MANILA – Die Bangko Sentral ng Pilipinas (BSP) macht Künstliche Intelligenz zunehmend zu einem Bestandteil ihrer eigenen Bankenaufsicht und der regionalen Zusammenarbeit mit anderen Zentralbanken. – klajoo.com – Dabei geht es längst nicht nur darum, Verwaltungsarbeit schneller zu erledigen. Die Notenbanken befassen sich gleichzeitig mit KI als Werkzeug für Aufsicht und Betrugsbekämpfung, mit Regeln für den Einsatz im Finanzsektor und mit möglichen neuen Risiken für die Finanzstabilität.
BSP nutzt KI bereits in der Bankenaufsicht
BSP-Gouverneur Eli Remolona Jr. erklärte bei einer Konferenz des South East Asian Central Banks Research and Training Centre (SEACEN) am 11. und 12. August in Taguig City, die Zentralbank habe ihre Datenanalyse mit Künstlicher Intelligenz und sogenannter Supervisory Technology (SupTech) ausgebaut. Damit sollen Banken wirksamer beaufsichtigt und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben besser überwacht werden.
Der Ansatz zeigt, dass KI für die BSP nicht mehr nur Gegenstand von Grundsatzdebatten ist. Sie wird bereits als Instrument eingesetzt, um große Datenmengen auszuwerten, Risiken früher zu erkennen und die Aufsicht gezielter auszurichten. Gleichzeitig forderte Remolona eine engere regionale Zusammenarbeit bei Cyberrisiken, digitaler Transformation und anderen Gefahren für das Finanzsystem.
Regionale Zentralbanken sehen KI auch als Stabilitätsrisiko
Die zweite Ebene reicht über Südostasien hinaus. Beim Treffen der elf Zentralbanken und Währungsbehörden des Executives’ Meeting of East Asia-Pacific Central Banks (EMEAP) am 23. Juli in Singapur standen die Auswirkungen von KI auf Volkswirtschaften und Finanzsysteme ausdrücklich auf der Tagesordnung. Mitglieder sind unter anderem die Zentralbanken der Philippinen, Chinas, Japans, Südkoreas, Australiens, Indonesiens, Malaysias, Neuseelands, Singapurs und Thailands sowie die Hong Kong Monetary Authority.
Die Gouverneure diskutierten nicht nur, wie KI die Arbeit von Zentralbanken unterstützen kann. Sie befassten sich auch mit möglichen Risiken für die Finanzstabilität, darunter den finanziellen Folgen sehr großer Investitionen in KI. Zudem wollen die Mitglieder ihren Austausch über digitalen Betrug und Betrugsmaschen im Finanzsektor vertiefen.
Damit entsteht ein bemerkenswerter Perspektivwechsel. Für Zentralbanken ist KI gleichzeitig Produktivitätswerkzeug, Aufsichtstechnologie und möglicher Risikofaktor. Gerade hohe Investitionen in Rechenzentren, Chips, Energieversorgung und KI-Unternehmen können Vermögenspreise und Kreditrisiken beeinflussen, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden.
Eigener KI-Gipfel: Von Pilotprojekten zur praktischen Nutzung
Auch innerhalb der Philippinen versucht die BSP, den Übergang von Experimenten zum regulären Einsatz zu strukturieren. Beim BSP AI Summit am 27. Juli in Manila diskutierten Banken, Aufseher und Technologieexperten unter dem Motto „From Pilot to Practice“ über den praktischen Einsatz von KI im Finanzsektor.
Nach Darstellung der BSP reichen die Anwendungsfelder von Kundenservice und Betrugserkennung bis zu effizienteren internen Abläufen. Gleichzeitig betonte die Zentralbank die Bedeutung guter Daten, klarer Governance und des Verbraucherschutzes. Remolona formulierte dabei ausdrücklich, KI solle Menschen ergänzen und nicht ersetzen.
Noch kein gemeinsames verbindliches KI-Regelwerk
Aus den bisherigen Treffen sollte allerdings nicht mehr gemacht werden, als tatsächlich beschlossen wurde. Die veröffentlichten EMEAP-Unterlagen dokumentieren Diskussionen, Erfahrungsaustausch und eine Vertiefung der Zusammenarbeit, aber kein einheitliches verbindliches regionales KI-Regelwerk für Banken. Auch die SEACEN-Konferenz war vor allem ein Forum für Aufsichts- und Stabilitätsfragen.
Der praktische Wert der Zusammenarbeit wird sich deshalb daran zeigen, ob aus dem Austausch gemeinsame Standards, schnellere Informationen über grenzüberschreitenden Betrug und vergleichbare Anforderungen an KI-Systeme im Finanzsektor entstehen. Gerade bei automatisierten Kreditentscheidungen, Betrugserkennung oder Kundenkommunikation können fehlerhafte Daten und schlecht kontrollierte Modelle direkte Folgen für Verbraucher haben.
Für die BSP liegt darin eine doppelte Aufgabe: Sie muss KI selbst so einsetzen, dass Banken besser überwacht werden, und gleichzeitig Regeln dafür entwickeln beziehungsweise durchsetzen, wie die beaufsichtigten Institute die gleiche Technologie verwenden. Je stärker KI im Finanzsystem tatsächlich eingesetzt wird, desto weniger genügt eine allgemeine Innovationsstrategie. Entscheidend werden nachvollziehbare Verantwortlichkeiten, Datenqualität, Prüfverfahren und die Frage, wer bei automatisierten Fehlentscheidungen haftet. – RM
Quellen:
- EMEAP – 31st Executives’ Meeting of East Asia-Pacific Central Banks Governors’ Meeting, Press Release
- Philippine News Agency – BSP chief calls for reg’l cooperation vs cyber, financial risks
- Bangko Sentral ng Pilipinas / Philippine Information Agency – Responsible use, strong governance are keys to unlocking AI’s potential







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