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Frankreich bietet Kernenergie-Expertise an – doch das eigene Atomprogramm zeigt auch die Risiken

MANILA – Frankreich ist bereit, die Philippinen beim Aufbau eines zivilen Kernenergieprogramms zu unterstützen. – klajoo.com – Die scheidende französische Botschafterin Marie Fontanel erklärte, beide Länder hätten bereits seit Beginn ihrer Amtszeit im Jahr 2023 über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen.

Nach ihren Angaben wurden Möglichkeiten für einen französischen Zuschuss sowie für eine Beteiligung des staatlichen Energiekonzerns Électricité de France, kurz EDF, an der Beratung zur nuklearen Energie- und Versorgungssicherheit geprüft.

Das Angebot ist noch kein Vertrag über den Bau eines Kernkraftwerks. Frankreich bringt jedoch jahrzehntelange Erfahrung mit Planung, Betrieb, Sicherheitsaufsicht und Ausbildung ein. Gleichzeitig zeigt das französische Atomprogramm, welche technischen, finanziellen und langfristigen Probleme mit Kernenergie verbunden sein können.

Meralco arbeitet bereits mit EDF zusammen

Die französische Initiative beginnt nicht bei null.

Die Manila Electric Company, kurz Meralco, und EDF unterzeichneten im April 2025 eine Kooperationsvereinbarung. Beide Unternehmen wollen Möglichkeiten für Kernenergieprojekte auf den Philippinen untersuchen und Kenntnisse zu Technologie, Betrieb, Sicherheit und Projektentwicklung austauschen.

Meralco arbeitet parallel mit Unternehmen und Behörden aus den USA und Südkorea zusammen. Im Februar 2026 erhielt das Unternehmen einen Zuschuss der US-amerikanischen Trade and Development Agency für eine Machbarkeitsstudie zu kleinen modularen Reaktoren. Die Philippinen legen sich damit bislang nicht auf einen einzigen Staat oder Reaktortyp fest.

Frankreich wäre ein weiterer möglicher Technologie- und Beratungspartner, nicht automatisch der alleinige Lieferant eines philippinischen Kernkraftwerks.

Philippinen wollen 2032 mit Kernenergie beginnen

Das philippinische Energieministerium verfolgt einen ambitionierten Zeitplan. Nach der Nuclear Energy Roadmap sollen bis 2032 zunächst 1.200 Megawatt Kernkraftleistung zur Verfügung stehen. Bis 2040 soll die Kapazität auf 4.800 Megawatt steigen.

Die Regierung will 2026 mit der Annahme von Genehmigungsanträgen für Kernenergieprojekte beginnen. Dafür werden die Verfahren von Energie-, Umwelt-, Sicherheits- und Regulierungsbehörden aufeinander abgestimmt.

Ob ein erstes Kraftwerk tatsächlich bereits 2032 in Betrieb gehen kann, hängt jedoch von zahlreichen Voraussetzungen ab:

  • Auswahl und Untersuchung eines geeigneten Standorts,
  • Genehmigung des Reaktortyps,
  • Finanzierung und staatliche Garantien,
  • Ausbau des Übertragungsnetzes,
  • Ausbildung von Fachpersonal,
  • Notfall- und Katastrophenschutz,
  • Beschaffung und langfristige Lagerung des Brennstoffs,
  • Entsorgung radioaktiver Abfälle sowie
  • gesellschaftliche und politische Akzeptanz.

Gerade französische Erfahrungen zeigen, dass zwischen einer politischen Zielsetzung und der tatsächlichen Inbetriebnahme eines Kernkraftwerks viele Jahre liegen können.

Was Frankreich anbieten kann

Frankreich verfügt über eines der weltweit größten zivilen Kernenergieprogramme. Das Land hat eine nahezu vollständige industrielle Kette aufgebaut, zu der unter anderem gehören:

  • Reaktorentwicklung und Kraftwerksbetrieb durch EDF,
  • Brennstoff- und Reaktortechnik durch Unternehmen wie Framatome und Orano,
  • eine spezialisierte und unabhängige Sicherheitsaufsicht,
  • Ausbildung von Ingenieuren und Betriebspersonal,
  • Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente,
  • Zwischenlagerung und Entsorgungsplanung sowie
  • langjährige Erfahrung mit der Einbindung großer Kernkraftwerke in ein nationales Stromnetz.

Diese Erfahrung ist für die Philippinen wertvoll, weil der Aufbau eines Kernenergieprogramms weit mehr umfasst als den Kauf eines Reaktors. Eine Regierung muss auch ein dauerhaft funktionsfähiges System für Aufsicht, Inspektionen, Sicherheitskultur, Haftung, Abfallmanagement und Notfallvorsorge schaffen.

