MANILA – Landwirtschaftliche Streitpunkte gehören zu den schwierigsten Themen bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen den Philippinen und der Europäischen Union. – klajoo.com – Beide Seiten wollen den Waren- und Dienstleistungshandel erleichtern, Zölle abbauen und Investitionen fördern. Besonders im Agrar- und Lebensmittelbereich treffen jedoch unterschiedliche Interessen und Schutzsysteme aufeinander.
Die Philippinen hoffen auf einen besseren Zugang zum europäischen Markt für Bananen, Ananas, Kokosprodukte, Thunfisch, verarbeitete Fischprodukte und weitere Agrarerzeugnisse.
Viele dieser Waren gelangen bereits über das europäische Präferenzsystem GSP+ zu reduzierten oder vollständig aufgehobenen Zöllen in die EU. Dieses System ist jedoch einseitig von der Europäischen Union gewährt und an Bedingungen zu Menschenrechten, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Regierungsführung gebunden.
Ein Freihandelsabkommen könnte den Marktzugang dauerhafter vertraglich absichern. Es könnte außerdem Produktgruppen einbeziehen, die unter GSP+ nicht vollständig begünstigt sind.
Die Europäische Union verlangt im Gegenzug besseren Zugang für europäische Lebensmittel, Getränke und Agrarprodukte. Dazu können Milchprodukte, Fleisch, verarbeitete Lebensmittel, Wein und Spirituosen gehören.
Für philippinische Bauern und Lebensmittelproduzenten besteht die Sorge, dass stärker subventionierte oder effizienter produzierte europäische Waren lokale Anbieter unter Preisdruck setzen könnten.
Besonders empfindlich sind Bereiche, in denen die Philippinen bereits mit niedrigen Erzeugerpreisen, hohen Produktionskosten oder starker Importabhängigkeit kämpfen.
Verhandelt wird deshalb nicht nur über die Höhe von Zöllen. Wichtig sind auch Übergangsfristen, Mengenbegrenzungen und Schutzklauseln, mit denen ein plötzlicher Anstieg von Importen gebremst werden kann.
Ein weiterer Schwerpunkt sind sanitäre und phytosanitäre Regeln. Sie betreffen Tier- und Pflanzengesundheit, Rückstände, Krankheitserreger, Verpackung und Rückverfolgbarkeit.
Europäische Standards können für philippinische Exporteure eine Hürde sein, weil Nachweise, Laborkontrollen und Zertifizierungen teuer sind. Gleichzeitig schützen solche Regeln Verbraucher und Landwirtschaft vor Krankheiten und unsicheren Lebensmitteln.
Für Bananen, Ananas, Kokosprodukte und Fisch könnten einheitlichere Verfahren den Zugang zum europäischen Markt erleichtern. Voraussetzung ist jedoch, dass philippinische Produzenten die Anforderungen zuverlässig erfüllen.
Auch geografische Herkunftsbezeichnungen spielen eine Rolle. Die EU schützt Namen wie bestimmte Käse-, Wein- und Spirituosensorten besonders streng. Manila muss prüfen, welche Bezeichnungen auf den Philippinen als allgemeine Produktnamen verwendet werden und künftig eingeschränkt werden könnten.
Umgekehrt könnten philippinische Produkte mit regionaler Identität von einem besseren Schutz auf dem europäischen Markt profitieren.
Die Gespräche über ein EU-Philippinen-Abkommen begannen ursprünglich 2015 und wurden nach zwei Verhandlungsrunden unterbrochen. Im März 2024 kündigten beide Seiten die Wiederaufnahme an.
Seitdem fanden mehrere neue Verhandlungsrunden statt. Die fünfte Runde im März 2026 brachte nach europäischer Darstellung Fortschritte, unter anderem bei Marktzugang und Regeln für den Lebensmittelhandel. Eine Einigung besteht aber noch nicht.
Für die EU ist das Abkommen Teil einer breiteren Strategie in Südostasien. Die Union verfügt bereits über Freihandelsabkommen mit Singapur und Vietnam und verhandelt mit weiteren Staaten der Region.
Für die Philippinen geht es neben zusätzlichen Exporten um die Verringerung der wirtschaftlichen Abhängigkeit von einzelnen Märkten und um mehr europäische Investitionen.
Ein Abkommen mit der EU wäre wirtschaftlich wesentlich bedeutender als die gleichzeitig geführten Gespräche mit Chile. Die Europäische Union umfasst 27 Staaten und gehört zu den wichtigsten Handels- und Investitionspartnern der Philippinen.
Agrarfragen sind auch innerhalb der EU politisch empfindlich. Europäische Bauern protestieren regelmäßig gegen Freihandelsabkommen, wenn sie stärkere Konkurrenz durch billigere Importe befürchten.
Die EU wird deshalb auch bei philippinischen Exportinteressen auf Mengen, Produktionsstandards, Pestizide, Umweltauflagen und Arbeitsbedingungen achten.
Auf philippinischer Seite muss ein Abkommen verhindern, dass Exportchancen für große Agrarunternehmen mit Nachteilen für Kleinbauern und lokale Lebensmittelproduzenten erkauft werden.
Mögliche Lösungen sind lange Übergangsfristen, begrenzte zollfreie Kontingente, Schutzklauseln und Hilfen für Produzenten, die europäische Standards erfüllen wollen.
Ein Abschluss vor dem ASEAN-Gipfel im November gilt als schwierig, solange die sensiblen Agrarfragen nicht geklärt sind. Auch nach einer politischen Einigung müsste das Abkommen rechtlich geprüft, unterzeichnet und ratifiziert werden. – Quelle: Department of Trade and Industry; Europäische Kommission; Philippine Daily Inquirer / RM







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