MANILA – Das Department of Environment and Natural Resources, Universitäten und internationale Naturschutzorganisationen haben den getöteten Meeresbiologen Kent Carpenter gewürdigt. – klajoo.com – Der US-amerikanische Wissenschaftler hatte über Jahrzehnte zur Erforschung der philippinischen Meere, zur weltweiten Erfassung von Fischarten und zum Schutz bedrohter mariner Lebensräume beigetragen.
Carpenter wurde 73 Jahre alt. Er wurde in seinem Haus in Sibulan in der Provinz Negros Oriental erschossen. Nach den bisherigen Ermittlungen gehen die Behörden von einem Raubüberfall aus. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen. Hinweise auf einen Zusammenhang mit seiner wissenschaftlichen oder politischen Tätigkeit liegen bislang nicht vor.
Seine Beziehung zu den Philippinen begann lange vor seiner späteren akademischen Karriere. Carpenter kam in den 1970er-Jahren als Freiwilliger des US Peace Corps in das Land. Dort beschäftigte er sich mit Fischerei, Korallenriffen und der großen Artenvielfalt der philippinischen Gewässer.
Später blieb er den Philippinen wissenschaftlich eng verbunden. Er arbeitete unter anderem mit der Silliman University in Dumaguete zusammen und war dort Research Associate. Zugleich lehrte und forschte er an der Old Dominion University in den Vereinigten Staaten, wo er Professor für Biowissenschaften und später Professor Emeritus war.
Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war die systematische Bestimmung und Beschreibung von Fischen und anderen Meeresorganismen. Solche taxonomische Arbeit ist die Grundlage dafür, Arten überhaupt erfassen, vergleichen und schützen zu können.
Carpenter war maßgeblich an FishBase beteiligt, einer weltweit genutzten wissenschaftlichen Datenbank über Fischarten. FishBase enthält Informationen zu Verbreitung, Lebensräumen, Körpermerkmalen, Ernährung, Fortpflanzung, Nutzung und Gefährdung von Zehntausenden Arten.
Er koordinierte außerdem die Erstellung umfangreicher Bestimmungswerke für wirtschaftlich und ökologisch wichtige Meeresarten. Diese helfen Wissenschaftlern, Fischereibehörden und Naturschutzorganisationen dabei, Arten korrekt zu identifizieren und Bestände zu bewerten.
Besondere Bedeutung hatte seine Forschung für das sogenannte Coral Triangle. Dieses Meeresgebiet umfasst Teile der Philippinen, Indonesiens, Malaysias, Papua-Neuguineas, der Salomonen und Timor-Lestes und gilt als weltweites Zentrum der marinen Artenvielfalt.
Carpenter gehörte zu den Wissenschaftlern, die zeigten, dass sich im zentralen philippinischen Raum ein außergewöhnlich hoher Anteil der weltweit bekannten küstennahen Meeresarten konzentriert. Die Philippinen werden deshalb häufig als Zentrum des Zentrums der marinen Biodiversität bezeichnet.
Diese Vielfalt ist zugleich stark gefährdet. Korallenriffe und Fischbestände leiden unter Überfischung, zerstörerischen Fangmethoden, Küstenbebauung, Verschmutzung, Erwärmung und Versauerung der Meere.
Carpenter arbeitete deshalb nicht nur an der Beschreibung von Arten, sondern auch an ihrer Gefährdungsbewertung. Er war an weltweiten Untersuchungen beteiligt, mit denen das Aussterberisiko von Rifffischen und anderen Meeresorganismen für die Rote Liste der International Union for Conservation of Nature bewertet wurde.
Solche Bewertungen sind mehr als wissenschaftliche Bestandsaufnahmen. Sie beeinflussen Schutzgebiete, Fischereiregeln, internationale Förderprogramme und die Prioritäten von Naturschutzorganisationen.
In den Philippinen wurde Carpenter auch durch seine Rolle im Schiedsverfahren zum Südchinesischen Meer bekannt. Die philippinische Regierung berief ihn als unabhängigen Sachverständigen für marine Biodiversität und Korallenriffe.
Er untersuchte, welche Schäden durch großflächige Aufschüttungen, künstliche Inselbauten und zerstörerische Fischereimethoden an Korallenriffen entstanden waren. Dabei ging es unter anderem um Mischief Reef, Fiery Cross Reef, Subi Reef und weitere Riffsysteme der Spratly Islands.
Carpenter legte dem Schiedsgericht schriftliche Gutachten vor und sagte 2015 während der Anhörungen aus. Seine Aufgabe bestand nicht darin, über staatliche Souveränitätsansprüche zu entscheiden. Er bewertete aus wissenschaftlicher Sicht den Zustand der Riffe und die Folgen menschlicher Eingriffe.
Die chinesischen Aufschüttungen wurden mit großen Schneidkopf-Saugbaggern durchgeführt. Dabei wurden Material und lebende Riffstrukturen abgetragen, zerkleinert und an anderer Stelle aufgeschüttet. Auf diese Weise entstanden künstliche Landflächen, auf denen später Startbahnen, Häfen und weitere Einrichtungen gebaut wurden.
Nach Carpenters Einschätzung gingen dadurch komplexe Korallenlebensräume verloren, deren natürliche Entstehung Jahrhunderte oder Jahrtausende dauert. Korallenriffe sind nicht nur Ansammlungen von Kalk. Sie bilden dreidimensionale Lebensräume für Fische, Muscheln, Krebstiere und zahlreiche weitere Arten.
Das Schiedsgericht stützte sich auf seine Arbeit und weitere wissenschaftliche Gutachten. Es kam zu dem Ergebnis, dass China durch großflächige Landgewinnung und den Bau künstlicher Inseln schwere und dauerhafte Schäden an der Meeresumwelt verursacht hatte.
Das Gericht stellte zudem fest, dass chinesische Behörden die schädliche Entnahme gefährdeter Arten durch chinesische Fischer nicht ausreichend verhindert hatten. Dazu gehörten unter anderem Riesenmuscheln und Meeresschildkröten.
Carpenters Beitrag war deshalb für einen Teil des Schiedsspruchs zentral: für die Frage, ob ein Staat seine Verpflichtung zum Schutz und zur Bewahrung der Meeresumwelt verletzt hatte.
Sein wissenschaftliches Vermächtnis reicht jedoch weit über das Verfahren hinaus. Über Jahrzehnte half er dabei, die biologische Vielfalt der philippinischen Meere zu erfassen und international sichtbar zu machen.
Seine Arbeit verband Grundlagenforschung, Fischereiwissenschaft und praktischen Naturschutz. Sie zeigte zugleich, dass die West Philippine Sea nicht nur wegen Schifffahrtswegen, Rohstoffen und staatlichen Ansprüchen umstritten ist. Die Region umfasst auch empfindliche Ökosysteme, deren Verlust weitgehend unumkehrbar sein kann.
Carpenter hielt sich zum Zeitpunkt seines Todes erneut für Forschungsarbeiten in Negros Oriental auf. Nach Angaben seiner Universität wollte er im September vollständig in den Ruhestand treten.
Sein Tod beendet eine mehr als fünf Jahrzehnte dauernde Verbindung zu den Philippinen. Die von ihm aufgebauten Datenbestände, wissenschaftlichen Werke und Schutzbewertungen werden jedoch weiterhin von Forschern, Behörden und Naturschutzorganisationen auf der ganzen Welt genutzt. – Quelle: Silliman University; Old Dominion University; DENR; Permanent Court of Arbitration / RM







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