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Manila

Fitch sieht langsameren Defizitabbau – zusätzlicher Gegenwind für Wachstum und Peso möglich

MANILA – Die Philippinen wollen ihr Haushaltsdefizit in den kommenden Jahren langsamer zurückführen als bislang geplant. Fitch Ratings wertet den Haushaltsentwurf für 2027 als Zeichen einer „moderat langsameren“ Haushaltskonsolidierung. – klajoo.com – Nach Einschätzung der Ratingagentur wird die Stabilisierung der Staatsschulden damit stärker davon abhängen, dass sich Wirtschaftswachstum und Investitionen wieder erholen.

Die Regierung hat ihr Defizitziel für 2026 von 5,3 auf 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angehoben. Für 2027 werden nun 5,1 Prozent angestrebt; im vorherigen mittelfristigen Finanzrahmen waren 4,8 Prozent vorgesehen. Auch für 2030 wurde das Ziel von 3,1 auf 3,5 Prozent ausgeweitet.

Fitch verweist zugleich auf deutlich veränderte Rahmenbedingungen hinter diesen Zahlen. Die erwarteten Staatseinnahmen sollen mittelfristig im Durchschnitt nur noch rund 15,5 Prozent des BIP erreichen, statt zuvor rund 16,5 Prozent. Gleichzeitig wurde die geplante zentrale Infrastrukturfinanzierung auf etwa vier Prozent des BIP reduziert – rund einen Prozentpunkt weniger als im früheren Programm.

Weniger Infrastruktur kann den Defizitdruck mindern – aber auch das Wachstum bremsen

Der niedrigere Infrastrukturpfad ist zweischneidig. Kurzfristig reduziert weniger staatliche Bautätigkeit den Finanzierungsbedarf des Staates. Mittelfristig können geringere Investitionen in Verkehrswege, Energieversorgung und andere Infrastruktur jedoch das Wachstumspotenzial schwächen. Fitch hält es für möglich, dass öffentlich-private Partnerschaften und Investitionen lokaler Gebietskörperschaften einen Teil der Lücke auffangen. Wie groß dieser Effekt tatsächlich wird, ist aber noch offen.

Damit entsteht ein Spannungsfeld: Ein langsamerer Defizitabbau soll der Wirtschaft mehr Spielraum lassen, während gleichzeitig geringere staatliche Infrastrukturinvestitionen einen wichtigen Wachstumsmotor schwächen könnten. Fitch betont deshalb, dass die Entwicklung des philippinischen „BBB“-Ratings zunehmend davon abhängt, wie stark Wachstum und Investitionen nach dem schwachen zweiten Quartal wieder anziehen.

Was bedeutet das für den Peso gegenüber dem Euro?

Für Leser aus dem Euroraum ist entscheidend, wie sich diese Entwicklung auf EUR/PHP auswirken könnte. Ein höheres Haushaltsdefizit führt nicht automatisch zu einer sofortigen Abwertung des Peso. Wenn Investoren jedoch den Eindruck gewinnen, dass die Schuldenquote schwieriger zu stabilisieren ist, das Wachstum schwächer bleibt oder sich die Aussichten für das Kreditrating verschlechtern, können Kapitalzuflüsse gebremst werden. Das würde den Peso tendenziell belasten – auch gegenüber dem Euro.

Der Peso hat gegenüber dem Euro zuletzt bereits deutlich nachgegeben. Nach den Referenzkursen der Europäischen Zentralbank stieg der Kurs von 70,367 Peso je Euro am 31. Juli auf 72,136 Peso je Euro am 21. August. Ein Euro brachte damit innerhalb von rund drei Wochen etwa 2,5 Prozent mehr Peso.

Diese Entwicklung lässt sich allerdings nicht allein mit der Lage auf den Philippinen erklären. Der EUR/PHP-Kurs wird sowohl vom Peso als auch vom Verhältnis zwischen Euro und US-Dollar beeinflusst. Ein stärkerer Euro kann den EUR/PHP-Kurs auch dann steigen lassen, wenn sich der Peso gegenüber dem Dollar nur wenig verändert. Deshalb ist die aktuelle Fitch-Einschätzung eher ein zusätzlicher Risikofaktor als die alleinige Erklärung für die jüngste Bewegung.

