CEBU – Die philippinischen Sicherheitsbehörden warnen vor einer möglichen Anwerbung Minderjähriger durch die Gruppe True Brown Style (TBS). – klajoo.com – Innenminister Jonvic Remulla erklärte am 15. Oktober bei einem Besuch in Cebu, die Behörden hätten Mitglieder der Gruppe in der Provinz identifiziert und Informationen über sie gesammelt. Nach seiner Darstellung sollen Jugendliche teilweise zu Diebstählen oder anderen Straftaten im Zusammenhang mit Aufnahmeritualen gedrängt werden. Die regionale Polizei bestätigte diese Vorwürfe zunächst ausdrücklich nicht als nachgewiesene örtliche Fälle.
Das Police Regional Office 7 (PRO 7) erklärte am 16. Oktober, es liege aus Central Visayas bislang kein registrierter Fall vor, in dem TBS-Mitglieder als Täter eindeutig festgestellt worden seien. Auch Fälle, in denen betroffene Minderjährige sich selbst als TBS-Mitglieder bezeichnet hätten, seien dort nicht aktenkundig. Zwar gebe es Berichte über Schlägereien Jugendlicher in Cebu City, etwa in Basak Pardo und an der Imus Road. Eine TBS-Zugehörigkeit der Beteiligten sei aber nicht bestätigt.
Die Polizei hat ihre örtlichen Dienststellen deshalb zu einer verstärkten Überprüfung der Hinweise und zur Beobachtung möglicher Anwerbung über das Internet aufgefordert. Der Unterschied ist wesentlich: Ein vom Ministerium geäußerter Verdacht und die Identifizierung mutmaßlicher Mitglieder belegen noch keine konkrete Straftat dieser Personen in Cebu.
Woher kommt True Brown Style?
Bei der Entstehungsgeschichte liegen widersprüchliche Darstellungen vor. Innenminister Remulla verortete die Wurzeln von TBS etwa 35 Jahre zurück in Kalifornien in den Vereinigten Staaten. Von dort sei die Gruppe ungefähr 25 Jahre zuvor auf die Philippinen gelangt.
Eine unabhängige Dokumentation dieser konkreten Gründungs- und Wanderungsgeschichte liegt in den bisher geprüften Quellen nicht vor.
Die Organisation TBS Worldwide hat dagegen eine eigene, davon abweichende Chronologie veröffentlicht. Nach ihrer Darstellung entstand 1991 auf den Philippinen die Gruppe True Blunt Systah in der Hip-Hop- und Straßenszene. 1993 folgte eine als Original Hiphop Posse Brotherhood (OHPB) bezeichnete Gruppierung. 1994 hätten sich Vertreter beider Zusammenschlüsse auf eine Zusammenarbeit geeinigt und daraus True Brown Style 13 gebildet. Der Zusatz „13“ ist Teil der von der Gruppe verwendeten historischen Eigenbezeichnung.
Nach dieser Selbstbeschreibung wurde 1995 eine feste Führung vereinbart; in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre geriet die Gruppe zunehmend mit Gewalt und Straftaten in Verbindung. Mitglieder hätten in den frühen 2000er-Jahren begonnen, die eigene Ausrichtung infrage zu stellen. Später folgte die Umbenennung zu True Brown Style Worldwide, verbunden mit dem Anspruch, gemeinschaftliche und wohltätige Aktivitäten zu fördern. Die Jahreszahlen und internen Vorgänge beruhen weitgehend auf den Angaben der Organisation selbst und sind keine unabhängig geprüfte vollständige Vereins- oder Kriminalgeschichte.
Die Gemeinsamkeit der Versionen liegt darin, dass TBS längst über einen eng begrenzten Freundeskreis hinausgewachsen ist. Offen bleibt, ob die heute von Behörden ins Visier genommenen örtlichen Gruppen organisatorisch überall derselben Leitung folgen, dieselben Aufnahmerituale anwenden oder lediglich einen gemeinsamen Namen nutzen. Remulla sprach von einer Verbreitung in zahlreichen Provinzen. Diese pauschale Reichweitenangabe ist nicht gleichzusetzen mit dem Nachweis, dass jede lokale Gruppe Straftaten begeht.
Zwei konkurrierende Deutungen
Das Department of the Interior and Local Government (DILG) bezeichnet die angeblichen Wohltätigkeitsaktionen der Gruppe als ungeeignet, mutmaßliche Straftaten zu entschuldigen. TBS Worldwide weist dagegen eine pauschale Kriminalisierung aller Mitglieder zurück und erklärt, darunter seien auch Eltern, Beschäftigte und Menschen, die sich an sozialen Projekten beteiligten. Für eine belastbare Bewertung sind konkrete Tatvorwürfe, Täter und Beweismittel wichtiger als die Zugehörigkeit zu einer großen, unterschiedlich organisierten Szene.
Für Eltern, Schulen und Jugendhilfe stellt sich vor allem die Frage, ob einzelne Jugendliche tatsächlich durch sozialen Druck, Onlinekontakte oder Rituale zu Straftaten verleitet werden. Wer Warnzeichen erkennt, sollte konkrete Vorfälle mit Ort, Zeitpunkt und verfügbaren Belegen an die zuständigen Behörden melden. Die bloße Verwendung von Musik, Kleidung, Abkürzungen oder Symbolen kann dagegen keine Straftat beweisen.
Die Vorgänge in Cebu sind nicht mit den jüngst bekannt gewordenen Fällen mutmaßlicher sexueller Ausbeutung von Frauen und Mädchen in Cebu City und Lapu-Lapu City gleichzusetzen. Für eine Verbindung zwischen diesen Ermittlungen und True Brown Style gibt es bislang keinen belastbaren Nachweis. Für die weitere Berichterstattung wird entscheidend sein, ob die Regionalpolizei aus ihrer Prüfung konkrete Ermittlungsverfahren oder bestätigte Fälle bekannt gibt. – RM
Quellen:
- SunStar Cebu – PRO 7 steps up monitoring of TBS in Cebu, 16.10.2026
- GMA News – TIMELINE: How TBS ‘evolved’ through the years, 02.10.2026
- GMA News – EXPLAINER: Where did the TBS gang come from?, 30.09.2026
- Department of the Interior and Local Government / Philippine Information Agency – Remulla: TBS charity ploy cannot hide criminal acts, 02.10.2026
- StreetGangs.com – TRUE BROWN STYLE 13 / The True Origin of True Brown Style 13, Eigenbericht der Szene, Abruf 16.10.2026







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