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72 Prozent fühlen sich in ihrer Nachbarschaft sicher – trotzdem zeigt die OCTA-Umfrage einen deutlichen Vertrauensverlust

MANILA – Eine neue Umfrage der OCTA Research Group zeichnet auf den ersten Blick ein widersprüchliches Bild der Sicherheitslage auf den Philippinen. – klajoo.com – 72 Prozent der Befragten sagen, dass sie sich in ihrer eigenen Nachbarschaft sicher fühlen. Das ist weiterhin eine deutliche Mehrheit. Im Vergleich zur letzten veröffentlichten Vergleichsmessung vom März 2023 ist der Wert jedoch um 15 Prozentpunkte gefallen: Damals waren es 87 Prozent.

Noch stärker ist der Rückgang in Metro Manila. Dort sank der Anteil der Befragten, die sich in ihrer Nachbarschaft sicher fühlen, von 91 auf 58 Prozent. Auch beim nächtlichen Alleingehen und bei der Sorge vor Einbrüchen zeigen die Antworten erheblich mehr Unsicherheit als drei Jahre zuvor.

Die Zahlen sollten allerdings nicht als Beleg dafür gelesen werden, dass die tatsächliche Kriminalität seit 2023 im gleichen Ausmaß gestiegen ist. OCTA misst Wahrnehmungen. Polizeistatistiken messen registrierte Delikte. Beides kann sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln – und genau das scheint derzeit zumindest teilweise der Fall zu sein.

Sicherheitsgefühl sinkt in mehreren Bereichen

Die aktuelle OCTA-Erhebung wurde vom 4. bis 11. Juli 2026 unter 1.200 Erwachsenen durchgeführt. Für die landesweiten Werte nennt OCTA eine Fehlermarge von plus/minus drei Prozentpunkten.

Landesweit sank der Anteil derjenigen, die ihre Nachbarschaft als sicher empfinden, von 87 auf 72 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Befragten, die sich dort ausdrücklich unsicher fühlen, von vier auf zwölf Prozent. Der Anteil der Unentschiedenen erhöhte sich von neun auf 15 Prozent.

Auch bei konkreteren Situationen ist der Rückgang sichtbar. 2023 sagten 81 Prozent, dass sie keine Angst hätten, nachts allein zu Fuß unterwegs zu sein. Im Juli 2026 waren es noch 68 Prozent. Der Anteil derjenigen, die sich keine Sorgen vor einem Einbruch in die eigene Wohnung machen, sank von 71 auf 54 Prozent.

Umgekehrt stieg der Anteil der Befragten mit Angst vor nächtlichem zu Fuß unterwegs sein von zehn auf 16 Prozent. Die Sorge vor Wohnungseinbrüchen nahm von zwölf auf 21 Prozent zu.

Metro Manila fällt besonders stark ab

Die stärksten Veränderungen meldet OCTA für Metro Manila. Das allgemeine Sicherheitsgefühl in der eigenen Nachbarschaft sank dort um 33 Prozentpunkte von 91 auf 58 Prozent. Wenn sie nachts allein zu Fuß unterwegs sind fiel der positive Wert sogar von 88 auf 48 Prozent. Auch die Einschätzung, sich keine Sorgen vor Wohnungseinbrüchen machen zu müssen, ging von 61 auf 44 Prozent zurück.

Solche regionalen Werte sind politisch und gesellschaftlich auffällig, müssen aber vorsichtiger gelesen werden als die landesweiten Zahlen. Die gesamte Stichprobe umfasst 1.200 Personen; regionale Teilstichproben sind zwangsläufig kleiner und damit statistisch unsicherer. Der veröffentlichte Bericht nennt in der von Philstar wiedergegebenen Zusammenfassung nur die nationale Fehlermarge.

Der Vergleich reicht mehr als drei Jahre zurück

Der wichtigste methodische Hinweis steckt im Vergleichsdatum. Die neue Erhebung wird nicht mit dem Vorquartal, dem Vorjahr oder einer Messung kurz vor den jüngsten prominenten Gewaltfällen verglichen. Referenz ist März 2023. Zwischen beiden Erhebungen liegen mehr als drei Jahre.

