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Philippinischer Volleyball startet neu – Frank Lao übernimmt Verband nach FIVB-Suspendierung

MANILA – Der philippinische Volleyball versucht nach einer schweren Verbandskrise einen Neustart. Frank Lao ist zum Präsidenten der Philippine National Volleyball Federation (PNVF) gewählt worden. – klajoo.com – Die Wahl fand am Montag unter Aufsicht eines vom Philippine Olympic Committee (POC) eingesetzten Übergangsgremiums statt.

Mit der Wahl allein ist die internationale Suspendierung des Verbandes allerdings noch nicht beendet. Der Weltverband Fédération Internationale de Volleyball (FIVB) hatte die PNVF am 29. Mai mit sofortiger Wirkung suspendiert. Als Gründe nannte er erhebliche Probleme bei der Verbandsführung sowie mehrere mutmaßliche Verstöße gegen den FIVB-Ethikkodex, die von einem unabhängigen Ethikgremium untersucht werden.

Die FIVB setzte zugleich ein Ad-hoc-Komitee ein. Es soll während der Suspendierung die Entwicklung des philippinischen Volleyballs absichern und insbesondere verhindern, dass die Spielerinnen und Spieler der Nationalmannschaften für Probleme der Verbandsführung bestraft werden.

Lao war schon einmal kurz Präsident

Für Frank Lao ist die Wahl bereits der zweite Anlauf innerhalb weniger Wochen. Das bisherige PNVF-Board hatte ihn bereits im Juni zum Nachfolger von Tonyboy Liao bestimmt. Das Philippine Olympic Committee erkannte diesen Führungswechsel jedoch nicht an, weil er nach der Suspendierung und außerhalb des vorgesehenen Übergangsverfahrens erfolgt war.

Nachdem die bisherige Führung schließlich den Weg für Neuwahlen freigemacht hatte, wurde Lao nun in einem vom POC begleiteten Verfahren erneut gewählt. Damit verfügt die PNVF wieder über eine Führung, die den von FIVB und POC vorgesehenen Neuordnungsprozess umsetzen kann.

Das allein reicht jedoch nicht für eine Rückkehr in den internationalen Verband.

FIVB verlangt umfassende Reformen

Die FIVB legte Ende Juni einen konkreten Fahrplan für eine mögliche Wiederaufnahme der PNVF vor. Dieser geht erheblich über die Wahl neuer Funktionäre hinaus und umfasst Änderungen bei Verbandsführung, Athletenbeteiligung, Nationalmannschaften und dem nationalen Spielbetrieb.

Unter anderem muss die PNVF eine verbindliche Regelung zu Interessenkonflikten einführen. Vorgesehen sind außerdem Schulungen zu guter Verbandsführung und die Einrichtung einer Athletenkommission. Spielerinnen und Spieler sollen künftig auch institutionell in der Verbandsführung vertreten sein.

Die PNVF muss zudem einen langfristigen Entwicklungs- und Finanzierungsplan für die Nationalmannschaften vorlegen. Hinzu kommen Anforderungen an die Freistellung von Nationalspielern sowie Veränderungen am nationalen Wettkampfkalender. Ab 2027 soll dieser stärker mit dem internationalen FIVB-Kalender abgestimmt werden.

Auch das Verhältnis zur professionellen Premier Volleyball League spielt dabei eine Rolle. Die FIVB verlangt eine klarere nationale Wettbewerbsstruktur, in der internationale Verpflichtungen der Nationalteams berücksichtigt werden.

Der Weltverband macht damit deutlich: Eine neue Führung ist Voraussetzung für den Neustart, aber nicht sein Abschluss. Entscheidend wird sein, ob sich die Arbeitsweise des Verbandes tatsächlich verändert.

Nicht die erste Krise im philippinischen Volleyball

Für den philippinischen Volleyball sind Streitigkeiten um Zuständigkeit und internationale Anerkennung nicht neu.

Vor der Gründung der heutigen PNVF konkurrierten bereits verschiedene Organisationen um die Führung des Sports. Die frühere Philippine Volleyball Federation verlor in diesem jahrelangen Konflikt zunehmend ihre nationale Stellung, während mit Larong Volleyball sa Pilipinas eine weitere Organisation entstand.

Erst ein von internationalen und philippinischen Sportinstitutionen begleiteter Neuordnungsprozess führte 2021 zur Gründung der Philippine National Volleyball Federation.

Dass ausgerechnet diese Organisation nur wenige Jahre später selbst wegen Problemen bei der Verbandsführung suspendiert wurde, macht die jetzige Krise besonders bemerkenswert.