Frankreich kann dabei nicht nur zeigen, was funktioniert. Seine eigenen Probleme liefern ebenso wichtige Erkenntnisse darüber, was vermieden werden sollte.

Flamanville: vom Vorzeigeprojekt zum Milliardenproblem

Das deutlichste Warnsignal ist der neue Reaktor Flamanville 3 am Kernkraftwerksstandort Flamanville im Département Manche in der Normandie.

Der Bau des Europäischen Druckwasserreaktors, kurz EPR, begann 2007. Ursprünglich sollte er 2012 in Betrieb gehen. Tatsächlich wurde er erst im Dezember 2024 erstmals mit dem Stromnetz verbunden und erreichte 2025 die volle Leistung. EDF bestätigte im Februar 2026, dass der Reaktor inzwischen 100 Prozent seiner vorgesehenen Leistung erreicht hat.

Technisch ist die Inbetriebnahme ein Erfolg. Wirtschaftlich und organisatorisch gilt das Projekt jedoch als schwerwiegendes Beispiel für unterschätzte Risiken.

Der französische Rechnungshof beziffert die gesamten Baukosten einschließlich Finanzierung auf rund 23,7 Milliarden Euro. Die ursprüngliche Kostenschätzung lag bei etwa 3,3 Milliarden Euro. Der Rechnungshof kommt zu dem Ergebnis, dass die Rentabilität des Reaktors unter den Kapitalkosten von EDF liegt.

Zu den Ursachen gehörten unvollständige Planungen, Probleme bei Schweißnähten und Bauteilen, unzureichende Qualitätskontrolle, verlorene industrielle Fähigkeiten und wiederholte Änderungen während der Bauzeit.

Für die Philippinen ist daraus eine zentrale Lehre abzuleiten: Ein Kernkraftwerk darf nicht auf Grundlage eines politisch attraktiven Anfangspreises beschlossen werden. Entscheidend sind die vollständigen Kosten einschließlich Finanzierung, Netzanschluss, Sicherheitsnachrüstungen, Brennstoff, Rückbau und Abfallentsorgung.

Auch Frankreichs neue Reaktoren werden teurer

Frankreich plant sechs neue Reaktoren des Typs EPR2. EDF bezifferte die voraussichtlichen Kosten Anfang 2026 auf 72,8 Milliarden Euro zu Preisen von 2020.

Die ersten dieser neuen Anlagen sollen nach derzeitiger Planung frühestens gegen Ende der 2030er-Jahre Strom erzeugen. Damit wird selbst in einem Land mit vorhandenen Standorten, ausgebildetem Personal, erfahrenen Behörden und einer kompletten Atomindustrie mit langen Vorlaufzeiten gerechnet.

Die Philippinen müssten viele dieser Strukturen erst aufbauen. Ein Zieljahr 2032 wäre daher nur mit einem sehr schnellen Verfahren, einem bereits weit entwickelten Projekt und einer Technologie erreichbar, die wesentlich kürzere Bauzeiten als ein großer EPR ermöglicht.

Kleine modulare Reaktoren werden häufig als mögliche Alternative genannt. Doch auch bei ihnen sind Finanzierung, Serienfertigung, Genehmigung und tatsächlich erreichte Baukosten noch nicht in dem Umfang erprobt, wie es bei konventionellen Kraftwerken der Fall ist.

Alternde Reaktoren benötigen hohe Investitionen

Ein großer Teil des französischen Kernkraftwerksparks wurde in den 1980er-Jahren errichtet.

Zum 1. Januar 2026 hatten 25 der 56 älteren französischen Reaktoren – Flamanville 3 nicht mitgerechnet – bereits eine Betriebsdauer von mehr als 40 Jahren überschritten. Die französische Aufsichtsbehörde weist darauf hin, dass viele Komponenten ursprünglich für diesen Zeitraum ausgelegt wurden. Ein längerer Betrieb erfordert daher zusätzliche Prüfungen, Nachrüstungen und ein systematisches Management der Materialalterung.

Die Behörde verlangt, dass ältere Anlagen sicherheitstechnisch möglichst an neuere Reaktoren angenähert werden. Dazu gehören zusätzliche Kühlsysteme, verbesserter Schutz gegen schwere Unfälle und Anpassungen an neue Erkenntnisse aus Fukushima und anderen Ereignissen.

Frankreich kann seine Reaktoren nicht einfach weiterbetreiben, weil sie bereits gebaut und abgeschrieben sind. Die Verlängerung ihrer Laufzeit erfordert umfangreiche Wartungsprogramme und Milliardeninvestitionen.

