermitteln. Arbeitssuchende sollten deshalb nicht nur prüfen, ob die Agentur eine gültige Lizenz besitzt, sondern auch, ob für die angebotene Tätigkeit und den genannten Arbeitgeber ein genehmigter Job Order vorliegt.
Eine Agentur kann beispielsweise grundsätzlich zugelassen sein, aber ohne Genehmigung Pflegekräfte, Hausangestellte oder andere Beschäftigte für einen bestimmten Arbeitgeber oder ein bestimmtes Land anwerben. Auch eine solche Vermittlung kann illegal sein.
Menschenhandel liegt vor, wenn Personen unter anderem durch Betrug, Täuschung, Drohungen, Zwang, Machtmissbrauch oder das Ausnutzen einer besonderen Schutzbedürftigkeit angeworben, transportiert, untergebracht oder übernommen werden, um sie auszubeuten.
Zu den möglichen Formen der Ausbeutung gehören Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft, sexuelle Ausbeutung, unfreiwillige Dienstleistungen, Sklaverei oder der Handel mit Organen. Bei Kindern gelten verschärfte Regeln. Für die Einstufung als Menschenhandel muss bei ihnen nicht erst nachgewiesen werden, dass Gewalt oder Zwang angewendet wurden, wenn die Anwerbung einem ausbeuterischen Zweck diente.
Gefälschte Stellenangebote verbreiten sich über soziale Medien
Die Stadtverwaltung von Davao warnt insbesondere vor Stellenanzeigen, die über soziale Netzwerke, Messenger-Gruppen oder persönliche Kontakte verbreitet werden. Ein vertrauenswürdig wirkendes Profil oder die Empfehlung durch Freunde und Bekannte ist noch kein Beleg dafür, dass eine Agentur oder ein Stellenangebot legal ist.
Zu den bekannten Vorgehensweisen gehören überhöhte Vermittlungs- und Bearbeitungsgebühren, Treffen an ungewöhnlichen Orten, nicht überprüfbare Arbeitgeber, mündliche Versprechen ohne vollständigen Vertrag sowie die Forderung, Geld auf private Konten oder über digitale Zahlungsdienste zu überweisen.
Weitere Warnzeichen sind:
- ein Arbeitsvertrag, der kurz vor der Abreise ausgetauscht oder nachträglich verändert wird,
- die Einbehaltung von Reisepass oder anderen Dokumenten,
- eine Ausreise mit Touristenvisum, obwohl im Zielland gearbeitet werden soll,
- angebliche Praktika oder Schulungen, die in Wirklichkeit der Vermittlung von Arbeitskräften dienen,
- nicht genehmigte direkte Einstellungen,
- Angebote von Visa- oder Beratungsunternehmen, die gleichzeitig Arbeitsplätze versprechen,
- und Anzeigen, in denen weder die verantwortliche Agentur noch der tatsächliche Arbeitgeber erkennbar genannt werden.
Bei sogenannten Tourist-Worker-Systemen reisen die Betroffenen offiziell als Touristen aus, sollen am Zielort aber eine Beschäftigung aufnehmen. Dadurch fehlen häufig ein geprüfter Arbeitsvertrag, eine reguläre Registrierung als Overseas Filipino Worker und der Zugang zu wichtigen Schutz- und Unterstützungsleistungen.
Bei anderen Verfahren werden Minderjährige oder Personen mit unvollständigen Papieren unter einer falschen Identität ausgeführt. Teilweise sollen Begleitpersonen dabei helfen, Kontrollen an Flughäfen oder anderen Ausreisepunkten zu umgehen.
203 laufende Verfahren in der Davao Region
Neben den 112 Anträgen auf Bescheinigungen wegen mutmaßlicher illegaler Rekrutierung gibt es in der Davao Region eine wesentlich größere Zahl bereits laufender Gerichtsverfahren.
Die regionale Staatsanwaltschaft des Department of Justice meldete im Juli 2026 insgesamt 203 aktive Verfahren wegen Menschenhandels und damit zusammenhängender Straftaten. Diese Zahl bezieht sich auf die gesamte Davao Region und auf Fälle, die sich seit 2019 angesammelt haben. Sie darf daher nicht mit den 72 Antragstellern aus Davao City im Jahr 2025 gleichgesetzt werden.
Von den laufenden Verfahren betreffen 145 unmittelbar Menschenhandel. Weitere 58 Verfahren beziehen sich auf damit zusammenhängende Straftaten. Dazu gehören unter anderem die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet, Cyber-Trafficking und Verstöße gegen das Gesetz zum besonderen Schutz von Kindern vor Missbrauch und Ausbeutung.
Zusätzlich arbeitet die regionale Staatsanwaltschaft gemeinsam mit den Ermittlungsbehörden an elf Fällen, bei denen zunächst Beweise gesammelt und geprüft werden, bevor über die Einreichung einer formalen Anklage entschieden wird.
