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Luzon

Razzia in Imus: Mutmaßlich gefälschte Schuhe im Wert von 700 Millionen Peso beschlagnahmt

LUZON – Philippinische Ermittler haben in einem Lagerhaus in Imus City in der Provinz Cavite große Mengen mutmaßlich gefälschter Markenschuhe sichergestellt. – klajoo.com – Den vorläufigen Marktwert beziffern die Behörden auf rund 700 Millionen Peso.

Die Razzia fand am 3. August 2026 in Barangay Alapan II-A statt. An dem Einsatz waren das Bureau of Customs, die auf schwere und organisierte Kriminalität spezialisierte Criminal Investigation and Detection Group der Philippine National Police sowie die Philippine Coast Guard beteiligt. Die Ermittler handelten auf Grundlage eines Einsatzauftrags und einer Genehmigung zur Inspektion des Lagerhauses.

Nach Angaben der Polizei wurde die Anlage für die Lagerung, Verpackung und den Verkauf mutmaßlich gefälschter und minderwertiger Schuhe genutzt. Der nach Polizeiangaben chinesische Betreiber des Lagerhauses wurde bei dem Einsatz nicht angetroffen und wird weiterhin gesucht.

Elf bekannte Marken auf den Schuhen

Bei der Inspektion fanden die Einsatzkräfte Schuhe und Sandalen, die Kennzeichnungen zahlreicher internationaler Marken trugen. Genannt wurden:

  • Adidas,
  • On beziehungsweise On Cloud,
  • New Balance,
  • Asics,
  • Crocs,
  • Nike,
  • Jordan,
  • Puma,
  • Converse,
  • Skechers und
  • Louis Vuitton.

Die Waren wurden dem Bureau of Customs zur vollständigen Inventarisierung, Dokumentation und weiteren Bearbeitung übergeben. Wie viele Schuhpaare, Kartons oder einzelne Modelle beschlagnahmt wurden, haben die Behörden bislang nicht veröffentlicht.

Auch die Herkunft der Schuhe ist noch nicht abschließend geklärt. Die Ermittler sprechen von mutmaßlich geschmuggelter beziehungsweise rechtswidrig eingeführter Ware. Angaben dazu, über welchen Hafen die Produkte ins Land gelangten, welcher Importeur sie anmeldete oder ob ein Teil der Schuhe möglicherweise auf den Philippinen hergestellt wurde, liegen noch nicht vor.

700 Millionen Peso sind eine vorläufige Schätzung

Der von den Behörden genannte Wert von 700 Millionen Peso ist noch kein endgültig festgestellter Warenwert.

Solche ersten Schätzungen können sich am vermuteten Verkaufswert der entsprechenden Originalprodukte, an Vergleichspreisen der Markeninhaber oder an anderen behördlichen Bewertungsgrundlagen orientieren. Erst nach Abschluss der Inventarisierung lässt sich genauer feststellen, wie viele Artikel vorhanden sind und welcher Wert ihnen zugerechnet wird.

Die Zahl bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass die Betreiber mit den mutmaßlichen Fälschungen tatsächlich 700 Millionen Peso umgesetzt hätten. Sie ist auch nicht mit dem Produktions- oder Einkaufspreis der Ware gleichzusetzen.

Ebenso steht noch nicht fest, dass jedes beschlagnahmte Paar tatsächlich eine Fälschung ist. Dafür müssen die Produkte, Markenzeichen und gegebenenfalls Einfuhrunterlagen genauer untersucht werden. In früheren Verfahren waren bei der Überprüfung auch Vertreter der betroffenen Markeninhaber beteiligt.

Betreiber soll auch über digitale Wege verkauft haben

Die Polizei erklärte, gegen den flüchtigen Betreiber werde wegen Estafa ermittelt. Als Estafa werden auf den Philippinen unterschiedliche Formen des Betrugs bezeichnet.

Das Verfahren wird nach Angaben der Polizei in Verbindung mit dem Cybercrime Prevention Act of 2012 geführt. Dieses Gesetz sieht vor, dass auch Straftaten nach dem allgemeinen Strafrecht erfasst werden können, wenn sie mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie begangen wurden.

Dies deutet darauf hin, dass zumindest ein Teil der mutmaßlichen Verkäufe oder der Kommunikation mit Kunden über digitale Kanäle erfolgt sein könnte. Die Behörden haben bislang jedoch nicht mitgeteilt, ob die Schuhe über eigene Internetseiten, soziale Netzwerke, Messenger-Dienste oder große Onlineplattformen angeboten wurden.

