LUZON – Ausgediente Solarmodule eines philippinischen Solarstromunternehmens erhalten ein zweites Leben als Möbel für eine öffentliche Schule. – klajoo.com – Die Citicore Renewable Energy Corporation hat 20 nicht mehr genutzte Solarmodule zu 14 Tischen verarbeiten lassen. Die Möbel wurden der Pasong Bangkal Elementary School in San Ildefonso in der Provinz Bulacan übergeben.
Das Projekt ist Teil des neuen Programms „EcoLoop“. Citicore will damit Materialien aus dem Bau und Betrieb seiner Anlagen nicht einfach entsorgen, sondern sie für neue Zwecke in den umliegenden Gemeinden nutzen.
Für die Gestaltung und Verarbeitung arbeitete das Unternehmen mit KamayManos PH zusammen. Das philippinische Kunst- und Designkollektiv beschäftigt sich mit der Wiederverwendung ausgedienter Materialien.
Die Solarmodule erzeugen in ihrer neuen Funktion keinen Strom mehr. Ihre stabilen, ebenen Oberflächen werden stattdessen als Tischplatten genutzt.
Damit wird die Lebensdauer eines wesentlichen Teils der Module verlängert. Die Herstellung neuer Tischplatten und die sofortige Entsorgung der alten Module können zunächst vermieden werden.
Citicore hatte aus ausgedienten Solarmodulen und anderen Restmaterialien bereits 13 Wartehäuschen, überdachte Wege und kleine Gemeindeposten gebaut.
Mit EcoLoop soll diese Wiederverwendung nun systematischer auf weitere Materialien, Produkte und Standorte ausgeweitet werden.
Das Projekt verbindet zwei Probleme, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben.
Viele öffentliche Schulen auf den Philippinen verfügen nicht über genügend brauchbare Tische und Stühle. Gleichzeitig wächst mit dem Ausbau der Solarenergie langfristig die Zahl beschädigter, technisch überholter oder aus anderen Gründen ausgemusterter Solarmodule.
Solarmodule können häufig 25 Jahre oder länger Strom erzeugen. Sie werden jedoch nicht immer erst nach Ablauf dieser Zeit ausgetauscht.
Ein Modul kann durch Transport, Unwetter oder mechanische Belastungen beschädigt werden. Auch technische Fehler, nachlassende Leistung oder der Austausch einer gesamten Anlage gegen leistungsfähigere Module können dazu führen, dass einzelne Solarmodule vorzeitig außer Betrieb genommen werden.
Citicore erklärt in seiner Mitteilung nicht, weshalb die 20 verwendeten Module ausgemustert wurden, wie alt sie waren oder welche elektrische Leistung sie zuvor besaßen.
Ebenso fehlen Angaben dazu, ob die Module noch teilweise funktionsfähig waren oder wegen Schäden nicht mehr sicher als Stromerzeuger eingesetzt werden konnten.
Für die Bewertung des Projekts wäre dieser Unterschied wichtig.
Ein noch funktionierendes Modul könnte möglicherweise an anderer Stelle weiter Strom erzeugen. Ein technisch nicht mehr nutzbares, aber äußerlich stabiles Modul kann dagegen für eine andere Verwendung geeigneter sein.
Die Verarbeitung zu Möbeln ist ein Beispiel für Upcycling.
Beim Upcycling wird ein nicht mehr benötigter Gegenstand oder ein Abfallmaterial so verändert, dass daraus ein neues nutzbares Produkt entsteht.
Das unterscheidet sich vom klassischen Recycling. Beim Recycling werden Materialien häufig zerlegt, eingeschmolzen oder auf andere Weise zu Rohstoffen verarbeitet. Beim Upcycling bleibt ein größerer Teil des ursprünglichen Gegenstands erhalten.
Die Solarmodule werden bei den Schultischen nicht in Glas, Aluminium, Kunststoffe und elektronische Bestandteile getrennt. Stattdessen werden sie als Bauteil weiterverwendet.
Das spart zunächst Verarbeitungsschritte und kann den Zeitpunkt der endgültigen Entsorgung um Jahre verschieben.
Upcycling löst das Entsorgungsproblem jedoch nicht vollständig.
