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Wohin steuern die Philippinen? Hohe Zinsen, teure Energie und drei Wege bis 2028

bsp

MANILA – Die philippinische Zentralbank hat ihren Leitzins am Donnerstag, 22. Oktober, überraschend um 0,50 Prozentpunkte auf 5,50 Prozent angehoben. – klajoo.com – Sie reagiert damit auf den anhaltenden Preisdruck durch Energie, Nahrungsmittel und den schwachen Peso. Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der Bauinvestitionen nachgeben und zahlreiche Haushalte bereits mit höheren Lebenshaltungskosten kämpfen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob die Preise wieder langsamer steigen, sondern auch, wie viel wirtschaftliche Aktivität bei diesem Kurs verloren gehen könnte.

Die Bangko Sentral ng Pilipinas (BSP) erwartet für 2026 eine durchschnittliche Inflation von 6,1 Prozent. Für 2027 wurde die Prognose nach oben auf 6,0 Prozent angepasst. Damit liegt der erwartete Preisanstieg weit über dem längerfristigen Zielkorridor der Zentralbank von zwei bis vier Prozent. Die Zinserhöhung soll verhindern, dass Unternehmen und Beschäftigte dauerhaft mit immer höheren Preisen rechnen und daraus eine weitere Inflationsrunde entsteht. Sie kann jedoch weder einen Wirbelsturm verhindern noch Erdölimporte unmittelbar verbilligen.

Für den Alltag sind die Folgen ungleich verteilt. Variable Kredite und neue Finanzierungen werden tendenziell teurer. Wer einen Hausbau, ein Fahrzeug oder eine Betriebserweiterung über Kredite finanzieren will, muss genauer rechnen. Sparer könnten von höheren Einlagenzinsen profitieren, sofern Banken diese weitergeben. Wer keinen Kredit hat, leidet dennoch unter höheren Lebensmittel- und Treibstoffpreisen. Höhere Leitzinsen können außerdem den Peso stützen, garantieren aber keinen stabilen Wechselkurs.

Die Bauwirtschaft liefert ein Warnsignal. Laut Philippine Statistics Authority wurden im August 2026 nur 10.968 Baugenehmigungen registriert, 31,0 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der genehmigte Bauwert sank um 38,9 Prozent auf 39,22 Milliarden Peso, umgerechnet rund 551 Millionen Euro. Besonders die Zahl der Wohnbauvorhaben ging zurück. Baugenehmigungen sind allerdings eine Frühkennzahl und keine Messung der bereits laufenden Bautätigkeit.

Ein erstes denkbares Szenario ist eine langsame Stabilisierung. Wenn der Preisdruck bei Treibstoff und Lebensmitteln nachlässt, können die Zinsen später wieder sinken. Unternehmen hätten mehr Planungssicherheit, ohne dass die Zentralbank neue Preisschübe riskieren muss. Das wäre für private Investitionen und die Bauwirtschaft günstig, setzt aber voraus, dass der Inflationsrückgang dauerhaft ist.

Ein zweites Szenario ist eine längere Phase schwachen Wachstums bei hohen Zinsen. Steigende Finanzierungskosten würden Investitionen und Konsum weiter bremsen, während importierte Energie und klimabedingte Ernteausfälle die Inflation hoch halten. Für kleine Betriebe, Bauunternehmen und einkommensschwache Haushalte wäre diese Kombination besonders schwierig. Die Geldpolitik könnte dann in einen Zielkonflikt geraten: Preisstabilität sichern, ohne die Nachfrage weiter abzuwürgen.

Ein drittes Szenario wäre ein zusätzlicher wirtschaftlicher Schock, etwa durch eine neue Energiepreisspitze, mehrere schwere Naturkatastrophen oder einen stärkeren Kapitalabfluss. Dann könnten Lebensmittelpreise, Transportkosten und staatliche Hilfsausgaben gleichzeitig steigen. Auch der Peso würde unter Druck geraten. Dieses Szenario ist keine Prognose, sondern beschreibt Risiken, auf die Politik und Unternehmen vorbereitet sein sollten.

Woran erkennen wir den tatsächlichen Kurs? Die nächsten Inflationsberichte der PSA, die BSP-Entscheidung im Dezember, die Kreditentwicklung, neue Baugenehmigungen, Investitionszusagen und die Entwicklung der Agrarernten liefern konkrete Anhaltspunkte. Ebenso wichtig ist, ob angekündigte Energie-, Verkehrs- und Infrastrukturprojekte tatsächlich gebaut werden. Investitionsabsichten allein schaffen noch keine Arbeitsplätze.

Die Philippinen stehen damit nicht vor einer bereits feststehenden wirtschaftlichen Krise oder Erholung. Sie befinden sich in einer Phase, in der Geldpolitik, globale Energiepreise, Klimarisiken und die Fähigkeit der Regierung zur Umsetzung wirtschaftlicher Projekte besonders stark zusammenwirken. Eine seriöse Einschätzung für 2027 und 2028 muss diese Faktoren gemeinsam beobachten, statt aus einem einzelnen Monatswert einen allgemeinen Aufschwung oder Absturz abzuleiten. – RM

Quellen:

  • Reuters – Philippine central bank delivers larger-than-expected 50 bps hike to combat inflation, 22.10.2026
  • Philippine Statistics Authority – Construction Statistics from Approved Building Permits August 2026, 20.10.2026

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