Seit 2019 wurden in der Region nach Angaben der Staatsanwaltschaft bereits 419 Verfahren wegen Menschenhandels oder verbundener Delikte abgeschlossen. Darunter waren 274 Verfahren, die unmittelbar als Menschenhandel eingestuft wurden.
Die hohen Zahlen bedeuten nicht zwangsläufig, dass sämtliche Taten erst 2025 oder 2026 begangen wurden. Gerichtsverfahren können sich über mehrere Jahre erstrecken. Zudem können eine gestiegene Zahl von Anzeigen, bessere Ermittlungsmöglichkeiten und eine stärkere Unterstützung der Betroffenen dazu führen, dass mehr Fälle sichtbar werden.
Neue Schutzverordnung für Davao City geplant
Der Stadtrat berät inzwischen über eine eigene Safe Migration Ordinance. Der Vorschlag trägt den Namen „Kalinga sa Migranteng Dabawenyo Ordinance of 2026“ und wurde Mitte Juli in erster Lesung angenommen.
Die geplante Verordnung soll den Schwerpunkt stärker auf die Vorbeugung legen. Bislang greifen viele Schutzsysteme erst ein, nachdem Betroffene Geld verloren haben, ausgebeutet wurden, im Ausland festsitzen oder zurückgeführt werden müssen.
Vorgesehen sind unter anderem strengere Regeln für Jobmessen, umfassendere Informationspflichten für Vermittler, regelmäßige stadtweite Aufklärungskampagnen und eine bessere Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung, dem DMW, der Overseas Workers Welfare Administration und weiteren Behörden.
Außerdem sollen eine zentrale Safe Migration Desk für Davao City und eigene OFW Help Desks in den Barangays eingerichtet werden. Dadurch sollen Arbeitssuchende bereits in ihrem Wohnumfeld Stellenangebote, Agenturen und erforderliche Dokumente prüfen lassen können.
Zu den geplanten Grundsätzen gehört die Aufforderung „Verify. Report. Protect. Participate.“ – überprüfen, melden, schützen und mitwirken. Zusätzlich soll ein als „Apat Dapat“ bezeichnetes Prüfsystem Arbeitssuchenden dabei helfen, die wichtigsten Angaben zu einer Auslandsbeschäftigung vor einer Zahlung oder Vertragsunterzeichnung zu kontrollieren.
Digitale Angebote wie TaraKabayan, Power MIMS und KalingApp sollen ebenfalls einbezogen werden. Nach den bislang veröffentlichten Informationen soll damit eine durchgängige Unterstützung von der Vorbereitung einer Auslandsbeschäftigung bis zur Rückkehr oder Reintegration ermöglicht werden.
Die Verordnung ist noch nicht beschlossen. Nach der ersten Lesung folgen die Beratung in den zuständigen Ausschüssen, mögliche Änderungen und weitere Abstimmungen im Stadtrat.
Hilfe beginnt bereits vor einer Zahlung
Arbeitssuchende sollten eine Vermittlungsagentur und das konkrete Stellenangebot überprüfen, bevor sie Geld zahlen, persönliche Dokumente übergeben oder einen Vertrag unterschreiben.
Über die Internetangebote des Department of Migrant Workers können zugelassene Agenturen und genehmigte Stellenangebote kontrolliert werden. Stimmen Berufsbezeichnung, Arbeitgeber, Zielland oder Agentur nicht mit den dort veröffentlichten Angaben überein, sollte die Vermittlung nicht fortgesetzt werden.
Betroffene und deren Angehörige können sich in Davao City an das OFW Families’ Welfare and Crisis Center der Stadtverwaltung wenden. Das Zentrum bietet unter anderem Unterstützung bei rechtlichen, finanziellen und familiären Problemen im Zusammenhang mit einer Auslandsbeschäftigung.
Das Crisis Center ist unter der Telefonnummer 0962 996 6520 erreichbar. Verdachtsfälle von Menschenhandel können außerdem über die landesweite Hotline 1343 des Inter-Agency Council Against Trafficking gemeldet werden.
Die aktuellen Zahlen zeigen vor allem, dass die Anwerbung häufig nicht erst im Ausland beginnt. Der erste Kontakt entsteht vielfach innerhalb des Wohnorts, über Bekannte, soziale Medien oder scheinbar gewöhnliche Vermittlungsbüros. Genau dort sollen die neuen Schutzmaßnahmen in Davao City künftig früher ansetzen.
Quellen: Department of Migrant Workers Regional Office XI; Department of Justice – Regional Prosecution Office XI; Stadtverwaltung Davao City; Stadtrat von Davao City; Republic Act No. 10022; Expanded Anti-Trafficking in Persons Act of 2022; GMA Regional TV; Edge Davao / RM







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