Auch konkrete Nutzerkonten, Shops oder Vertriebspartner wurden nicht genannt. Deshalb wäre es verfrüht, einzelne Onlineplattformen mit dem Lagerhaus in Verbindung zu bringen.

Der Betreiber ist bislang lediglich Beschuldigter. Die Einreichung oder Vorbereitung einer Strafanzeige bedeutet noch keine Feststellung seiner Schuld.

Weitere Verfahren wegen Markenverletzung und Schmuggels möglich

Neben dem Betrugsvorwurf kommen weitere Verfahren nach dem philippinischen Marken- und Zollrecht infrage.

Der Intellectual Property Code of the Philippines verbietet die nicht genehmigte Verwendung geschützter Markenzeichen, wenn dadurch Käufer über Herkunft oder Hersteller eines Produkts getäuscht werden können. Eine Markenverletzung kann bereits bei Herstellung, Verpackung, Bewerbung, Angebot oder Vertrieb vorliegen; ein tatsächlich abgeschlossener Verkauf ist nicht in jedem Fall erforderlich.

Bei eingeführten Waren können zusätzlich Vorschriften des Customs Modernization and Tariff Act greifen. Das Bureau of Customs kann Waren beschlagnahmen und ein Einziehungs- beziehungsweise Verfallsverfahren einleiten, wenn Einfuhrbestimmungen verletzt wurden oder die Produkte gegen geschützte Markenrechte verstoßen. In vergleichbaren Fällen verfolgt die Behörde mögliche Verstöße sowohl gegen das Zollgesetz als auch gegen den Intellectual Property Code.

Welche konkreten zusätzlichen Vorwürfe im Fall von Imus erhoben werden, hängt unter anderem davon ab:

  • woher die Ware stammt,
  • wie sie eingeführt oder hergestellt wurde,
  • wer die Einfuhr und Lagerung organisiert hat,
  • welche Unternehmen oder Personen am Vertrieb beteiligt waren,
  • ob gefälschte Dokumente verwendet wurden und
  • über welche Kanäle die Schuhe verkauft wurden.

Entfernen der Marken reicht nicht aus

Sollte in einem rechtskräftigen Verfahren bestätigt werden, dass es sich um gefälschte Produkte handelt, können die Waren nicht einfach durch das Entfernen der Markenkennzeichnungen wieder in den Handel gebracht werden.

Der Intellectual Property Code sieht vor, dass rechtsverletzende Produkte aus dem regulären Warenverkehr entfernt oder vernichtet werden können. Bei Fälschungen genügt die bloße Entfernung des aufgebrachten Markenzeichens grundsätzlich nicht, um die Produkte anschließend verkaufen zu dürfen.

Vor einer endgültigen Vernichtung oder anderweitigen Verfügung müssen jedoch die gesetzlichen Zoll- und Gerichtsverfahren abgeschlossen werden. Die Schuhe können außerdem als Beweismittel für Straf-, Zoll- oder Markenrechtsverfahren benötigt werden.

Einer der größten jüngeren Schuhfunde

Der Fund in Imus liegt deutlich über mehreren anderen umfangreichen Beschlagnahmungen mutmaßlich gefälschter Schuhe in den vergangenen Jahren.

Im Februar 2026 stellten Ermittler in zwei Lagerhäusern in Apalit in der Provinz Pampanga Schuhe, Rohstoffe und Produktionsmaschinen im Gesamtwert von rund 349,6 Millionen Peso sicher. Darunter waren Maschinen und Materialien, die nach Darstellung der Polizei zur Herstellung nachgeahmter Crocs-Produkte verwendet worden sein sollen.

Bei weiteren Einsätzen in Bulacan und Pampanga wurden im Januar 2026 mutmaßliche Fälschungen, Zubehör und Maschinen im Wert von rund 202 Millionen Peso beschlagnahmt.

Im März 2025 fanden Ermittler in drei Lagerhäusern in Meycauayan in der Provinz Bulacan mutmaßlich gefälschte Schuhe im Wert von rund 75 Millionen Peso. Vier chinesische Staatsangehörige wurden damals festgenommen und wegen der nicht genehmigten Verwendung einer geschützten Marke beschuldigt.

Mit dem vorläufig geschätzten Wert von 700 Millionen Peso gehört der Fund in Imus damit zu den größten zuletzt öffentlich gemeldeten Fällen, die sich vorwiegend auf Schuhe beziehen. Ob es sich um den größten Schuhfund in der Geschichte der Philippinen handelt, ist nicht belegt.

