MINDANAO – Das Department of Environment and Natural Resources warnt vor verwilderten Hauskatzen im Mount Apo Natural Park. – klajoo.com – Die Tiere wurden bereits seit etwa 2016 in der Umgebung von Zeltplätzen und häufig genutzten Wanderwegen beobachtet.
Nach Einschätzung der Schutzgebietsverwaltung wurden sie zunächst vor allem durch Lebensmittelreste angelockt, die Bergsteiger und andere Besucher zurückließen.
Ein Teil der Katzen hält sich inzwischen offenbar dauerhaft im Schutzgebiet auf.
Damit werden aus ehemaligen Haustieren oder deren Nachkommen freilebende Räuber in einem besonders empfindlichen Ökosystem.
Hauskatzen sind keine natürlichen Bestandteile der philippinischen Bergwälder. Sie jagen unabhängig davon, ob sie ausreichend gefüttert werden.
Zu ihrer Beute können kleine Säugetiere, Vögel, Eidechsen, Frösche, Schlangen und andere Tiere gehören.
Gerade in den Philippinen ist das problematisch, weil zahlreiche Tierarten nur auf einzelnen Inseln, in bestimmten Gebirgen oder sogar in eng begrenzten Waldgebieten vorkommen.
Eine Tierart mit einem kleinen Verbreitungsgebiet kann bereits durch eine vergleichsweise geringe Zahl zusätzlicher Räuber unter erheblichen Druck geraten.
Der Mount Apo ist mit 2.954 Metern der höchste Berg der Philippinen. Das Schutzgebiet umfasst unterschiedliche Lebensräume von tiefer gelegenen Wäldern bis zu Berg- und Mooswäldern.
Dort leben zahlreiche einheimische und endemische Arten. Zu den bekanntesten gehört der vom Aussterben bedrohte Philippinenadler.
Es gibt bislang keinen veröffentlichten Nachweis, dass die Katzen am Mount Apo Philippinenadler oder deren Jungtiere angegriffen haben.
Der Adler steht deshalb nicht im Mittelpunkt der aktuellen Warnung.
Unmittelbar gefährdet sind eher kleinere Tiere, die Katzen tatsächlich überwältigen können. Dazu gehören bodenlebende Vögel, Jungvögel, Fledermäuse, Nagetiere, Reptilien und Amphibien.
Auch Arten, die nicht unmittelbar getötet werden, können beeinträchtigt werden. Katzen können Ruhe-, Brut- und Futterplätze verändern und Krankheiten in natürliche Tierpopulationen tragen.
Das Problem am Mount Apo ist auf den Philippinen nicht neu.
Im Mount Makiling Forest Reserve auf Luzon untersuchten Wissenschaftler freilaufende Hauskatzen mit GPS-Halsbändern.
Die Tiere bewegten sich weit in das Waldschutzgebiet hinein. Ihre durchschnittlichen Streifgebiete umfassten je nach Berechnung mehr als 50 beziehungsweise 80 Hektar.
Als Beute wurden unter anderem Eidechsen, Ratten und Fledermäuse dokumentiert. Ein Teil der gefangenen Tiere gehörte zu einheimischen oder ausschließlich auf den Philippinen vorkommenden Arten.
Die Untersuchung zeigt, dass Katzen nicht in der Nähe von Häusern oder Futterstellen bleiben müssen. Selbst regelmäßig gefütterte Tiere können große Waldflächen durchstreifen und dort jagen.
Auch auf Bohol wurden verwilderte Katzen in einem Schutzgebiet nachgewiesen.
Kamerafallen im Rajah Sikatuna Protected Landscape erfassten sie sowohl in durch Menschen veränderten Randbereichen als auch in natürlicheren Waldgebieten.
Dort überschnitten sich ihre Aktivitätszeiten und Aufenthaltsbereiche mit denen verschiedener möglicher Beutetiere.
Besonders anschaulich ist das Beispiel der Calayan-Insel im äußersten Norden der Philippinen.
Dort untersuchten Wissenschaftler, ob Hauskatzen eine Gefahr für die Calayan-Ralle darstellen.
Dieser flugunfähige Vogel kommt weltweit nur auf Calayan vor. Da er am Boden lebt und nicht wegfliegen kann, ist er gegenüber eingeführten Katzen besonders verletzlich.
Die Untersuchung stellte Überschneidungen zwischen den Aufenthaltsgebieten der Katzen und dem Lebensraum der Ralle fest. Die Tiere gelten deshalb als ein Faktor, der den Fortbestand der seltenen Vogelart gefährden kann.
