Startseite » Davao City: 34 Menschen seit 2021 an Tollwut gestorben – Problem betrifft viele Regionen
Mindanao

Davao City: 34 Menschen seit 2021 an Tollwut gestorben – Problem betrifft viele Regionen

MINDANAO – In Davao City sind seit 2021 insgesamt 34 Menschen nach bestätigten Tollwutinfektionen gestorben. – klajoo.com – Die neue Bilanz des City Veterinarian’s Office zeigt zugleich, dass die Stadt trotz umfangreicher Impfprogramme bei Haustieren und zehntausender Behandlungen nach Tierbissen die Krankheit noch nicht unter Kontrolle hat.

Die 34 Todesfälle verteilen sich auf mehrere Stadtbezirke. Calinan und Talomo verzeichneten mit jeweils sechs die höchsten Zahlen. In Buhangin, Bunawan, Marilog, Toril und Tugbok wurden jeweils vier Todesfälle registriert, in Poblacion zwei. Für Agdao, Baguio und Paquibato meldete die Behörde im betrachteten Zeitraum keine menschlichen Tollwut-Todesfälle.

Auch bei Tieren bleibt das Virus nachweisbar. Von 2021 bis 2026 wurden in Davao City 179 laborbestätigte Tollwutfälle bei Tieren festgestellt. Allein auf 2025 entfielen 66 Fälle, 2026 waren es bis zum aktuellen Stand weitere 29. Talomo lag mit 67 bestätigten Tierfällen deutlich vor Tugbok mit 34 und Buhangin mit 22.

Eine vermeidbare Krankheit endet nach Symptombeginn fast immer tödlich

Tollwut wird durch ein Virus verursacht, das das zentrale Nervensystem befällt. Menschen infizieren sich meist durch den Biss eines erkrankten Hundes, möglich ist eine Übertragung aber auch durch Kratzer oder Speichelkontakt mit offenen Wunden oder Schleimhäuten.

Die Besonderheit der Krankheit ist der starke Gegensatz zwischen Vorbeugung und Krankheitsverlauf: Wird nach einer möglichen Ansteckung rechtzeitig behandelt, kann Tollwut verhindert werden. Haben sich dagegen bereits typische Krankheitssymptome entwickelt, endet die Infektion nahezu immer tödlich.

Deshalb ist nach einem verdächtigen Tierkontakt nicht die Größe der Verletzung entscheidend. Auch kleine Bisse oder Kratzer müssen ernst genommen werden. Das Department of Health empfiehlt, die Wunde sofort mindestens 15 Minuten gründlich mit Seife und fließendem Wasser zu reinigen und anschließend möglichst schnell ein Animal Bite Treatment Center oder eine andere geeignete medizinische Einrichtung aufzusuchen.

Nach einem Biss oder Kratzer kann eine Impfserie gegen Tollwut notwendig sein. Bei besonders riskanten Verletzungen erhalten Betroffene zusätzlich ein spezielles Antikörperpräparat, das das Virus möglichst früh abfangen soll.

Davao behandelt jedes Jahr zehntausende Menschen nach Tierkontakt

Dass viele Einwohner medizinische Hilfe suchen, zeigen die Zahlen der städtischen Animal Bite Treatment Centers. Allein 2025 erhielten dort 48.430 Menschen eine Vorbeugung vor oder nach möglicher Tollwutexposition. Neben dem Hauptzentrum unterhält die Stadt Außenstellen unter anderem in Paquibato, Marilog, Calinan, Tugbok, Toril, Bunawan, Sasa und Tibungco.

Gleichzeitig wurde die Tierimpfung ausgeweitet. Nach Angaben des City Veterinarian’s Office wurden 2021 rund 127.500 Hunde und Katzen gegen Tollwut geimpft. 2025 waren es mehr als 164.000. Für 2026 meldete die Behörde bislang knapp 100.000 Impfungen.

Trotzdem starben 2025 sechs Menschen in Davao City an Tollwut. Nach Angaben des City Health Office waren alle sechs ungeimpfte erwachsene Männer. Anfang 2026 wurden zudem zwei Todesfälle bei Kindern im Alter von zwei und vier Jahren aus Marilog bekannt. Die Stadtbehörden nennen verspätete medizinische Behandlung, unzureichende Impfung von Haustieren und Probleme bei verantwortungsvoller Tierhaltung als wesentliche Ursachen dafür, dass weiterhin vermeidbare Todesfälle auftreten.

Tollwut ist kein Davao-spezifisches Problem

Die Davao-Zahlen stehen nicht für ein isoliertes lokales Problem. Tollwut tritt in vielen Teilen der Philippinen weiterhin auf, wobei die Belastung regional stark schwankt.