Auch die neuen Tische erreichen irgendwann das Ende ihrer Nutzungsdauer. Spätestens dann muss entschieden werden, wie die verwendeten Solarmodule fachgerecht zerlegt, verwertet oder entsorgt werden.
Solarmodule bestehen überwiegend aus Glas und einem Aluminiumrahmen. Hinzu kommen Solarzellen, Kunststoffe, Kabel, Anschlussdosen, Klebstoffe und geringe Mengen weiterer Metalle.
Abhängig von Bauart, Alter und Hersteller können auch Stoffe enthalten sein, die bei unsachgemäßer Behandlung nicht unkontrolliert in die Umwelt gelangen sollten.
Beschädigte Module dürfen deshalb nicht einfach zerbrochen, verbrannt oder auf einer offenen Deponie abgeladen werden.
Für die Nutzung als Schulmöbel ist außerdem wichtig, dass die Module sorgfältig geprüft und verarbeitet wurden.
Scharfe Glaskanten, Risse, beschädigte Rückseiten, hervorstehende Metallteile oder lose Anschlusskomponenten könnten eine Verletzungsgefahr darstellen.
Nicht mehr benötigte Kabel und Anschlussdosen müssen so entfernt oder gesichert werden, dass Kinder sie nicht erreichen können.
Die Konstruktion muss außerdem dem Schulalltag standhalten. Dazu gehören das Gewicht von Büchern und anderen Gegenständen, wiederholte Stöße, hohe Luftfeuchtigkeit und die tägliche Reinigung.
Citicore bezeichnet die Tische als widerstandsfähig. Genauere Angaben zu Belastungstests, Sicherheitsprüfungen und der erwarteten Nutzungsdauer veröffentlichte das Unternehmen bislang jedoch nicht.
Das Projekt zeigt trotzdem, dass ausgediente Technik nicht zwangsläufig sofort zu Abfall werden muss.
Auf den Philippinen gibt es zahlreiche ähnliche Initiativen, bei denen Menschen, Unternehmen und Gemeinden Materialien weiterverwenden, die andernfalls auf Deponien, in Flüssen oder im Meer landen könnten.
In Baguio City werden beispielsweise gesammelte Einwegkunststoffe zu Schultischen und Stühlen verarbeitet.
Das im Februar 2026 gestartete Programm „Basura to Silya“, auf Deutsch etwa „Müll wird zum Stuhl“, sammelt Kunststoffe aus zunächst 18 Barangays.
Das Unternehmen Sentinel Upcycling Technologies verarbeitet das Material zu Schulstühlen. Nach Angaben des Unternehmens können aus sorgfältig sortiertem Kunststoff auch Paletten, Abfallbehälter, Kisten und andere langlebige Produkte hergestellt werden.
Ein ähnliches Projekt wurde 2025 in der Provinz Capiz umgesetzt.
Dort erhielt die Ilas Norte Elementary School 45 Stühle und einen Lehrertisch, die aus gesammelten Kunststoffabfällen hergestellt worden waren.
In Parañaque wurden 2026 sogar 500 Schulstühle aus rund 10.000 Kilogramm Kunststoffabfällen an drei öffentliche Schulen verteilt.
Die Stühle verfügen über integrierte Schreibflächen. Sie ersetzten teilweise beschädigte Sitzmöbel, bei denen Schüler zuvor ohne Tisch auf ihrem Schoß schreiben mussten.
Auch Textilabfälle werden zunehmend weiterverwendet.
Quezon City eröffnete in Payatas ein Zentrum, in dem Stoffreste gesammelt, sortiert und zu neuen Produkten verarbeitet werden.
Der sogenannte Circularity Hub verfügt über Webstühle, Schneidemaschinen sowie Produktions- und Ausstellungsflächen.
Frauen aus der Umgebung können dort handwerkliche Fähigkeiten erlernen und aus weggeworfenen Textilien verkäufliche Produkte herstellen.
Eine weitere Initiative in Quezon City verwendet alte Wahlplakate und Werbeplanen.
Im Rahmen des Programms „Vote to Tote“ werden die wetterfesten Planen zu Taschen vernäht. Seit dem Start im Mai 2022 wurden nach Angaben der Stadt mehr als 100 Tonnen Planen wiederverwendet.
An der Herstellung sind unter anderem Frauen in einer Haftanstalt beteiligt. Sie erhalten Schulungen im Nähen und in der Vermarktung der Produkte.
