CEBU – Das Stromnetz der Visayas ist am Montag erneut in Alarmstufe Rot geraten. – klajoo.com – Die National Grid Corporation of the Philippines (NGCP) setzte den roten Alarm am 10. August von 15:00 bis 21:00 Uhr an; anschließend sollte bis 22:00 Uhr noch Alarmstufe Gelb gelten. In Metro Cebu wurden wegen der angespannten Versorgung erneut rotierende Stromunterbrechungen vorbereitet beziehungsweise in einzelnen Gebieten umgesetzt.
Damit setzt sich eine Serie fort, die inzwischen nicht mehr sinnvoll als tägliche Einzelmeldung über einen weiteren Alarm behandelt werden kann. Bereits am 7. und 8. August hatte klajoo über rote und gelbe Alarmstufen im Visayas-Netz berichtet. Entscheidend ist inzwischen die Frage, warum die Stromversorgung Anfang August weiterhin so anfällig ist, obwohl das Department of Energy (DOE) noch im Juni mit einer deutlichen Stabilisierung im Laufe des Sommers gerechnet hatte.
Zu wenig Reserve statt vollständiger Stromausfall
Ein roter Netzzustand bedeutet nicht, dass das gesamte Visayas-Netz ohne Strom ist. Er zeigt vielmehr, dass die verfügbare Erzeugungsleistung nicht mehr ausreicht, um gleichzeitig die aktuelle Nachfrage und die vorgeschriebenen Regel- und Sicherheitsreserven abzudecken. Dann kann die NGCP sogenannte Manual Load Dropping-Maßnahmen anordnen, also zeitlich und räumlich begrenzte Lastabschaltungen, damit das Netz insgesamt stabil bleibt.
Ein gelber Alarm liegt eine Stufe darunter: Die Nachfrage kann noch gedeckt werden, die Reserve reicht aber nicht mehr aus, um einen zusätzlichen größeren Ausfall sicher aufzufangen. Gerade deshalb können sich die Alarmstufen innerhalb eines Tages ändern, wenn ein Kraftwerksblock ausfällt, ein anderer wieder ans Netz geht, die Nachfrage höher oder niedriger ausfällt als erwartet oder sich die möglichen Stromimporte aus den Nachbarnetzen verändern.
Am Montagmorgen lag die verfügbare Leistung im Visayas-Netz nach NGCP-Angaben bei rund 2.350 Megawatt, die prognostizierte Spitzennachfrage bei 2.276 Megawatt. Der nominelle Abstand von nur 74 Megawatt war bereits zu gering für die erforderliche Reserve. Im Tagesverlauf verschärfte sich die Lage weiter, sodass die ursprünglich gelbe Warnung auf Rot hochgestuft wurde.
Zahlreiche Kraftwerke fehlen gleichzeitig
Das Kernproblem bleibt die ungewöhnlich große Zahl gleichzeitig nicht oder nur eingeschränkt verfügbarer Kraftwerke. In den NGCP-Meldungen Anfang August tauchen neben neuen Zwangsausfällen auch Anlagen auf, die bereits seit Monaten oder sogar länger nicht vollständig zur Verfügung stehen. In der Aktualisierung vom 10. August verwies der Netzbetreiber auf zehn Kraftwerke, die seit April bis Juli zwangsweise ausgefallen sind, auf sechs weitere, die bereits seit 2024 nicht verfügbar sind, sowie auf zusätzliche Anlagen mit reduzierter Leistung.
Die genaue Summe der nicht verfügbaren Leistung schwankt von Stunde zu Stunde. Am Morgen des 10. August bezifferte die NGCP den Ausfall beziehungsweise die Leistungsreduzierung auf insgesamt rund 909,8 Megawatt. Zwei Tage zuvor waren zeitweise sogar mehr als 1.300 Megawatt nicht verfügbar. Solche Momentaufnahmen dürfen nicht miteinander addiert werden, zeigen aber, wie stark die tatsächlich nutzbare Leistung unter der installierten Kraftwerkskapazität liegen kann.
Wiederholt betroffen waren in den vergangenen Tagen insbesondere große Kohlekraftwerke, darunter Einheiten von Therma Visayas Inc. (TVI), Kepco SPC Power Corp. (KSPC), Cebu Energy Development Corp. (CEDC), Panay Energy Development Corp. (PEDC) und Toledo Power. Fällt bei einem relativ kleinen regionalen Netz gleichzeitig ein erheblicher Teil solcher Großblöcke aus, lässt sich der Verlust nicht ohne Weiteres durch viele kleinere Anlagen ersetzen.
DOE hatte ab Juli und August mit Entspannung gerechnet
Genau hier liegt die neue Entwicklung. Das Department of Energy hatte am 17. Juni erklärt, die seit dem 12. Mai wiederkehrenden roten und gelben Warnungen könnten mit der Rückkehr wichtiger Kraftwerksblöcke und zusätzlicher Reservekapazität deutlich zurückgehen. Damals befanden sich unter anderem beide 169-Megawatt-Blöcke von Therma Visayas und der 150-Megawatt-Block 3 von Panay Energy Development Corp. in Wiederherstellung. Für PEDC 3 war eine Rückkehr Anfang Juli vorgesehen.
Parallel plante die Regierung zusätzliche Kapazität von insgesamt rund 260 Megawatt. Dazu sollten etwa 170 Megawatt Batteriespeicher in Cebu, Negros und Panay, eine modulare Dieselanlage mit 20 Megawatt sowie möglicherweise ein nach Panay verlegtes Kraftwerksschiff beitragen. Diese Maßnahmen sollten nicht nur zusätzliche Energie liefern, sondern vor allem die kurzfristig verfügbare Reserve erhöhen.
