CEBU – Der digitale Handel breitet sich auf den Philippinen zunehmend außerhalb Luzons aus. In Cebu haben das Department of Trade and Industry (DTI), TikTok Shop und der Internetanbieter Converge ICT Solutions eine Kooperation gestartet, die kleine und mittlere Unternehmen beim Onlineverkauf unterstützen soll. – klajoo.com – Cebu ist der erste Standort in den Visayas für die erweiterte Initiative „Unlad Lokal“.
Interessanter als die Kooperationsvereinbarung selbst sind die Zahlen, mit denen TikTok Shop die Entwicklung auf seiner Plattform in Visayas und Mindanao beschreibt. Zwischen Juli 2025 und Juli 2026 sei die Zahl der Bestellungen dort um 140 Prozent gestiegen. Die Zahl der Verkäufer habe um 50 Prozent und die der Content Creator um 160 Prozent zugenommen. Der über Livestream-Verkäufe erzielte Bruttowarenwert sei im gleichen Zeitraum um 130 Prozent gewachsen.
Starke Zahlen – aber nur für eine Plattform
Diese Werte zeigen eine hohe Dynamik, dürfen aber nicht mit dem gesamten Onlinehandel in Visayas und Mindanao gleichgesetzt werden. Es handelt sich um Daten von TikTok Shop über die eigene Plattform. Sie sagen deshalb weder, wie groß TikTok Shop im Vergleich zu anderen Marktplätzen ist, noch wie stark der gesamte E-Commerce-Markt in den beiden Inselgruppen gewachsen ist.
Trotz dieser Einschränkung ist die Entwicklung bemerkenswert. Social Commerce verbindet klassische Online-Shops zunehmend mit Kurzvideos, Livestreams und Empfehlungsmarketing durch Creator. Für kleine Betriebe kann das die Eintrittsschwelle senken, weil sie Kunden erreichen können, ohne zunächst ein eigenes großes Vertriebsnetz oder einen aufwendigen Onlineshop aufzubauen.
Cebu als Testgebiet für drei Engpässe
Die neue Kooperation setzt an drei typischen Problemen kleiner Unternehmen an. Das DTI soll über seine Regionalstrukturen Betriebe einbinden, TikTok Shop Schulungen zu Kurzvideos, Livestream-Verkauf, Affiliate-Marketing und Plattformfunktionen anbieten. Converge übernimmt den Bereich Internetanbindung. Rund 100 kleine und mittlere Unternehmen nahmen am Auftakt in Cebu teil.
Damit wird sichtbar, dass Digitalisierung für kleine Unternehmen nicht allein eine Frage des Internetzugangs ist. Eine stabile Verbindung ist Voraussetzung, reicht aber nicht aus. Händler müssen Produkte digital präsentieren, Inhalte regelmäßig erstellen, Bestellungen bearbeiten, Lagerbestände pflegen, Lieferungen organisieren und mit Kunden online kommunizieren. Gerade Livestream-Verkauf macht aus dem Händler teilweise zusätzlich einen dauerhaften Medienproduzenten.
Digitale Wirtschaft ist längst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor
Die Philippine Statistics Authority beziffert die Wertschöpfung der philippinischen Digitalwirtschaft für 2025 auf 2,74 Billionen Peso. Das entsprach 9,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Beim Euro-Kurs vom 26. August 2026 entspricht diese Größenordnung rund 38 Milliarden Euro.
Auf den E-Commerce entfielen nach der PSA 32,2 Prozent der digitalen Wertschöpfung beziehungsweise 880,46 Milliarden Peso. Umgerechnet sind das rund 12,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig arbeiteten 2025 insgesamt 10,39 Millionen Menschen in Bereichen, die die Statistik der Digitalwirtschaft zurechnet.
Die PSA-Zahlen sind breiter gefasst als der Onlinehandel einzelner Plattformen. Sie umfassen neben E-Commerce auch digitale Infrastruktur, digitale Inhalte und Medien sowie staatliche digitale Dienste. Gerade deshalb eignen sie sich als Größenordnung für die Frage, welche wirtschaftliche Bedeutung Digitalisierung inzwischen auf den Philippinen hat.
Für kleine Unternehmen bleibt der Erfolg keineswegs automatisch
Die politische und unternehmerische Darstellung solcher Programme betont vor allem zusätzliche Absatzchancen. In der Praxis entstehen aber auch neue Abhängigkeiten. Reichweite hängt von Plattformregeln und Algorithmen ab, Verkäufer stehen im direkten Preisvergleich mit einer großen Zahl von Wettbewerbern, und Gebühren, Werbung, Rabatte sowie Logistik können die Marge kleiner Betriebe erheblich belasten.
Hinzu kommt, dass ein schnell wachsender Plattformmarkt nicht automatisch bedeutet, dass alle teilnehmenden Händler profitabel werden. Ein Anstieg der Verkäuferzahl um 50 Prozent bedeutet zugleich mehr Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Besonders bei Livestream-Verkäufen können Unternehmen außerdem gezwungen sein, deutlich mehr Zeit und Personal in Inhalte zu investieren.
Der interessante Test beginnt erst nach der Schulung
Für Cebu ist deshalb weniger entscheidend, wie viele Unternehmen an einem eintägigen Programm teilnehmen. Aussagekräftiger wäre, wie viele davon nach sechs oder zwölf Monaten tatsächlich regelmäßig online verkaufen, zusätzliche Umsätze erzielen und die Kosten für Plattform, Werbung, Logistik und Internet tragen können.
Wenn die Kooperation solche Daten später offenlegt, ließe sich beurteilen, ob „Unlad Lokal“ mehr ist als eine Schulungs- und Marketinginitiative. Die derzeitigen Wachstumszahlen zeigen jedenfalls, dass digitale Vertriebswege in Visayas und Mindanao schnell an Bedeutung gewinnen. Ob daraus für kleine Unternehmen dauerhaft höhere Einkommen entstehen, muss sich erst noch zeigen. – RM
Quellen:
- SunStar Cebu – Partnership brings digital commerce to Cebu MSMEs
- BusinessMirror – Going online no longer enough for MSMEs
- Philippine Statistics Authority – Digital Economy Contributes 9.8 Percent to the Philippine Economy in 2025
- Bank of Lithuania / ECB refe






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