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Luzon

Zweites Stahlwerk mit radioaktiven Materialien innerhalb weniger Monate entdeckt

LUZON – Bei einer Razzia in einem Stahlwerk in der Provinz Pampanga haben philippinische Behörden radioaktive Materialien, mutmaßlich nicht normgerechte Stahlprodukte und gefährliche Arbeitsbedingungen entdeckt. – klajoo.com – Das National Bureau of Investigation und die Presidential Anti-Organized Crime Commission durchsuchten am 18. Juli das Werk von Chuangxing Steel Incorporated in Barangay Navaling in der Gemeinde Magalang.

Nach den inzwischen veröffentlichten Behördenangaben wurden Materialien, Produktionsrückstände und Industrieabfälle mit radioaktiven Thorium-Isotopen gefunden.

Auch fertige Stahlprodukte, Produktionsanlagen und weitere Materialien wurden beschlagnahmt. Ihr Gesamtwert wird von den Ermittlern mit mehr als drei Milliarden Peso angegeben.

Das Philippine Nuclear Research Institute nahm Proben aus dem Werk. Neben Rohstoffen und Abfällen wurden auch fertige Stahlprodukte zur Untersuchung ins Labor gebracht.

Die Ermittler fanden in Teilen des Werks radioaktive Stoffe, die Alpha- und Gammastrahlung abgeben. Bei zehn Beschäftigten besteht der Verdacht, dass sie während ihrer Arbeit radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren.

Ob die Betroffenen tatsächlich eine gesundheitlich bedeutsame Strahlendosis aufgenommen haben, muss durch medizinische und radiologische Untersuchungen geklärt werden.

Die Behörden stellten außerdem Stahlprodukte sicher, die den philippinischen Qualitätsanforderungen nicht entsprechen sollen.

Von besonderer Bedeutung ist die Frage, ob solche Produkte das Werk bereits verlassen haben. Die Ermittler prüfen, ob Stahl aus der Produktion für Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser, Brücken, Evakuierungszentren, Flughäfen, Häfen oder andere öffentliche und private Bauwerke verwendet wurde.

Bislang ist nicht abschließend geklärt, ob radioaktive Bestandteile auch in bereits ausgelieferten Produkten enthalten waren. Eine radioaktive Belastung am Produktionsstandort bedeutet nicht automatisch, dass jeder dort hergestellte Stahl kontaminiert ist.

Das Werk wurde auf Anordnung des Department of Environment and Natural Resources geschlossen. Die Behörde begründete dies mit einer unmittelbaren Gefahr für Beschäftigte, Bevölkerung und Umwelt.

Vier leitende Mitarbeiter des Unternehmens wurden festgenommen. Den Behörden zufolge handelt es sich um drei chinesische und einen philippinischen Staatsangehörigen.

Im Werk wurden mehrere hundert Beschäftigte angetroffen. Die zunächst veröffentlichten Zahlen wurden während der Erfassung mehrfach korrigiert. Nach dem jüngsten Bericht betraf die Maßnahme 347 philippinische und 37 chinesische Beschäftigte.

Die Einwanderungsbehörde prüft den Aufenthalts- und Arbeitsstatus der ausländischen Mitarbeiter.

Daneben untersuchen die Behörden mögliche Verstöße gegen das Arbeitsrecht. Genannt werden fehlende oder unzureichende Schutzausrüstung, Probleme bei Löhnen und Sozialleistungen sowie das Fehlen vorgeschriebener Arbeitsschutzprogramme.

Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück. Chuangxing Steel erklärte, über die erforderlichen Umweltgenehmigungen und behördlichen Zulassungen zu verfügen und vollständig mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten.

Die Unternehmensleitung betont, die Anschuldigungen seien noch nicht bewiesen. Sie erwartet nach eigener Darstellung, dass die Prüfung der Unterlagen und Untersuchungsergebnisse die Einhaltung der geltenden Vorschriften bestätigen werde.

Der Fall in Pampanga ist innerhalb weniger Monate bereits die zweite umfangreiche Untersuchung eines philippinischen Stahlwerks wegen radioaktiver Materialien und mutmaßlich minderwertiger Produkte.

Am 15. Mai hatten Behörden die Philippine Sanjia Steel Corporation im Industriegebiet PHIVIDEC in Tagoloan in der Provinz Misamis Oriental durchsucht.

Dort fanden Fachleute nach Behördenangaben radioaktiv belasteten Metallschrott, der aus China eingeführt worden sein soll.

Genannt wurden Uran-238, Thorium-228 und Thorium-232. Auch in diesem Werk standen mögliche Verstöße gegen Sicherheits-, Verbraucher-, Arbeits- und Einwanderungsvorschriften im Raum.

Bei der Razzia wurden 69 chinesische Staatsangehörige und ein Filipino festgenommen. Mehr als 300 Beschäftigte verloren zunächst ihre Arbeit beziehungsweise mussten das Werk verlassen.

Die Ermittler prüften außerdem Verbindungen der Unternehmensverantwortlichen zu Personen aus Politik, Verwaltung und Privatwirtschaft.

Die chinesische Botschaft äußerte nach der Razzia in Misamis Oriental Bedenken, chinesische Staatsangehörige könnten wegen ihrer Nationalität benachteiligt wurden.

Die philippinische Polizei wies dies zurück. Entscheidend seien die festgestellten Verstöße und die gerichtlich angeordneten Durchsuchungen, nicht die Staatsangehörigkeit der Beschäftigten.

Ob zwischen den Werken in Misamis Oriental und Pampanga geschäftliche, personelle oder liefertechnische Verbindungen bestehen, ist bisher nicht bestätigt.

Die Ähnlichkeiten sind dennoch auffällig: In beiden Fällen geht es um ausländisch kontrollierte Stahlwerke, radioaktiv belastete Materialien, mutmaßlich nicht normgerechte Produkte, ausländische Beschäftigte mit ungeklärtem Status und erhebliche Defizite beim Arbeitsschutz.

Die beiden Fälle werfen deshalb eine grundsätzliche Frage auf: Wie werden importierter Metallschrott, Stahlwerke und fertige Baustahlprodukte auf den Philippinen kontrolliert?

Radioaktive Stoffe können in den Recyclingkreislauf gelangen, wenn kontaminierte Maschinen, medizinische Strahlenquellen oder andere belastete Metallteile als Schrott eingeschmolzen werden.

Wird eine solche Kontamination nicht vor der Verarbeitung erkannt, können Produktionsanlagen, Schlacke, Abfälle und möglicherweise auch fertige Produkte betroffen sein.

Stahl für tragende Bauteile muss außerdem unabhängig von einer möglichen radioaktiven Belastung festgelegte Anforderungen an Zusammensetzung, Festigkeit und Verformbarkeit erfüllen.

Minderwertiger Bewehrungsstahl kann bei Erdbeben, Taifunen und anderen Belastungen die Sicherheit von Gebäuden und Infrastruktur beeinträchtigen.

Die Ermittlungen müssen deshalb nicht nur die Vorgänge innerhalb der beiden Werke untersuchen. Entscheidend ist auch, woher die Rohstoffe kamen, wer die Produkte abnahm und ob möglicherweise bereits verbauter Stahl zurückverfolgt werden kann. – Quelle: National Bureau of Investigation, Presidential Anti-Organized Crime Commission, Philippine Nuclear Research Institute, Department of Environment and Natural Resources sowie Philippine News Agency / RM

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