Dass Anfang August trotzdem erneut mehrere rote Warnungen auftreten, zeigt, dass die erwartete Entspannung bislang nicht dauerhaft erreicht wurde. Einzelne Anlagen können zwar zurückkehren, gleichzeitig können andere Blöcke ausfallen oder nur mit reduzierter Leistung betrieben werden. Die Versorgungslage hängt deshalb weniger von der theoretisch installierten Gesamtleistung als von der tatsächlich zuverlässig verfügbaren Leistung in der jeweiligen Stunde ab.
Visayas ist auf Strom aus anderen Netzen angewiesen
Hinzu kommt die stärkere Vernetzung der drei großen philippinischen Stromnetze. Über die Leitungsverbindungen zwischen Luzon, Visayas und Mindanao kann überschüssige Leistung grundsätzlich in andere Regionen übertragen werden. Diese Verbindung verbessert die Versorgungssicherheit, ersetzt aber keine ausreichende eigene Reserve.
Das zeigte sich auch am 10. August. Am Morgen wurde die knappe Reserve in den Visayas unter anderem mit geringeren Importmöglichkeiten aus Mindanao in Verbindung gebracht. Wenn dort selbst große Anlagen ausfallen oder das Mindanao-Netz seine eigene Nachfrage und Reserve absichern muss, kann weniger Leistung in Richtung Visayas fließen. Eine Stromverbindung zwischen den Inselnetzen schafft also zusätzliche Flexibilität, aber keine unbegrenzte zusätzliche Erzeugungskapazität.
Warum die Lage trotz sinkender Nachfrage angespannt bleibt
Bemerkenswert ist außerdem, dass die Alarmserie nicht mehr allein mit der extremen Sommerhitze erklärt werden kann. Der Independent Electricity Market Operator of the Philippines (IEMOP) meldete für Juli bereits niedrigere Nachfrage und deutlich gesunkene Spotmarktpreise. Trotzdem bleibt die Reserve in den Visayas dünn, sobald mehrere größere Kraftwerke gleichzeitig fehlen.
Das spricht dafür, dass die aktuelle Schwachstelle vor allem auf der Angebotsseite liegt. Ein Netz kann selbst bei moderater Nachfrage in den roten Bereich geraten, wenn zu viel Erzeugungsleistung ungeplant ausfällt und gleichzeitig zu wenig Reserve vorhanden ist. Umgekehrt würde eine bloße Rückkehr der Nachfrage auf niedrigere Werte das Problem nur vorübergehend verdecken, solange die Verfügbarkeit der Kraftwerke nicht stabiler wird.
Batteriespeicher helfen – ersetzen aber keine dauerhaft fehlenden Kraftwerke
Batteriespeicher können die Situation verbessern, weil sie sehr schnell auf Schwankungen reagieren und Reserveleistung bereitstellen können. Sie können kurzfristige Spitzen abfangen und damit verhindern, dass jeder kleinere Ausfall sofort zu einer Alarmstufe führt. Ihre gespeicherte Energiemenge ist jedoch begrenzt. Sie ersetzen deshalb keinen großen Kraftwerksblock, der über viele Stunden oder Tage fehlt.
Ähnliches gilt für Stromimporte aus Luzon oder Mindanao. Sie erhöhen die Flexibilität des Systems, lösen aber die strukturelle Frage nach ausreichend zuverlässig verfügbarer Erzeugungsleistung in den Visayas nicht. Die wiederholten Alarmstufen machen damit sichtbar, dass die Region derzeit nicht nur mehr installierte Megawatt, sondern vor allem belastbare Reserve, verlässlich betriebene Kraftwerke und ausreichend flexible Speicher- und Übertragungskapazität benötigt.
Die entscheidende Frage ist jetzt die Zuverlässigkeit
Für Verbraucher in Cebu, Negros, Panay, Bohol, Leyte und Samar ist deshalb weniger entscheidend, wie viel Kraftwerksleistung auf dem Papier vorhanden ist. Relevant ist, wie viel davon in den Stunden mit hoher Nachfrage tatsächlich abrufbar ist. Solange zahlreiche Blöcke gleichzeitig ausfallen oder gedrosselt arbeiten und die Region zusätzlich von verfügbaren Importen abhängt, können rote und gelbe Warnungen auch nach dem Ende der heißesten Monate wiederkehren.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die vom DOE angekündigten zusätzlichen Speicher- und Ersatzkapazitäten sowie die Rückkehr größerer Kraftwerksblöcke die Reserve dauerhaft erhöhen. Erst wenn die Zahl der ungeplanten Ausfälle deutlich sinkt und das Netz auch beim Ausfall eines größeren Blocks ausreichend Puffer besitzt, wäre die seit Mai bestehende Alarmserie tatsächlich überwunden.
Quellen: National Grid Corporation of the Philippines (NGCP), Grid Alert Status vom 7., 8., 9. und 10. August 2026; Department of Energy, „DOE Eyes End to Visayas Grid Alerts“, 17. Juni 2026; Philippine News Agency, Berichte zu den Visayas-Grid-Alerts Anfang August 2026; Cebu Daily News, Berichte zu rotierenden Stromunterbrechungen in Metro Cebu und zur Entwicklung der Netzreserve; Independent Electricity Market Operator of the Philippines (IEMOP), Marktbericht Juli 2026. RM






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