MANILA – Cesar E.A. Virata, langjähriger Finanzminister und von 1981 bis 1986 Premierminister der Philippinen unter Ferdinand Marcos Sr., ist am Freitag im Alter von 95 Jahren gestorben. – klajoo.com – Virata war einer der einflussreichsten Wirtschaftstechnokraten der Marcos-Ära und blieb 16 Jahre an der Spitze des Finanzressorts. Seine Rolle lässt sich jedoch nicht sinnvoll auf die einfache Frage reduzieren, ob er ein typischer Marcos-Crony war.
Virata gehörte eindeutig zum privilegierten Machtzentrum des Regimes. Er leitete die wirtschaftspolitische Technokratenfraktion, hatte direkten Zugang zu Marcos und kontrollierte beziehungsweise beeinflusste zentrale Bereiche der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Seine internationalen Kontakte zur Weltbank und zum Internationalen Währungsfonds machten ihn für die Regierung besonders wichtig, weil die Philippinen auf ausländische Kredite angewiesen waren. In diesem Sinn war er kein unbeteiligter Beamter am Rand der Diktatur, sondern Teil ihrer Führungselite.
Die historische Forschung unterscheidet seine Gruppe allerdings von den sogenannten chief cronies, die unter Marcos staatlich geschützte Monopole und Unternehmen kontrollierten und persönlich stark von der Nähe zum Präsidenten profitierten. Besonders häufig genannt werden Roberto Benedicto im Zuckersektor und Eduardo ‘Danding’ Cojuangco im Kokosbereich. Studien über die Marcos-Technokratie beschreiben Viratas Netzwerk teilweise sogar als Gegengewicht zu solchen Monopolen. Virata wandte sich etwa gegen Teile des Kokosabgabensystems und konnte nach eigener Darstellung in die Interessen der mächtigsten Cronies kaum eingreifen.
Das entlastet die Technokraten nicht automatisch von politischer Verantwortung. Viratas Wirtschaftsgruppe half, das Marcos-System funktionsfähig zu halten, verhandelte internationale Kredite und unterstützte eine export- und investorenorientierte Wirtschaftspolitik, während unter dem Regime zugleich Korruption, Monopolbildung und massive Menschenrechtsverletzungen stattfanden. Forschung zur Technokratie weist zudem darauf hin, dass ihre wirtschaftspolitischen Konzepte häufig den Interessen großer Unternehmen näherstanden als denen armer Bevölkerungsgruppen.
Nach dem Ende der Marcos-Herrschaft geriet Virata auch selbst in ein Verfahren zur Rückgewinnung angeblich unrechtmäßig erworbenen Vermögens. Die Presidential Commission on Good Government nahm ihn zusammen mit zahlreichen weiteren Personen in eine Klage auf. Vorgeworfen wurde ihm unter anderem eine Mitwirkung an staatlichen Entscheidungen zugunsten mit dem Marcos-Umfeld verbundener Unternehmen sowie eine Rolle bei sogenannten behest loans.
Der Supreme Court ordnete 1997 an, die Klage gegen Virata abzuweisen. Entscheidend war dabei ein Verfahrensproblem: Die Regierung hatte die Vorwürfe trotz gerichtlicher Aufforderung nicht ausreichend konkretisiert, sodass Virata sich nach Auffassung des Gerichts nicht angemessen dagegen verteidigen konnte. Die Entscheidung war deshalb keine umfassende gerichtliche Feststellung, dass alle historischen Vorwürfe gegen ihn sachlich widerlegt waren. Ebenso wäre es falsch, ihn aufgrund der damaligen Klage pauschal als persönlich überführten Plünderer zu bezeichnen.
Damit bleibt ein differenziertes Bild: Virata war Teil der privilegierten technokratischen Machtelite und trug über viele Jahre zentrale Verantwortung für die Wirtschafts- und Finanzpolitik des Marcos-Regimes. Zugleich wird er in der Forschung nicht ohne Weiteres derselben Gruppe zugerechnet wie die klassischen Cronies, die sich über Monopole und persönliche Bereicherung auszeichneten. Wer seine Rolle historisch einordnet, muss deshalb sowohl seine Nähe zum Regime als auch die Konflikte zwischen Technokraten und Crony-Netzwerken berücksichtigen. – RM
Quellen:
- GMA News – Cesar Virata dies at 95
- Teresa S. Encarnacion Tadem – Social Capital and the Martial Law Technocracy
- Southeast Asian Studies – The Rise and Fall of Virata’s Network
- Supreme Court E-Library – Virata v. Sandiganbayan, G.R. No. 114331







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