Korrosion führte zu einer Versorgungskrise

Ende 2021 wurden im Reaktor Civaux 1 am Kernkraftwerksstandort Civaux, im Département Vienne in der Region Nouvelle-Aquitaine, Risse an Leitungen des Notkühlsystems entdeckt. Untersuchungen bestätigten Spannungsrisskorrosion. Daraufhin wurden weitere Reaktoren kontrolliert und teilweise vorsorglich abgeschaltet.

Die gleichzeitigen Prüfungen und Reparaturen trugen 2022 zu einem historischen Rückgang der französischen Atomstromproduktion bei. Zeitweise war ein großer Teil der Reaktorflotte nicht verfügbar.

Das Problem zeigte einen besonderen Nachteil standardisierter Flotten: Gleiche oder ähnliche Bauformen ermöglichen zwar eine effiziente Wartung und Ersatzteilversorgung. Wird jedoch ein möglicherweise serienbedingter Fehler entdeckt, können mehrere Reaktoren gleichzeitig von Kontrollen und Abschaltungen betroffen sein.

Die französische Aufsichtsbehörde warnt deshalb davor, dass ein schwerwiegender gemeinsamer Fehler erneut mehrere Reaktoren gleichzeitig außer Betrieb setzen könnte.

Hitze und Wassermangel begrenzen die Produktion

Kernkraftwerke benötigen große Mengen Wasser zur Kühlung. Sie können deshalb auch von Klimawandel, Dürre und hohen Flusstemperaturen betroffen sein.

Während der französischen Hitzewelle 2026 musste die Leistung von zwölf Reaktoren zeitweise um insgesamt mehr als neun Gigawatt reduziert werden. Chooz 2 am Kernkraftwerksstandort Chooz im Département Ardennes in der Region Grand Est, nahe der belgischen Grenze, war wegen niedriger Wasserstände länger außer Betrieb. Golfech 2 am Kernkraftwerksstandort Golfech im Département Tarn-et-Garonne in der Region Okzitanien wurde wegen zu hoher Wassertemperaturen der Garonne abgeschaltet.

Auch die französische Sicherheitsaufsicht verlangt, dass bei Laufzeitverlängerungen Risiken durch Hitzewellen, steigenden Meeresspiegel sowie Wasserentnahme und Wasserverbrauch stärker berücksichtigt werden.

Für die Philippinen wäre die Kühlung ebenfalls ein zentrales Standortkriterium. Küstenstandorte bieten grundsätzlich Zugang zu großen Wassermengen, müssen aber gegen Taifune, Sturmfluten, Meeresspiegelanstieg und Korrosion durch salzhaltige Luft geschützt werden. Standorte an Flüssen oder Seen wären stärker von saisonalen Wasserständen und hohen Wassertemperaturen abhängig.

Entsorgung bleibt auch in Frankreich ungelöst

Frankreich arbeitet seit Jahrzehnten an einem geologischen Endlager für hochradioaktive und langlebige mittelradioaktive Abfälle.

Das Projekt Cigéo soll die Abfälle etwa 500 Meter tief in einer Tonschicht lagern. Die französische Sicherheitsbehörde bewertete die bisherige Sicherheitsgrundlage Ende 2025 als ausreichend ausgereift, verlangte aber weitere Angaben und Ergänzungen. Das Genehmigungs- und Beteiligungsverfahren läuft weiterhin. Eine vollständige Inbetriebnahme ist nach derzeitiger Planung erst für 2055 vorgesehen.

Die zuletzt offiziell festgelegte Kostenschätzung lag bei 25 Milliarden Euro und wird derzeit neu berechnet. Cigéo ist damit noch keine bereits vollständig arbeitende Endlagerlösung.

Frankreich verfügt zwar über Zwischenlagerung, Wiederaufarbeitung und ein spezialisiertes Abfallmanagement. Selbst ein Land mit jahrzehntelanger Atomindustrie benötigt jedoch viele Jahrzehnte, um eine dauerhafte Lösung für die gefährlichsten Abfälle politisch, technisch und rechtlich vorzubereiten.

Die Philippinen müssten vor dem Bau eines Reaktors klären, wer für abgebrannte Brennelemente verantwortlich ist, wo sie zunächst gelagert werden und welche dauerhafte Entsorgungsstrategie verfolgt wird. Ein bloßer Hinweis, der Lieferstaat könne den Brennstoff möglicherweise zurücknehmen, reicht ohne verbindlichen Vertrag nicht aus.

Kernkraft senkt Strompreise nicht automatisch

Kernkraftwerke können über viele Jahrzehnte große Mengen CO2-armen Strom erzeugen. Ob sie den Strom für Verbraucher tatsächlich verbilligen, hängt jedoch stark von Baukosten, Finanzierung und Auslastung ab.