Schwimmen: Weltverband setzte Übergangsstruktur ein

Ein ähnlicher Eingriff eines Weltverbandes fand bereits im philippinischen Schwimmsport statt.

Der damalige Weltverband FINA, heute World Aquatics, entzog Ende 2022 der Führung von Philippine Swimming Inc. die Anerkennung und setzte ein Stabilisierungskomitee ein. Dieses erhielt unter anderem den Auftrag, die Verbandsstrukturen zu überprüfen und Neuwahlen vorzubereiten. Nach weiteren Auseinandersetzungen suspendierte der Weltverband World Aquatics den philippinischen Schwimmverband Philippine Swimming Inc. und ordnete ein neues Wahlverfahren an.

Auch dort versuchte der Weltverband, zwischen dem Konflikt der Funktionäre und den Interessen der Sportler zu unterscheiden. Die Neuordnung sollte ermöglichen, dass philippinische Schwimmer trotz der institutionellen Krise weiterhin international antreten konnten.

Später entstand mit Philippine Aquatics eine neue nationale Struktur.

Karate: Anerkennung nach Streit um Athletengelder entzogen

Noch drastischer verlief eine Krise im philippinischen Karate.

Die World Karate Federation entzog der Philippine Karatedo Federation 2018 die internationale Anerkennung. Vorausgegangen waren Vorwürfe im Zusammenhang mit Geldern und Zulagen für Athleten bei den Südostasienspielen 2017. Auch die Philippine Sports Commission hatte daraufhin ihre finanzielle Unterstützung für den bisherigen Verband eingestellt.

Während der Übergangsphase mussten andere Sportinstitutionen dafür sorgen, dass Training und internationale Vorbereitung der Athleten weiterliefen. Schließlich wurde mit Karate Pilipinas eine neue Verbandsstruktur international anerkannt.

Schwimmen und Karate zeigen damit sehr deutlich, welche Macht internationale Sportverbände besitzen. Wenn nationale Verbandsstrukturen grundlegende Anforderungen an Führung oder Integrität nicht erfüllen, kann im Extremfall die internationale Anerkennung entzogen werden.

Ringen: Streit um Führung, Ausrüstung und Zulagen

Beim philippinischen Ringen verlief der Konflikt anders.

Dort kam es 2009 zu einem heftigen Machtkampf innerhalb des nationalen Verbandes. Athleten und Funktionäre erhoben Vorwürfe über den Umgang mit Zulagen und Ausrüstung, während konkurrierende Gruppen die Führung beanspruchten. Der Streit beschäftigte schließlich auch das Philippine Olympic Committee.

Zu den Vorwürfen gehörte der Fall eines Ringers, der erklärte, einen großen Teil seiner von der Philippine Sports Commission erhaltenen Unterstützung für Unterkunft und Verpflegung abgegeben zu haben, obwohl diese Kosten nach seiner Darstellung bereits anderweitig getragen worden seien. Die Angaben waren Teil einer Beschwerde und dürfen nicht mit einer rechtskräftigen Feststellung gleichgesetzt werden.

Das Philippine Olympic Committee beschäftigte sich damals mit mehreren Führungsstreitigkeiten in nationalen Sportverbänden. Beim Ringen führte der Konflikt zu Neuwahlen und konkurrierenden Ansprüchen auf die Verbandsführung, nicht jedoch zu einem mit der heutigen FIVB-Suspendierung vergleichbaren Eingriff des internationalen Weltverbandes.

Schach: Die Philippinen verloren Wesley So

Noch einmal anders gelagert war ein Konflikt im philippinischen Schach. Dort entzog der Weltverband dem nationalen Verband nicht die Anerkennung. Probleme bei Förderung, Zuständigkeiten und sportlichen Perspektiven hatten dennoch eine weitreichende Folge: Die Philippinen verloren mit Wesley So einen ihrer stärksten jemals ausgebildeten Schachspieler.

Wesley So gehörte bereits zur internationalen Spitze, als er sich 2014 entschied, künftig für den US-amerikanischen Schachverband anzutreten. Sein Verbandswechsel wurde noch im selben Jahr abgeschlossen.

Dem Wechsel war eine längere Entwicklung vorausgegangen. So war 2012 mit einem Schachstipendium an die Webster University in den Vereinigten Staaten gegangen. 2013 gewann er bei der Universiade im russischen Kazan Gold für die Philippinen.

Gerade dieser Erfolg machte jedoch auch Konflikte im philippinischen Sportsystem sichtbar. So war über die Federation of School Sports Association of the Philippines zur Universiade gereist, während die National Chess Federation of the Philippines ihn lieber bei einem anderen internationalen Wettbewerb eingesetzt hätte. Um die Teilnahme und die institutionelle Zuständigkeit entstand anschließend Streit.