Solche Probleme treten weltweit besonders häufig auf Inseln auf.
Viele Inselarten entwickelten sich über lange Zeit ohne Katzen oder vergleichbare kleine Raubtiere. Sie besitzen deshalb oft keine wirksamen Verhaltensweisen, um sich vor ihnen zu schützen.
Verwilderte Katzen werden international mit dem Rückgang und dem Aussterben zahlreicher Vogel-, Säugetier- und Reptilienarten in Verbindung gebracht.
Auf den Philippinen ist die Lage zusätzlich schwierig, weil keine vollständige staatliche Erfassung der Zahl verwilderter Katzen existiert.
Das Biodiversity Management Bureau erklärte bereits 2023, dass es keine landesweite staatliche Schätzung der Streunerkatzenpopulation gebe.
Damit fehlt eine wichtige Grundlage für die Bewertung, wie viele Tiere sich in oder nahe geschützter Gebiete bewegen.
Am Mount Apo fordert die Schutzgebietsverwaltung Besucher deshalb auf, Katzen nicht zu füttern und sämtliche Lebensmittelreste wieder mitzunehmen.
Das Füttern wirkt zunächst tierfreundlich, kann das Problem aber vergrößern.
Regelmäßige Futterquellen erhöhen die Überlebenschancen der Katzen, ziehen weitere Tiere an und ermöglichen die Bildung dauerhafter Populationen.
Werden die Futterstellen später nicht mehr versorgt, beginnen die Tiere nicht automatisch, das Gebiet zu verlassen. Sie können ihren Jagddruck auf Wildtiere sogar erhöhen.
Auch das Aussetzen unerwünschter Haustiere in der Nähe eines Waldes oder Schutzgebiets ist keine tierfreundliche Lösung.
Hauskatzen sind dort Krankheiten, Verletzungen, Hunger und Konflikten mit anderen Tieren ausgesetzt. Gleichzeitig können sie selbst erheblichen ökologischen Schaden verursachen.
Für die Behörden entsteht ein schwieriger Konflikt zwischen Tier- und Artenschutz.
Einfaches Töten der Tiere wäre gesellschaftlich umstritten und kann gegen Tierschutzvorgaben verstoßen.
Eine reine Fütterung ohne weitere Maßnahmen stabilisiert dagegen die Katzenpopulation und schützt die Wildtiere nicht.
Mögliche Lösungen sind das Einfangen, tierärztliche Untersuchen, Kastrieren und Vermitteln geeigneter Tiere.
Katzen, die nicht mehr an Menschen gewöhnt sind, lassen sich allerdings oft nur schwer in Haushalten unterbringen.
Kastrationsprogramme können die weitere Vermehrung verringern. Sie lösen aber nicht das unmittelbare Problem, dass bereits vorhandene Katzen weiterhin Wildtiere jagen.
In besonders sensiblen Bereichen kann deshalb eine dauerhafte Entfernung der Tiere notwendig sein.
Dafür müssten Behörden, Tierärzte, Tierschutzgruppen und wissenschaftliche Einrichtungen gemeinsam ein Verfahren entwickeln.
Parallel sollten Siedlungen und touristische Einrichtungen am Rand des Schutzgebiets in die Verantwortung einbezogen werden.
Dort müssen Abfälle katzensicher gelagert, Haustiere kastriert und Aussetzungen verhindert werden.
Auch eine Registrierung und Kennzeichnung von Hauskatzen könnte dabei helfen, Besitzer freilaufender oder ausgesetzter Tiere zu ermitteln.
Für den Mount Apo fehlen bislang öffentlich zugängliche Angaben darüber, wie viele Katzen im Schutzgebiet leben, wie weit sie sich ausgebreitet haben und welche Wildtiere bereits nachweislich erbeutet wurden.
Kamerafallen, Kotuntersuchungen und GPS-Überwachung könnten diese Fragen beantworten.
Erst auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, wie dringend und umfangreich ein Entnahmeprogramm sein muss.
Die Warnung des DENR ist deshalb mehr als ein Hinweis an Wanderer, keine Tiere zu füttern.
Sie zeigt, wie schnell ein scheinbar harmloses Haustier in einem empfindlichen Lebensraum zu einer Gefahr für seltene Arten werden kann. – Quelle: Department of Environment and Natural Resources, Philippine Information Agency sowie philippinische Untersuchungen zu freilebenden Katzen am Mount Makiling, auf Bohol und auf Calayan / RM







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