Hohe Zinsen und Verzögerungen verteuern Kernkraftprojekte besonders stark, weil während einer langen Bauzeit bereits Kapital gebunden ist, aber noch kein Strom verkauft wird. Staatliche Garantien können die Finanzierungskosten senken, verlagern das Risiko jedoch auf Steuerzahler oder Stromkunden.

Die Erfahrungen von Flamanville zeigen, dass eine erhebliche Kostenüberschreitung den späteren Strompreis beeinflusst, selbst wenn Brennstoff- und laufende Betriebskosten vergleichsweise stabil sind.

Für die Philippinen wäre deshalb entscheidend, welches Finanzierungsmodell Frankreich oder EDF tatsächlich anbieten. Ein technischer Zuschuss oder eine Machbarkeitsstudie ist etwas anderes als eine Garantie für den Baupreis oder einen dauerhaft niedrigen Stromtarif.

Kernenergie ersetzt den Netzausbau nicht

Ein großes Kernkraftwerk liefert kontinuierlich sehr viel Strom. Fällt es ungeplant aus, muss das Netz dieselbe Leistung kurzfristig durch andere Kraftwerke, Speicher oder Stromimporte aus anderen Regionen ersetzen können.

Das ist für die Philippinen besonders relevant, weil Luzon, Visayas und Mindanao noch nicht vollständig über ein einheitlich belastbares Übertragungsnetz verfügen. Ein einzelner Reaktor mit mehr als 1.000 Megawatt wäre eine der größten Erzeugungseinheiten des Landes.

Vor seinem Bau müssten deshalb Reservekapazitäten, Übertragungsleitungen und die Stabilität des Netzes ausgebaut werden. Andernfalls könnte der Ausfall eines einzigen Reaktors eine erhebliche Versorgungslücke verursachen.

Frankreichs Angebot sollte kritisch genutzt werden

Frankreich besitzt unbestreitbar wertvolles Wissen. Besonders hilfreich wären Erfahrungen mit:

-unabhängiger Sicherheitsaufsicht,
-Ausbildung und Sicherheitskultur,
-Alterungsmanagement,
-Qualitätssicherung bei Bau und Wartung,
-Notfallplanung,
-Netzintegration,
-Klimaanpassung,
-Abfallmanagement und
-realistischer Kostenkontrolle.

Die französischen Schwierigkeiten sprechen nicht zwingend gegen eine Zusammenarbeit. Im Gegenteil: Ein Partner, der Korrosionsprobleme, Bauverzögerungen, alternde Anlagen, Hitzebelastung und Entsorgungsfragen selbst bewältigen musste, kann wichtige praktische Erfahrungen vermitteln.

Problematisch wäre es jedoch, nur Frankreichs erfolgreiche jahrzehntelange Stromproduktion zu betrachten und die erheblichen Kosten und Risiken auszublenden.

Noch keine Entscheidung für französische Reaktoren

Das aktuelle Angebot ist zunächst diplomatisch und technisch.

Es gibt noch keine bestätigte Entscheidung über:

-einen französischen Reaktortyp,
-einen Standort,
-eine konkrete Leistung,
-einen Baupreis,
-eine Finanzierung,
-einen Baubeginn oder
-eine Beteiligung des französischen Staates an einem Kraftwerksprojekt.

Die Philippinen führen gleichzeitig Gespräche mit Unternehmen und Regierungen aus Frankreich, den USA, Südkorea und weiteren Staaten. Diese Konkurrenz kann hilfreich sein, wenn Angebote nach einheitlichen Kriterien verglichen werden.

Entscheidend ist, dass nicht nur der angekündigte Preis des Reaktors betrachtet wird. Verglichen werden müssen vollständige Lebenszykluskosten, Sicherheitsanforderungen, Bauzeit, Brennstoffversorgung, Haftung, Rückbau, Abfallentsorgung und die Frage, wer bei Verzögerungen oder Kostenüberschreitungen das finanzielle Risiko trägt.

Frankreich kann den Philippinen viel über Kernenergie vermitteln. Die wichtigste Lektion könnte jedoch sein, dass Atomstrom weder schnell noch einfach und nicht automatisch billig ist.

Quellen: Französische Botschaft und Marie Fontanel über ABS-CBN und South China Morning Post; Department of Energy der Philippinen; Meralco und Électricité de France; französischer Rechnungshof; EDF; französische Behörde für nukleare Sicherheit und Strahlenschutz; französische Agentur für die Entsorgung radioaktiver Abfälle. RM

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