MANILA – Die Philippine Coast Guard (PCG) hat gegen den Kapitän der ausgebrannten MV June Aster eine Strafanzeige wegen mutmaßlicher Fälschung einer öffentlichen Urkunde eingereicht. – klajoo.com – Damit hat sich die bisherige Prüfung möglicher Unstimmigkeiten in den Schiffsunterlagen zu einem konkreten strafrechtlichen Verfahren weiterentwickelt.
Die Anzeige gegen Kapitän Roel Sarmiento wurde beim National Prosecution Service des Department of Justice eingereicht. Im Mittelpunkt steht die Master Declaration of Safe Departure. Dabei handelt es sich um eine vom Kapitän unterzeichnete Erklärung, mit der vor dem Auslaufen unter anderem bestätigt wird, dass das Schiff nach den vorgeschriebenen Angaben sicher und abfahrbereit ist.
Nach Angaben von PCG-Sprecherin Commodore Noemie Cayabyab stellten Ermittler mehrere Abweichungen zwischen den eingereichten Unterlagen und den tatsächlich an Bord befindlichen Personen fest. Sechs Passagiere sollen auf dem Ticketmanifest gestanden haben, obwohl sie die Reise nicht antraten. Zusätzlich sei der Name eines Passagiers doppelt aufgeführt worden. Auch ein Besatzungsmitglied sei in den Unterlagen genannt worden, obwohl es tatsächlich nicht an Bord gegangen sei.
Die Strafanzeige bedeutet noch keine Feststellung einer Straftat. Das Department of Justice prüft zunächst, ob genügend Grundlage besteht, um ein förmliches Preliminary Investigation einzuleiten. Erst anschließend könnte entschieden werden, ob Anklage erhoben wird.
Die Bedeutung der Manifestangaben geht über reine Bürokratie hinaus. Nach einem schweren Schiffsunglück dienen korrekte Passagier- und Besatzungslisten dazu festzustellen, wer sich tatsächlich an Bord befand, wer gerettet wurde und wer vermisst wird. Fehler erschweren deshalb nicht nur die behördliche Kontrolle vor der Abfahrt, sondern auch Rettung, Identifizierung und Benachrichtigung von Angehörigen.
Der Brand auf der MV June Aster ereignete sich am 9. September vor Coron in Palawan. Nach dem aktuellen Stand bestätigten die Behörden 77 Todesfälle; 71 der Todesopfer waren zum Zeitpunkt des jüngsten Berichts noch nicht identifiziert. Acht Menschen galten weiterhin als vermisst, 43 überlebten.
Die Manifestfrage ist allerdings getrennt von der Brandursache zu betrachten. Die PCG wartet weiterhin auf forensische Ergebnisse des Bureau of Fire Protection. Auch die Maritime Industry Authority untersucht den Unfall separat. Hinweise auf möglicherweise falsch oder unsachgemäß verstaute brennbare Ladung beziehungsweise die Rolle eines Elektrofahrzeugs wurden untersucht, sind aber bislang keine abschließende behördliche Feststellung der Brandursache.
Die PCG bezeichnet die Fälschungsanzeige ausdrücklich als möglichen ersten Schritt. Weitere strafrechtliche Beschwerden könnten folgen, wenn die laufenden Untersuchungen zusätzliche belastbare Anhaltspunkte ergeben. Für die Aufarbeitung sind deshalb drei Fragen weiterhin getrennt zu verfolgen: die Richtigkeit der Abfahrts- und Passagierunterlagen, mögliche Verstöße bei Ladung und Sicherheitsvorschriften sowie die technisch-forensische Ursache des Feuers. – RM
Quellen:
Philstar: MV June Aster captain faces falsification charge over manifest entries
GMA News: PCG files falsification complaint vs. MV June Aster captain
Philstar: 4 listed passengers did not board MV June Aster, says PCG







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