MANILA – Mehr als die Hälfte aller philippinischen Familien sieht sich selbst als arm. In der jüngsten Befragung des Forschungsinstituts Social Weather Stations (SWS) stieg dieser Anteil von 49 Prozent im Juni auf 55 Prozent im September 2026. – klajoo.com – Nach einer Hochrechnung auf Grundlage der Bevölkerungsprojektionen entspricht das rund 16,8 Millionen Familien. Im Juni waren es geschätzt 13,6 Millionen. Die neue Erhebung wurde am 13. Oktober veröffentlicht.
Noch deutlicher ist die Entwicklung bei der Ernährung: 44 Prozent der Befragten stuften ihre Familie als arm im Hinblick auf die verfügbaren Lebensmittel ein. Im Juni waren es 36 Prozent gewesen. SWS schätzt die Zahl der Familien mit selbst empfundener Ernährungsarmut nun auf 13,3 Millionen. Diese Selbsteinschätzung gibt Einblick in die Alltagserfahrung der Haushalte, sie ist aber nicht mit der amtlichen Armutsgrenze der Statistikbehörde PSA gleichzusetzen.
Regional zeigen sich erhebliche Unterschiede. In Mindanao bezeichneten 64 Prozent der Befragten ihre Familien als arm; in den Visayas waren es 63 Prozent. Außerhalb der Hauptstadtregion auf Luzon lag der Anteil bei 51 Prozent, in Metro Manila bei 44 Prozent. Den größten Anstieg gegenüber Juni verzeichnete Luzon außerhalb der Hauptstadtregion mit zehn Prozentpunkten. Für eine Erklärung solcher regionalen Unterschiede reichen die Umfragewerte allein nicht aus; Arbeitsmarkt, Preise und Einkommen müssten zusätzlich verglichen werden.
Eine weitere Kennzahl verdeutlicht den Druck auf Haushaltsbudgets. Familien, die sich selbst als arm bezeichneten, nannten im landesweiten Median 15.000 PHP (rund 214 EUR) als monatlichen Betrag, den sie für ihre allgemeinen Haushaltsausgaben benötigen würden, um sich nicht mehr als arm einzustufen. Im Juni hatte dieser Schwellenwert 14.000 PHP betragen. Die von diesen Haushalten angegebene durchschnittliche monatliche Lücke stieg im Median von 5.000 auf 6.000 PHP. Es handelt sich um subjektive Angaben und keine amtlich berechneten Existenzminima.
SWS fragte vom 21. bis 27. September landesweit 1.500 Erwachsene persönlich zu ihrer familiären Situation. Die ausgewiesene Fehlermarge für nationale Prozentwerte beträgt nach Institutsangaben ungefähr drei Prozentpunkte. Deshalb sollte eine einzelne Schwankung nicht überinterpretiert werden. Der gleichzeitige Anstieg bei allgemeiner und ernährungsbezogener Armut liefert jedoch zwei unabhängige Hinweise darauf, dass viele Haushalte ihre wirtschaftliche Lage ungünstiger beurteilen.
Die Zahlen fallen in eine Zeit hoher Belastungen durch Energie- und Lebensmittelpreise. Dass solche Kosten den Ausschlag für den Stimmungsumschwung gegeben haben, kann aus der SWS-Erhebung allein nicht bewiesen werden. Für die wirtschaftspolitische Einordnung müssten die Ergebnisse mit amtlichen Preis-, Lohn- und Beschäftigungsdaten sowie der tatsächlichen Reichweite staatlicher Hilfszahlungen verglichen werden. Gerade der Abstand zwischen Wirtschaftswachstum und subjektiv erlebter Lebenslage verdient weitere Beobachtung. – RM
Quellen:
- Social Weather Stations – SOCIAL WEATHER REPORT | Self-Rated Poverty rises by 6% to 55%, while Self-Rated Food Poverty rises by 8% to 44%, between June and September 2026, 13.10.2026
- Philippine News Agency – Palace: 6.49-M Filipinos get first tranche of UPLIFT aid, 13.10.2026







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