In Northern Mindanao wurden beispielsweise für 2024 insgesamt 13 Tollwut-Todesfälle gemeldet. In Negros Oriental stieg die Zahl der Todesfälle von drei im Jahr 2023 auf sieben im Jahr 2024. Dort wurden im selben Jahr bei 37 von 48 untersuchten verdächtigen Tierproben Tollwutviren nachgewiesen.

Auch im Ilocos-Gebiet treten weiterhin menschliche Fälle auf. Das Department of Health meldete dort bis zum 21. März 2025 vier Tollwutfälle, jeweils einen in den vier Provinzen der Region. Drei der vier Betroffenen hatten nach Angaben der Gesundheitsbehörde keine Postexpositionsbehandlung in Anspruch genommen.

Eastern Samar reagierte 2024 sogar mit der Ausrufung des Katastrophenfalls wegen der Tollwutsituation. Bereits von Januar bis Mai waren dort drei Menschen gestorben – genauso viele wie im gesamten Vorjahr. Die Provinz verstärkte daraufhin unter anderem Tierimpfungen und kostenlose Kastrationsprogramme.

Es gibt auch Regionen, die Tollwut erfolgreich zurückdrängen

Dass die Krankheit nicht zwangsläufig dauerhaft vorkommen muss, zeigen Gebiete mit langfristig konsequenter Bekämpfung. Dinagat Islands wurde bereits 2016 als tollwutfreie Provinz anerkannt und konnte diesen Status über Jahre halten. Zu den Maßnahmen gehören regelmäßige Massenimpfungen von Hunden, Kontrolle streunender Tiere, Kastrationsprogramme und die konsequente Umsetzung lokaler Vorschriften zur Tierhaltung.

Auch andere Provinzen und Gemeinden arbeiten auf die Anerkennung als tollwutfreie Gebiete hin. Das nationale Ziel ist, die Philippinen bis 2030 tollwutfrei zu machen; menschliche Todesfälle durch von Hunden übertragene Tollwut sollen bereits früher beseitigt werden.

Warum Impfzahlen allein nicht reichen

Davao City zeigt dabei ein grundsätzliches Problem der Tollwutbekämpfung. Hohe absolute Impfzahlen sagen noch nicht automatisch, dass der Anteil geschützter Hunde und Katzen groß genug ist. Entscheidend ist, wie viele Tiere tatsächlich in der Stadt leben, wie regelmäßig sie nachgeimpft werden und ob auch Tiere in abgelegenen Barangays und frei herumlaufende Hunde erreicht werden.

Hinzu kommt die menschliche Seite. Selbst eine gute Impfquote bei Haustieren verhindert nicht jeden Kontakt mit einem infizierten Tier. Deshalb muss nach einem Biss oder Kratzer schnell medizinisch reagiert werden. Gefährlich sind insbesondere Verzögerungen durch das Abwarten von Symptomen oder traditionelle Methoden wie „tandok“, bei denen angenommen wird, der Erreger könne aus einer Wunde gezogen werden. Gesundheitsbehörden warnen ausdrücklich davor, weil dadurch wirksame medizinische Behandlung verzögert werden kann.

Was nach einem Biss oder Kratzer wichtig ist

Nach einem möglichen Kontakt mit Tollwut sollte die Wunde sofort gründlich mit Seife und fließendem Wasser gereinigt werden. Anschließend sollte möglichst noch am selben Tag ein Animal Bite Treatment Center oder eine andere dafür geeignete medizinische Einrichtung aufgesucht werden.

Das gilt auch dann, wenn die Verletzung klein ist, das Tier zunächst gesund wirkt oder es sich um das eigene Haustier handelt. Ob eine Impfung, zusätzliche Immunglobuline oder weitere Maßnahmen erforderlich sind, sollte medizinisches Fachpersonal entscheiden.

Für Haustierbesitzer bleibt die regelmäßige Tollwutimpfung von Hunden und Katzen die wichtigste Schutzmaßnahme. Tiere sollten außerdem nicht unbeaufsichtigt frei herumlaufen und verdächtige oder ungewöhnlich aggressive Tiere sollten den zuständigen Veterinärbehörden gemeldet werden.

Die 34 Todesfälle in Davao City zeigen deshalb weniger ein fehlendes medizinisches Gegenmittel als Lücken zwischen vorhandener Prävention und ihrer tatsächlichen Nutzung. Gerade weil Tollwut nach einem rechtzeitig behandelten Kontakt verhindert werden kann, ist jeder Todesfall auch ein Hinweis darauf, dass an mindestens einer Stelle dieser Schutzkette etwas nicht funktioniert hat.

Quellen: Davao City Veterinarian’s Office; City Government of Davao – City Health Office und Animal Bite Treatment Center; Department of Health; Philippine Information Agency; Philippine News Agency; Gesundheits- und Veterinärbehörden von Northern Mindanao, Negros Oriental, Ilocos Region, Eastern Samar und Dinagat Islands. RM

Add Comment

Click here to post a comment