Die Aussage „das Sicherheitsgefühl sinkt“ ist damit grundsätzlich richtig, beschreibt aber keinen plötzlich in den vergangenen Wochen entstandenen Absturz. Die Daten zeigen nur, dass die Stimmung im Juli 2026 deutlich schlechter war als bei der früheren Vergleichsmessung im März 2023. Wie gleichmäßig oder sprunghaft sich die Wahrnehmung dazwischen verändert hat, lässt sich aus diesen beiden Punkten allein nicht bestimmen.

Polizeidaten zeigen gleichzeitig weniger registrierte Fokusdelikte

Genau hier entsteht ein bemerkenswerter Kontrast zur offiziellen Kriminalstatistik. Die Philippine National Police (PNP) meldete für Juli 2026 landesweit 2.209 registrierte sogenannte Fokusdelikte. Im Juli 2025 waren es 3.458. Das entspricht einem Rückgang um 36,12 Prozent.

Diese Zahlen dürfen nicht direkt gegen die OCTA-Umfrage verrechnet werden. Die Zeiträume unterscheiden sich, die Vergleichsjahre unterscheiden sich und auch das Messobjekt ist ein anderes. Die PNP zählt bestimmte registrierte Delikte; OCTA fragt Menschen, ob sie sich sicher fühlen. Außerdem bildet die Polizeistatistik nur Straftaten ab, die erfasst beziehungsweise angezeigt wurden.

Trotzdem ist der Gegensatz redaktionell wichtig: Sinkende registrierte Fokusdelikte führen offenbar nicht automatisch zu einem steigenden Sicherheitsgefühl. Selbst wenn die Polizeistatistik den tatsächlichen Trend korrekt abbildet, kann die Bevölkerung gleichzeitig unsicherer werden.

OCTA nennt Medien und soziale Netzwerke als mögliche Einflussfaktoren

OCTA selbst warnt davor, Wahrnehmung und objektives Risiko gleichzusetzen. Die Forschungsgruppe nennt als mögliche Einflussfaktoren unter anderem die stärkere Wahrnehmung von Kriminalitätsberichten in klassischen Medien und sozialen Netzwerken. Besonders spektakuläre oder gewalttätige Fälle können dadurch sehr präsent sein, obwohl sie statistisch selten bleiben.

Das ist plausibel, aber noch kein bewiesener Kausalzusammenhang. Aus der Umfrage lässt sich nicht ableiten, dass soziale Medien den Rückgang des Sicherheitsgefühls verursacht haben. Ebenso wenig lässt sich ausschließen, dass Erfahrungen mit Kriminalität, Veränderungen im Wohnumfeld, wirtschaftliche Unsicherheit oder andere Faktoren eine Rolle spielen.

Gefühlte und gemessene Sicherheit beantworten unterschiedliche Fragen

Für Politik und Polizei sind deshalb beide Perspektiven wichtig. Eine sinkende Zahl registrierter Delikte ist relevant, weil sie auf weniger bekannte Straftaten hindeutet. Ein sinkendes Sicherheitsgefühl ist ebenfalls relevant, weil es beeinflusst, wie Menschen sich im Alltag bewegen, ob sie öffentliche Räume nutzen, ihren Kindern Freiheiten erlauben oder ihrer Umgebung und den Sicherheitsbehörden vertrauen.

Die aktuelle OCTA-Umfrage ist deshalb weder ein Gegenbeweis zu den PNP-Statistiken noch eine Bestätigung, dass die Philippinen objektiv gefährlicher geworden sind. Sie zeigt etwas anderes: Eine deutliche Mehrheit fühlt sich weiterhin sicher, aber das Vertrauen in die Sicherheit des unmittelbaren Wohnumfelds ist gegenüber März 2023 spürbar schwächer geworden. Warum diese Wahrnehmung besonders in Metro Manila so stark gefallen ist, bleibt eine offene Frage, die mit Polizeistatistiken allein nicht beantwortet werden kann. – RM

Quellen:

  • Philstar – Neighborhood safety perceptions down to 72% – OCTA
  • PNA – PNP: Focus crimes down 36.12% in July

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