Regierung rechnet selbst mit schwächerem Peso

Das Development Budget Coordination Committee (DBCC) hat seine Wechselkursannahme für 2026 bis 2030 bereits auf 60 bis 62 Peso je US-Dollar angehoben. Ende 2025 war für diesen Zeitraum noch mit 58 bis 60 Peso gerechnet worden. Eine offizielle EUR/PHP-Prognose veröffentlicht die Regierung nicht.

Zur Einordnung für europäische Leser: Bei einem unveränderten Euro-Dollar-Verhältnis von ungefähr 1,17 US-Dollar je Euro würde die staatliche Bandbreite von 60 bis 62 Peso je US-Dollar rechnerisch etwa 70,2 bis 72,5 Peso je Euro entsprechen. Das ist keine offizielle Prognose für EUR/PHP, zeigt aber, dass der aktuelle Euro-Kurs von gut 72 Peso bereits nahe am oberen Ende einer solchen rechnerischen Bandbreite liegt.

Zahlungsbilanz bleibt zusätzlicher Belastungsfaktor

Neben der Fiskalpolitik bleibt die außenwirtschaftliche Lage wichtig. Die philippinische Zahlungsbilanz wies für Juli ein Defizit von 1,5 Milliarden US-Dollar aus; von Januar bis Juli summierte sich das Minus auf 5,3 Milliarden US-Dollar. Die Währungsreserven gingen Ende Juli auf 103,3 Milliarden US-Dollar zurück. Die Bangko Sentral ng Pilipinas bewertet diese Reserven weiterhin als ausreichend – sie decken etwa 6,7 Monate an Importen und weiteren Auslandszahlungen.

Für den Peso bedeutet das: Solange die Philippinen viel Energie und andere Güter importieren und zugleich Kapitalabflüsse auftreten, bleibt der Bedarf an Fremdwährung hoch. Öl wird international überwiegend in US-Dollar abgerechnet; deshalb bleibt der Dollar für die unmittelbare Marktmechanik wichtig, auch wenn für europäische klajoo-Leser EUR/PHP die relevantere Vergleichsgröße ist.

Kein automatischer Absturz – aber mehr Gegenwind

Aus der Fitch-Einschätzung lässt sich deshalb kein bestimmter künftiger EUR/PHP-Kurs ableiten. Ein langsamerer Defizitabbau ist für sich genommen kein Signal für einen plötzlichen Peso-Absturz. Er erhöht jedoch den Druck, Wachstum und Investitionen wieder deutlich zu beleben. Bleiben Wachstum, Investitionen und Kapitalzuflüsse schwach, während Defizite und Importkosten hoch bleiben, steigt das Risiko einer weiteren Peso-Schwäche.

Für Euro-Leser wäre das zunächst positiv: Ein schwächerer Peso bedeutet mehr Peso für einen Euro. Für die philippinische Wirtschaft hat dieselbe Entwicklung jedoch eine Kehrseite, weil importierte Energie, Maschinen und andere in Fremdwährung bezahlte Güter teurer werden können. Dadurch kann eine Peso-Abwertung wiederum die Inflation erhöhen und den Spielraum der Zentralbank einschränken.

Kurzfristig dürften Ölpreise, die Geldpolitik der Bangko Sentral ng Pilipinas, Kapitalbewegungen, die Zahlungsbilanz und die Entwicklung des Euro gegenüber dem US-Dollar den EUR/PHP-Kurs stärker beeinflussen als die Fitch-Einschätzung allein. Mittelfristig wird jedoch entscheidend sein, ob die Regierung trotz höherer Defizite genügend Investitionen und Wachstum erzeugen kann, um die Staatsverschuldung zu stabilisieren. – RM

Quellen:

  • The Philippine Star – Fitch sees slower Philippines fiscal consolidation
  • Department of Budget and Management – 193rd DBCC Statement on the Review of the Medium-Term Macroeconomic Assumptions and Fiscal Program for FY 2026 to 2030
  • Europäische Zentralbank – Euro reference exchange rate: Philippine peso
  • Philippine News Agency – BSP: Gross int’l reserves healthy amid BOP deficit in July

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