In der Provinz Iloilo werden ebenfalls alte Wahlplakate, Kunststoffreste und andere Materialien zu verkäuflichen Produkten verarbeitet.
Das Programm „Weave Out Waste“ richtet sich besonders an Gruppen, die nur eingeschränkten Zugang zu regulärer Beschäftigung haben. Sie erhalten Schulungen in Produktentwicklung, Prototypenbau und Verarbeitungstechniken.
Solche Projekte passen zu einer in vielen philippinischen Haushalten verbreiteten Kultur der Wiederverwendung.
Behälter werden weiter als Aufbewahrungsdosen genutzt, alte Kleidung wird zu Putzlappen oder Taschen verarbeitet, Fahrzeugteile erhalten neue Funktionen und Baumaterialien werden mehrfach eingesetzt.
Diese Kreativität entsteht häufig nicht nur aus Umweltbewusstsein.
Viele Familien, kleine Betriebe und Gemeinden können es sich nicht leisten, brauchbare Dinge vorschnell wegzuwerfen oder für jeden Zweck ein neues Produkt zu kaufen.
Knappes Geld fördert deshalb Improvisation, Reparatur und die Suche nach alternativen Verwendungen.
Diese Fähigkeit sollte jedoch nicht romantisiert werden.
Menschen verwenden Abfälle nicht zwangsläufig wieder, weil sie sich freiwillig für einen besonders nachhaltigen Lebensstil entschieden haben. Häufig fehlt schlicht das Geld für neue Möbel, Baumaterialien oder Haushaltsgegenstände.
Improvisation kann eine Stärke sein. Armut und unzureichende öffentliche Ausstattung bleiben trotzdem Probleme.
Auch Upcycling darf nicht dazu dienen, Unternehmen und Behörden aus ihrer Verantwortung zu entlassen.
Nicht jedes Abfallproblem lässt sich durch Taschen, Stühle oder Dekorationsgegenstände lösen. Die Menge neuer Verpackungen, Textilien, Elektrogeräte und Solarmodule wächst schneller, als kleine Projekte sie aufnehmen können.
Benötigt werden deshalb zusätzlich weniger Einwegprodukte, langlebigere Waren, Reparaturmöglichkeiten, funktionierende Sammelsysteme und industrielle Recyclinganlagen.
Bei Solarmodulen stellt sich diese Frage besonders frühzeitig.
Die Philippinen bauen Solarenergie stark aus. Ein großer Teil der heute installierten Anlagen wird erst in vielen Jahren das Ende seiner regulären Lebensdauer erreichen.
Dennoch fallen bereits jetzt beschädigte oder vorzeitig ausgemusterte Module an.
Die Provinz Iloilo hat deshalb 2026 erste Gespräche mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen über einen eigenen Entsorgungsplan für alte Solarmodule begonnen.
Das zeigt, dass die spätere Entsorgung zunehmend als eigenständige Aufgabe erkannt wird.
Citicores EcoLoop kann einen kleinen Teil dieser Module länger nutzbar machen und zugleich Schulen und Gemeinden unterstützen.
Zum vollständigen Kreislauf wird das Projekt aber erst, wenn das Unternehmen auch erklärt, was nach dem Ende dieser zweiten Nutzung mit den Modulen geschieht.
Dazu gehören eine dokumentierte Sicherheitsprüfung, eine nachvollziehbare Auswahl geeigneter Module und eine verbindliche Rücknahme oder fachgerechte Verwertung der später ausgemusterten Möbel.
Die 14 Tische in Bulacan sind mengenmäßig nur ein kleines Projekt.
Sie zeigen jedoch anschaulich, wie die Energiewende, Abfallvermeidung und die Ausstattung öffentlicher Schulen miteinander verbunden werden können.
Der eigentliche Wert der Initiative liegt deshalb nicht nur in den einzelnen Möbelstücken.
Sie kann zeigen, welche Materialien weiterverwendet werden können, welche Sicherheitsstandards dafür notwendig sind und wie Unternehmen bereits bei der Planung neuer Solaranlagen Verantwortung für deren späteres Ende übernehmen können. – Quelle: Citicore Renewable Energy Corporation, KamayManos PH, Philippine Information Agency, Umweltbehörden und Kommunalverwaltungen der Philippinen / RM







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