Als So 2014 seinen Wechsel in die USA ankündigte, erklärte er, dort bessere Chancen zu sehen, sich dauerhaft unter den besten Spielern der Welt zu etablieren. Die National Chess Federation of the Philippines erteilte ihm zunächst keine unmittelbare Freigabe. Für einen sofortigen Wechsel wären nach den damaligen FIDE-Regeln erhebliche Gebühren beziehungsweise eine entsprechende Freigabe erforderlich gewesen; andernfalls musste So die vorgesehene Wartezeit erfüllen.

Über die Frage, wie stark So zuvor auf den Philippinen unterstützt worden war, existieren unterschiedliche Darstellungen. Deshalb wäre es zu einfach zu behaupten, der Verband habe ihn grundsätzlich nicht gefördert. Unstrittig ist aber, dass So selbst seine sportlichen Entwicklungsmöglichkeiten in den Vereinigten Staaten höher einschätzte und der Wechsel nicht reibungslos verlief.

Seine weitere Karriere unterstreicht die Bedeutung dieses Verlusts. So wurde später einer der stärksten Spieler der Welt und gehörte 2016 zur US-Mannschaft, die bei der Schacholympiade in Baku Gold gewann.

Der Fall unterscheidet sich grundsätzlich von Volleyball, Schwimmen und Karate. Hier musste kein Weltverband eine nationale Organisation suspendieren oder ersetzen. Er zeigt aber eine andere mögliche Folge problematischer Sportstrukturen: Ein Land kann einen außergewöhnlichen Athleten ausbilden und ihn anschließend an ein anderes Sportsystem verlieren, wenn dort bessere Bedingungen für seine weitere Karriere bestehen.

Verbandsprobleme treffen am Ende die Athleten

So unterschiedlich diese Fälle sind, haben sie einen gemeinsamen Kern.

Sportverbände kümmern sich nicht lediglich um Sitzungen, Funktionäre und Satzungen. Sie entscheiden oder wirken daran mit, welche Athleten international starten, wie Nationalmannschaften zusammengestellt werden, wie Fördermittel verteilt werden und welche Trainer und Entwicklungsprogramme finanziert werden.

Funktionierende Strukturen werden besonders wichtig, sobald eine Sportart international erfolgreicher wird. Je höher das Leistungsniveau, desto größer werden Anforderungen an Finanzierung, professionelle Betreuung, Terminplanung und transparente Entscheidungen.

Das gilt derzeit besonders für den philippinischen Volleyball. Die Nationalmannschaften haben in den vergangenen Jahren sportlich deutlich an Bedeutung gewonnen und ziehen ein großes Publikum an. Gerade deshalb können institutionelle Konflikte erhebliche Auswirkungen haben.

Neuwahl ist erst der Anfang

Frank Lao übernimmt die PNVF damit in einer Situation, in der nicht allein sportliche Ergebnisse zählen.

Die neue Führung muss zunächst nachweisen, dass sie die vom Weltverband geforderten Reformen tatsächlich umsetzt. Dazu gehören transparentere Strukturen, Regeln gegen Interessenkonflikte, eine stärkere Beteiligung der Athleten und eine langfristige Planung für Nationalmannschaften und Wettbewerbe.

Die Erfahrungen aus Schwimmen und Karate zeigen, dass internationale Sportverbände bei langanhaltenden Governance-Problemen bereit sind, tief in nationale Verbandsstrukturen einzugreifen. Der Ringerfall zeigt, wie interne Führungsstreitigkeiten die Sportorganisation über längere Zeit beschäftigen können. Und Wesley So steht für eine andere Konsequenz: Wenn Spitzensportler anderswo bessere Entwicklungsmöglichkeiten sehen, kann ein Land sportliches Weltklassepotenzial dauerhaft verlieren.

Für den philippinischen Volleyball ist die Neuwahl deshalb ein notwendiger Neustart. Ob daraus eine dauerhaft funktionierende Verbandsstruktur entsteht, entscheidet sich erst daran, was die neue Führung nach der Wahl tatsächlich verändert.

Quellen: Fédération Internationale de Volleyball (FIVB), Mitteilungen vom 29. Mai und 25. Juni 2026; Philippine Olympic Committee; ABS-CBN News; Philippine News Agency; World Aquatics; Philippine Daily Inquirer; GMA News; FIDE; Berichte zur Verbandsentwicklung im philippinischen Schwimmen, Karate, Ringen und Schach. RM

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