Startseite » Hohe Inflation, schwaches Wachstum, steigende Zinsen – philippinische Wirtschaft steht unter Dreifachdruck
Allgemein

Hohe Inflation, schwaches Wachstum, steigende Zinsen – philippinische Wirtschaft steht unter Dreifachdruck

bsp

MANILA – Die philippinische Wirtschaft steht zunehmend unter einem dreifachen Druck: Das Wachstum hat deutlich an Tempo verloren, die Inflation bleibt hoch und zugleich verteuert die Bangko Sentral ng Pilipinas (BSP) mit einer weiteren Zinserhöhung Kredite und Finanzierungen. – klajoo.com – Der geldpolitische Rat hob den Zielzins am Donnerstag um 25 Basispunkte auf 5,00 Prozent an. Gleichzeitig stiegen der Einlagensatz auf 4,50 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz auf 5,50 Prozent.

Die Zinserhöhung ist die dritte in Folge. Seit April hat die BSP ihren Leitzins damit insgesamt um 75 Basispunkte angehoben. Als Begründung nennt sie anhaltende Inflationsrisiken. Zwar ging die allgemeine Teuerungsrate im Juli leicht von 6,4 auf 6,2 Prozent zurück, die Kerninflation lag mit 4,2 Prozent aber weiterhin oberhalb des Zielkorridors von 2 bis 4 Prozent. Zusätzlich sieht die Zentralbank Risiken durch schwankende Ölpreise, einen möglicherweise schweren El Niño und weitere Mindestlohnerhöhungen.

Normalerweise wäre eine solche Zinserhöhung vor allem eine Geschichte über Inflationsbekämpfung. Die aktuelle Lage ist schwieriger, weil die Wirtschaft gleichzeitig erheblich schwächer wächst. Das ASEAN+3 Macroeconomic Research Office (AMRO) hat seine Prognose für das reale Wirtschaftswachstum 2026 auf nur noch 3,4 Prozent gesenkt. 2025 waren es noch 4,4 Prozent. Für 2027 erwartet AMRO eine Erholung auf 4,8 Prozent.

Die bereits vorliegenden Wirtschaftsdaten zeigen, warum AMRO vorsichtiger geworden ist. Das reale Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr nur um 2,3 Prozent. Im ersten Quartal waren es 2,8 Prozent. Besonders problematisch ist die Investitionsseite: Die Bruttoinvestitionen gingen im zweiten Quartal um 9,2 Prozent zurück. Auch der private Konsum, traditionell eine der wichtigsten Stützen der philippinischen Wirtschaft, legte nur um 2,8 Prozent zu.

Gleichzeitig erwartet AMRO für 2026 eine durchschnittliche Inflation von 5,4 Prozent, nach nur 1,7 Prozent im Vorjahr. Die BSP ist inzwischen noch pessimistischer und rechnet im Jahresdurchschnitt mit 6,1 Prozent. Für 2027 hat die Zentralbank ihre Inflationsprognose sogar von 4,5 auf 5,4 Prozent angehoben.

Die beiden Werte für Wachstum und Inflation dürfen dabei nicht einfach gegeneinander aufgerechnet werden. Das Bruttoinlandsprodukt wird real ausgewiesen, die Preissteigerungen sind also bereits herausgerechnet. Ein reales Wachstum von 3,4 Prozent bei 5,4 Prozent Inflation bedeutet deshalb nicht, dass die Wirtschaft rechnerisch um zwei Prozent schrumpft. Problematisch ist vielmehr die Kombination aus schwachem realem Wachstum und stark steigenden Lebenshaltungskosten.

Für viele Haushalte entscheidet sich die Lage daran, ob ihre Einkommen mit den Preisen Schritt halten. Steigen Löhne und verfügbare Einkommen langsamer als Lebensmittel-, Energie-, Transport- und Wohnkosten, sinkt die reale Kaufkraft. Dann muss ein größerer Teil des Einkommens für unvermeidbare Ausgaben verwendet werden, während weniger für andere Waren, Dienstleistungen oder Ersparnisse übrig bleibt. Das kann wiederum den privaten Konsum weiter bremsen.

Unternehmen geraten ebenfalls von mehreren Seiten unter Druck. Energie, Transport und andere Vorleistungen können teurer werden, während eine schwächere Kaufkraft die Nachfrage begrenzt. Hinzu kommen nun höhere Finanzierungskosten. Neue Kredite und variable Finanzierungen können teurer werden, und Investitionen, die sich bei niedrigeren Zinsen noch gerechnet hätten, können verschoben oder ganz aufgegeben werden. Gerade vor dem Hintergrund des bereits kräftigen Rückgangs der Bruttoinvestitionen ist das ein zusätzliches Risiko.

AMRO verweist deshalb ausdrücklich darauf, dass eine Erholung der öffentlichen Investitionen im zweiten Halbjahr wichtig wäre, um die Wirtschaft zu stützen. Die Organisation sieht schwächere private Nachfrage und gedämpfte Investitionen als wesentliche Belastungen, während stabile Überweisungen aus dem Ausland und robuste Exporte weiterhin stützen. Bleibt der staatliche Infrastrukturbau hinter den Erwartungen zurück, könnte selbst die bereits auf 3,4 Prozent gesenkte Wachstumsprognose schwerer zu erreichen sein.

Für die BSP entsteht daraus ein schwieriger Zielkonflikt. Höhere Zinsen können helfen, Inflationserwartungen zu stabilisieren und zu verhindern, dass sich Preissteigerungen immer breiter auf Waren und Dienstleistungen übertragen. Sie können aber weder zusätzliche Energie erzeugen noch einen El Niño verhindern. Gleichzeitig bremsen sie über höhere Kreditkosten Konsum und Investitionen und treffen damit genau jene Bereiche, die bereits an Dynamik verloren haben.

Von klassischer Stagflation sollte dennoch nicht vorschnell gesprochen werden. Die philippinische Wirtschaft wächst real weiterhin, und weder AMRO noch die offiziellen Daten zeigen derzeit eine stagnierende oder schrumpfende Gesamtwirtschaft. Treffender ist die Beschreibung eines stagflationären Drucks: schwaches reales Wachstum trifft auf hohe Inflation, während die Geldpolitik gleichzeitig bremsen muss, um die Preisentwicklung wieder unter Kontrolle zu bringen.

Für 2027 erwartet AMRO wieder 4,8 Prozent Wachstum und eine auf 3,8 Prozent sinkende Inflation. Ob diese Entspannung tatsächlich eintritt, hängt jedoch von mehreren Bedingungen ab. Energie- und Lebensmittelpreise müssten sich stabilisieren, ein möglicher El Niño dürfte die Versorgung nicht zu stark belasten und vor allem die Investitionen müssten wieder anziehen. Solange Wachstumsschwäche, hohe Inflation und steigende Finanzierungskosten gleichzeitig wirken, bleibt der wirtschaftspolitische Spielraum der Philippinen ungewöhnlich eng. – RM

Quellen:

  • Bangko Sentral ng Pilipinas – Monetary Policy Meetings 2026
  • Philippine News Agency – BSP hikes policy rates by another 25 basis points
  • ASEAN+3 Macroeconomic Research Office – The Philippines: Policy Actions to Navigate Cyclical Headwinds and Structural Challenges
  • Philippine Statistics Authority – GDP Grows by 2.3 Percent in the Second Quarter of 202

Add Comment

Click here to post a comment