Startseite » Mindanao hat Stromüberschuss – warum die Preise trotzdem steigen können
Mindanao

Mindanao hat Stromüberschuss – warum die Preise trotzdem steigen können

MINDANAO – Die Mindanao Development Authority (MinDA) drängt auf eine engere Zusammenarbeit von Regierung, Regulierungsbehörden, Netzbetreiber und Stromversorgern, um steigende Stromkosten in Mindanao anzugehen. – klajoo.com – Der scheinbare Widerspruch ist groß: Auf der Insel steht insgesamt mehr Erzeugungsleistung zur Verfügung als für die aktuelle Spitzenlast benötigt wird, trotzdem können die Stromrechnungen deutlich steigen.

Mehr verfügbare Kraftwerksleistung bedeutet nicht automatisch billigen Strom

Nach aktuellen Angaben des Department of Energy für Mindanao erreichte die Spitzenlast 2026 bis Mitte des Jahres am 12. Mai rund 2.775 Megawatt. Die durchschnittlich tatsächlich verfügbare Erzeugungsleistung lag von Januar bis Juli bei etwa 3.320 Megawatt. Die durchschnittlichen Reserven bewegten sich je nach Zeitraum zwischen rund 729 und 1.060 Megawatt.

Diese Zahlen zeigen, dass Mindanao insgesamt keinen dauerhaften Mangel an installierter oder verfügbarer Leistung hat. Sie sagen jedoch noch nichts darüber aus, zu welchem Preis der benötigte Strom in einer bestimmten Stunde produziert und eingekauft wird.

Warum teure Kraftwerke den Preis nach oben ziehen können

Ein Teil des Stroms wird über langfristige Lieferverträge beschafft, ein anderer Teil kann am Wholesale Electricity Spot Market (WESM), dem philippinischen Stromgroßhandelsmarkt, gekauft werden. Dort ändern sich die Preise abhängig von Angebot, Nachfrage und den jeweils verfügbaren Kraftwerken.

Fallen günstige Grundlastkraftwerke wegen Wartung oder ungeplanter Störungen aus, müssen unter Umständen teurere Anlagen einspringen. Hohe Brennstoffpreise, eine ungünstige Zusammensetzung des Erzeugungsmixes, Netzengpässe und die konkrete Einsatzreihenfolge der Kraftwerke können dadurch die Beschaffungskosten erhöhen, obwohl rechnerisch genügend Megawatt im Gesamtsystem vorhanden sind.

MinDA nennt deshalb ausdrücklich Schwankungen im WESM, Brennstoffkosten, den Erzeugungsmix, planmäßige und ungeplante Kraftwerksausfälle, Übertragungsengpässe und Marktregeln als Faktoren, die sich auf die Preise auswirken.

Verbindung zu den Visayas verändert die Stromflüsse

Seit der stärkeren Verbindung der Stromnetze von Mindanao und den Visayas muss die Situation außerdem nicht mehr ausschließlich innerhalb der Insel betrachtet werden. Strom kann zwischen den Netzregionen übertragen werden. Ein Teil der in Mindanao verfügbaren Leistung kann deshalb auch für Lieferungen in andere Netzbereiche genutzt werden.

Das bedeutet nicht, dass Exporte automatisch die Ursache hoher Preise sind. Sie sind aber ein weiterer Faktor im inzwischen verbundenen Strommarkt. Entscheidend bleibt, welche Kraftwerke zu welchem Zeitpunkt tatsächlich verfügbar sind, wie Strom vertraglich beschafft wird und welche Kosten im Spotmarkt entstehen.

Davao zeigt, wie stark der Vertragsmix eine Rolle spielt

Die aktuelle Debatte wurde unter anderem durch steigende Strompreise in Davao City verstärkt. Davao Light and Power Company verhandelt nach aktuellen Angaben über einen Emergency Power Supply Agreement mit Therma South. Vorgesehen ist die vertragliche Beschaffung von rund 20 Megawatt überschüssiger Erzeugungsleistung. Ziel ist, die Abhängigkeit vom schwankungsanfälligeren Spotmarkt zu verringern.

Damit wird ein zentraler Punkt sichtbar: Zwei Versorgungsunternehmen können im selben regionalen Stromsystem unterschiedliche Endkundenpreise haben, weil ihre langfristigen Lieferverträge, Spotmarktanteile, Erzeugungsquellen und weitere Kostenbestandteile nicht identisch sind. Ein einheitlicher ‘Strompreis für Mindanao’ existiert deshalb nicht.

MinDA setzt auf langfristige Verträge, erneuerbare Energien und Speicher

MinDA hat nach eigenen Angaben Gespräche mit dem Department of Energy (DOE), der Energy Regulatory Commission (ERC), der National Electrification Administration, der National Grid Corporation of the Philippines (NGCP), der National Power Corporation, TransCo, der Power Sector Assets and Liabilities Management Corporation sowie Vertretern der Stromgenossenschaften geführt.

Zu den diskutierten Ansätzen gehören zusätzliche langfristige Stromlieferverträge, ein weiterer Ausbau erneuerbarer Energien und Batteriespeicher sowie Investitionen in die Übertragungsnetze. Auch die Sanierung der großen Wasserkraftwerke des Agus-Pulangi-Systems bleibt ein wichtiger Baustein für die künftige Stromversorgung Mindanaos.

Nach Angaben der Energiebehörden befinden sich für den Zeitraum 2026 bis 2031 mehrere neue Kraftwerksprojekte in unterschiedlichen Planungs- und Umsetzungsstadien. Zusätzliche Kapazität kann die Versorgungssicherheit verbessern. Sie löst das Preisproblem jedoch nicht automatisch. Entscheidend sind zugleich Brennstoffkosten, Vertragsstrukturen, Netze, Verfügbarkeit und die Frage, wie stark Versorger kurzfristigen Spotmarktpreisen ausgesetzt sind.

Quellen: Mindanao Development Authority (MinDA), Stellungnahme vom 5. August 2026; Department of Energy – Mindanao Field Office; Mindanao Times, 4. und 6. August 2026; Department of Energy, Informationen zum Wholesale Electricity Spot Market. RM

Add Comment

Click here to post a comment