Hohe Beschlagnahmungen zeigen die Dimension – aber nicht die gesamte Marktgröße

Die philippinischen Behörden beschlagnahmten 2024 mutmaßlich gefälschte und urheberrechtsverletzende Produkte im geschätzten Gesamtwert von 40,99 Milliarden Peso. Das war der bis dahin höchste Jahreswert und lag deutlich über den 26,99 Milliarden Peso des Jahres 2023. Der Zoll war für den größten Anteil der sichergestellten Waren verantwortlich.

Von Januar bis September 2025 erreichte der Wert der Beschlagnahmungen 18,64 Milliarden Peso. Bekleidung und ähnliche Modeprodukte bildeten dabei einen besonders großen Anteil.

Diese Zahlen dürfen allerdings nicht als Schätzung des gesamten philippinischen Marktes für Fälschungen verstanden werden. Steigende oder sinkende Beschlagnahmungswerte können sowohl auf Veränderungen des illegalen Handels als auch auf mehr Kontrollen, einzelne außergewöhnlich große Razzien oder andere Bewertungsmethoden zurückzuführen sein.

Warum gefälschte Schuhe nicht nur den Marken schaden

Bei Fälschungen geht es nicht ausschließlich um entgangene Einnahmen internationaler Markenhersteller.

Käufer können gezielt getäuscht werden, wenn Produkte als Originale angeboten und zu entsprechend hohen Preisen verkauft werden. Bei Onlinekäufen lässt sich die tatsächliche Qualität vor der Lieferung besonders schwer beurteilen.

Das Intellectual Property Office of the Philippines warnt außerdem davor, dass gefälschte Kleidung und Schuhe nicht zwingend nach denselben Qualitäts- und Sicherheitsstandards hergestellt werden wie Originalprodukte. Minderwertige Materialien, Klebstoffe, Sohlen oder Verarbeitung können Haltbarkeit und Nutzungssicherheit beeinträchtigen.

Hinzu kommen mögliche Ausfälle bei Zöllen und Steuern sowie Wettbewerbsnachteile für Händler, Importeure und Hersteller, die ihre Waren ordnungsgemäß anmelden und Markenrechte beachten.

Woran Käufer misstrauisch werden sollten

Ein ungewöhnlich niedriger Preis allein beweist noch keine Fälschung. In Verbindung mit weiteren Auffälligkeiten kann er jedoch ein Warnsignal sein.

Das philippinische Amt für geistiges Eigentum empfiehlt, insbesondere auf Preis, Verkaufsort, Verpackung, Produktqualität und Zahlungsbedingungen zu achten. Verdächtig können etwa fehlende oder fehlerhafte Etiketten, ungewöhnliche Schreibweisen, schlechte Nähte, ungleichmäßige Klebestellen, abweichende Logos oder Verkäufer ohne nachvollziehbare Geschäftsadresse sein.

Bei hochpreisigen Schuhen oder limitierten Modellen ist der Kauf bei autorisierten Händlern besonders wichtig. Käufer sollten Rechnungen, Bestellbestätigungen, Produktbeschreibungen und Kommunikation mit dem Verkäufer sichern. Diese Unterlagen können bei einer Beschwerde oder Rückforderung entscheidend sein.

Viele Fragen noch offen

Die Razzia hat ein großes Lager mutmaßlich gefälschter Schuhe aus dem Vertrieb genommen. Sie beantwortet jedoch noch nicht, wie das Netzwerk funktionierte.

Für die weitere Berichterstattung sind insbesondere folgende Fragen entscheidend:

  • Wie viele Schuhpaare wurden tatsächlich beschlagnahmt?
  • Wie wird der endgültige Warenwert berechnet?
  • Wo wurden die Produkte hergestellt?
  • Wie gelangten sie auf die Philippinen?
  • Über welche Geschäfte, Händler oder Internetkonten wurden sie verkauft?
  • Gab es weitere Lagerhäuser oder Vertriebspartner?
  • Welche Markeninhaber haben die Fälschungen bereits bestätigt?
  • Welche Zoll-, Betrugs- und Markenrechtsverfahren werden tatsächlich eingeleitet?

Solange diese Punkte nicht geklärt sind, bleibt der Wert von 700 Millionen Peso eine vorläufige Schätzung und die rechtliche Einordnung der Waren Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Quellen: Bureau of Customs; Philippine National Police – Criminal Investigation and Detection Group; Philippine Coast Guard; Philippine News Agency; Intellectual Property Office of the Philippines; Intellectual Property Code of the Philippines; Cybercrime Prevention Act of 2012. RM

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