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Philippinen steigen in obere mittlere Einkommensgruppe auf – was der Weltbank-Status bedeutet

MANILA – Die Philippinen werden von der Weltbank erstmals seit fast vier Jahrzehnten nicht mehr als Lower-Middle-Income Country, sondern als Upper-Middle-Income Country eingestuft. – klajoo.com – Grundlage ist die neue Länderklassifikation der Weltbank für den Zeitraum Juli 2026 bis Juni 2027.

Entscheidend ist dabei das GNI (Gross National Income / Bruttonationaleinkommen) pro Kopf. Nach Angaben der philippinischen Regierung und der Weltbank erreichten die Philippinen 2025 einen Wert von 4.850 US-Dollar. Damit überschritten sie den neuen Schwellenwert von 4.636 US-Dollar für die obere mittlere Einkommensgruppe. Die Philippinen verlassen damit eine Kategorie, in der sie seit 1987 geführt wurden.

Die Hochstufung ist ein wirtschaftlicher Meilenstein, aber sie ist zugleich erklärungsbedürftig. Der neue Status bedeutet nicht, dass die Mehrheit der Bevölkerung nun automatisch wohlhabend ist oder dass Armut, niedrige Löhne und regionale Ungleichheit verschwunden wären. Die Weltbank-Klassifikation beschreibt das durchschnittliche nationale Einkommen pro Kopf. Sie sagt wenig darüber aus, wie dieses Einkommen innerhalb des Landes verteilt ist.

Das ist gerade auf den Philippinen wichtig. Die Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren trotz Pandemie, Inflation und globaler Unsicherheiten vergleichsweise robust gewachsen. Die Weltbank verweist auf ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 5,8 Prozent pro Jahr über fünf Jahre hinweg. Dieses Wachstum sei nicht nur auf einen einzelnen Sektor zurückzuführen, sondern auf eine breitere Expansion über mehrere Wirtschaftsbereiche.

Anders als das Bruttoinlandsprodukt misst das Bruttonationaleinkommen nicht nur, was innerhalb des Landes produziert wird. Es berücksichtigt auch Einkommen philippinischer Staatsangehöriger und Unternehmen aus dem Ausland. Für die Philippinen ist das besonders bedeutsam, weil Millionen Overseas Filipino Workers regelmäßig Einkommen im Ausland erzielen und Geld an Familien im Heimatland überweisen. Auch diese internationale Dimension fließt in das nationale Einkommensbild ein.

Historisch ist der Schritt bemerkenswert. Seit der Einführung der Weltbank-Einkommensklassifikation Ende der 1980er-Jahre galten die Philippinen durchgehend als Land mit niedrigerem mittlerem Einkommen. In dieser Zeit haben andere südostasiatische Volkswirtschaften unterschiedliche Entwicklungspfade genommen. Singapur und Brunei gehören längst zur hohen Einkommensgruppe. Malaysia, Thailand und Indonesien werden bereits als Upper-Middle-Income Economies geführt. Mit Vietnam steigt nun ein weiteres dynamisches ASEAN-Land in diese Gruppe auf – gleichzeitig mit den Philippinen.

Damit verändert sich die Einordnung der Philippinen innerhalb Südostasiens. Das Land steht nicht mehr in derselben Weltbank-Einkommensgruppe wie Kambodscha, Laos, Myanmar oder Timor-Leste, sondern rückt formell näher an Indonesien, Thailand, Malaysia und Vietnam heran.

Besonders der gleichzeitige Aufstieg Vietnams ist wirtschaftspolitisch interessant. Vietnam wird international häufig als Beispiel für exportorientierte Industrialisierung, starke Einbindung in Lieferketten und hohe Dynamik im verarbeitenden Gewerbe genannt. Die Philippinen dagegen stützen sich stärker auf Dienstleistungen, privaten Konsum, Auslandsüberweisungen, BPO-Dienstleistungen und eine wachsende, aber regional ungleich verteilte Binnenwirtschaft.

Der neue Status kann praktische Folgen haben. Eine höhere Weltbank-Einkommensklassifikation kann das internationale Bild eines Landes verändern, Investorenvertrauen stärken und die Kreditwürdigkeit beeinflussen. Die philippinische Regierung erwartet, dass der Status mehr hochwertige Investitionen anziehen und bessere Arbeitsplätze fördern kann. Gleichzeitig kann ein höherer Einkommensstatus langfristig auch Auswirkungen auf Entwicklungsfinanzierung, Förderkonditionen und internationale Programme haben, weil Länder mit höherem Einkommen schrittweise anders behandelt werden als ärmere Volkswirtschaften.

Genau deshalb ist die Hochstufung nicht nur eine Erfolgsmeldung, sondern auch eine Messlatte. Ein Upper-Middle-Income Country steht stärker unter Erwartungsdruck: Die Wirtschaft muss produktiver werden, mehr formelle und besser bezahlte Arbeitsplätze schaffen, Bildung und Gesundheit verbessern, Infrastruktur ausbauen und die Widerstandsfähigkeit gegen Krisen stärken.

Die Philippinen sind besonders anfällig für Taifune, Überschwemmungen, Preisschocks und Einkommensausfälle. Für viele Haushalte kann ein einzelner Schicksalsschlag reichen, um sie wieder in Armut zu drücken. Der statistische Aufstieg ändert deshalb nicht automatisch die wirtschaftliche Verwundbarkeit vieler Familien.

Die Weltbank selbst hatte erst im Juni darauf hingewiesen, dass die Philippinen Armut bis 2040 weitgehend überwinden und eine überwiegend mittlere Gesellschaft werden könnten – allerdings nur mit konsequenten Reformen. Genannt wurden bessere Arbeitsplätze, stärkere soziale Absicherung, widerstandsfähigere Haushalte und bessere öffentliche Dienstleistungen. Die Armutsquote sei seit 2015 deutlich gesunken, doch ein großer Teil der Bevölkerung bleibe wirtschaftlich verletzlich.

Für Präsident Ferdinand Marcos Jr. ist die neue Einstufung politisch willkommen. Die Regierung sieht darin eine Bestätigung ihrer Wirtschaftspolitik, der makroökonomischen Stabilität und längerfristiger Reformen. Diese Einordnung ist nachvollziehbar, sollte aber nicht den Blick auf die Alltagsrealität verdecken. Entscheidend wird sein, ob der neue Status auch bei Familien, Arbeitnehmern, Kleinunternehmern, Landwirten und Menschen in ärmeren Provinzen ankommt.

Der Aufstieg in die obere mittlere Einkommensgruppe ist damit ein wichtiger Schritt, aber kein Zielpunkt. Für die Philippinen beginnt nun die schwierigere Phase: Aus statistischem Fortschritt muss spürbare wirtschaftliche Sicherheit werden. Im Vergleich mit Südostasiens stärkeren Volkswirtschaften wird sich zeigen, ob das Land den neuen Status nutzen kann, um Produktivität, Investitionen, gute Arbeit und soziale Stabilität dauerhaft zu verbessern. – Quelle: Weltbank/RM

Grafik: Weltweit nach Einkommen, von 1987 bis 2025 ► https://datatopics.worldbank.org/world-development-indicators/the-world-by-income-and-region.html

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