MANILA – Wer Assassin’s Creed, Cyberpunk 2077, The Last of Us oder Diablo IV gespielt hat, dürfte kaum darüber nachgedacht haben, ob ein Teil der Arbeit an diesen Spielen auf den Philippinen entstanden ist. – klajoo.com – Tatsächlich sind philippinische Entwickler und Grafikspezialisten seit Jahren an international bekannten Großproduktionen beteiligt. Gleichzeitig wächst eine zweite Seite der Branche: kleine Studios, die nicht mehr nur für ausländische Auftraggeber arbeiten, sondern eigene Spiele entwickeln und weltweit vermarkten wollen.
Wie groß die philippinische Spieleentwickler-Szene heute genau ist, lässt sich allerdings nicht seriös mit einer einzigen Beschäftigten- oder Studiozahl beantworten. Aktuelle umfassende amtliche Zahlen fehlen. Die Game Developers Association of the Philippines (GDAP) zählt nach Angaben der Philippine GameDev Expo mehr als 130 Mitglieder. Darunter befinden sich jedoch nicht nur Entwicklerunternehmen, sondern auch Vertreter aus Hochschulen und anderen Bereichen der Spieleindustrie. Die Zahl darf deshalb nicht mit 130 Studios gleichgesetzt werden.
Philippinische Entwickler hinter internationalen Großproduktionen
Besonders sichtbar wird die internationale Vernetzung bei Ubisoft Philippines. Das Studio in Taguig besteht seit 2016 und feiert 2026 sein zehnjähriges Bestehen. Mit Assassin’s Creed Black Flag Resynced war das philippinische Team inzwischen an seinem 13. sogenannten AAA-Projekt beteiligt. Als AAA werden aufwendig produzierte Spiele großer Studios und Publisher mit entsprechend hohen Entwicklungs- und Vermarktungsbudgets bezeichnet.
Bei Black Flag Resynced beschränkte sich die Arbeit in den Philippinen nicht auf einfache Zuarbeiten. Ubisoft Philippines übernahm unter anderem Verantwortung für zentrale Spielbereiche, Schauplätze und Missionen. Dazu gehörten Teile von Kingston, Port Royale und Long Bay sowie Spielmechaniken rund um Festungen und die Jagd auf See. Das Projekt wurde gemeinsam mit Ubisoft Singapore als führendem Studio und Teams an zahlreichen weiteren Standorten von Montreal und Barcelona bis Shanghai und Chengdu entwickelt. Für Ubisoft Philippines war es bereits das achte Projekt innerhalb der Assassin’s-Creed-Reihe.
Ein weiteres Beispiel ist das in Manila gegründete Unternehmen Secret 6. Das Studio arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten für internationale Spieleentwickler und konzentriert sich unter anderem auf 3D-Grafik und visuelle Entwicklung. Nach eigenen Angaben war Secret 6 an Titeln wie The Last of Us, Uncharted, Diablo IV, Cyberpunk 2077, Lords of the Fallen und der iOS-Version von Hades beteiligt.
Damit ist ein Teil der philippinischen Spieleindustrie bereits tief in internationale Produktionsketten eingebunden. Ähnlich wie bei anderen Bereichen der philippinischen IT- und Dienstleistungswirtschaft entsteht ein Teil der Wertschöpfung im Land, während Marke, Finanzierung, Vertrieb und häufig auch die kreative Gesamtleitung bei internationalen Auftraggebern liegen.
Die zweite Säule: eigene Spiele statt Auftragsarbeit
Parallel dazu versucht eine wachsende Indie-Szene, eigene Ideen und damit auch eigenes geistiges Eigentum auf den internationalen Markt zu bringen.
Ein bereits international veröffentlichtes Beispiel ist Until Then des philippinischen Studios Polychroma Games. Das Adventure spielt in einer von philippinischen Orten und Kultur geprägten Welt und wurde vom internationalen Publisher Maximum Entertainment veröffentlicht. Das Spiel erschien zunächst für PC und PlayStation 5 und später auch für Nintendo Switch; Polychroma Games bezeichnet sich selbst als unabhängiges Studio mit Sitz auf den Philippinen.
Gerade solche Projekte unterscheiden sich wirtschaftlich von der Arbeit als Dienstleister. Wer Grafiken, Programmierung oder Qualitätssicherung für einen ausländischen Auftraggeber liefert, erhält Einnahmen für diese Leistung. Wer dagegen ein eigenes erfolgreiches Spiel entwickelt, kann zusätzlich an Marke, Fortsetzungen, Lizenzen und langfristigen Verkäufen verdienen – trägt allerdings auch erheblich mehr Entwicklungs- und Vermarktungsrisiko.
Wie breit die Basis inzwischen geworden ist, zeigte die Philippine GameDev Expo (PGDX) 2026 in Manila. Nach Berichten von der Messe wurden dort mehr als 160 Indie-Spiele philippinischer Entwickler gezeigt. Zum Vergleich: Die Veranstalter hatten für die PGDX 2025 noch 124 Indie-Spiele ausgewiesen. Die Zahlen sind keine Statistik über die Anzahl aktiver Studios, zeigen aber, wie viele eigene Projekte mittlerweile gleichzeitig entwickelt oder präsentiert werden.
Unter den aktuellen Projekten finden sich ungewöhnliche Ansätze. Das philippinische ShockProf Studios entwickelt beispielsweise Puff Odyssey. Bei dem Mobilspiel werden virtuelle Kreaturen über Fotos in der eigenen Bildergalerie entdeckt und gesammelt. Das Spiel ging im Mai 2026 zunächst im Early Access in den Google Play Store.
Andere Teams verbinden bekannte Spielprinzipien mit eigener Gestaltung und Geschichte. Entscheidend ist dabei weniger, ob jedes dieser Projekte später kommerziell erfolgreich wird. Eine lebendige Indie-Szene braucht viele Versuche, weil nur ein kleiner Teil unabhängiger Spiele dauerhaft ein internationales Publikum erreicht.
Von Köln bis Shanghai
Dass philippinische Entwickler zunehmend systematisch im Ausland nach Geschäftspartnern suchen, zeigt die Präsenz auf internationalen Branchenmessen.
Bei der Gamescom 2025 in Köln meldete die philippinische Delegation bestätigte und potenzielle Geschäfte im Umfang von insgesamt rund 4,87 Millionen US-Dollar. Dabei ging es unter anderem um mögliche Publishing-Verträge, Entwicklungsaufträge und Koproduktionen. Gespräche wurden mit Unternehmen und Investoren aus Europa, Japan, Südkorea, den USA sowie dem Nahen Osten und Nordafrika geführt.
Ende Juli und Anfang August 2026 folgte eine philippinische Delegation zur ChinaJoy in Shanghai, einer der großen asiatischen Veranstaltungen für digitale Unterhaltung. Sieben Unternehmen und Studios – Buko Studios, Cadre Creative Labs, GameOps, HPL Gamedesign, Monstronauts, Neun Farben und Storbetano – nahmen daran teil. Die Philippine News Agency berichtete anschließend von Interesse internationaler Unternehmen an Kooperationen mit den philippinischen Teilnehmern.
Solche Messeauftritte erfüllen für kleine Entwickler eine Funktion, die für die eigentliche Programmierung eines Spiels leicht unterschätzt wird: Sie bringen Studios mit Publishern, Investoren, Auftragskunden und Vertriebspartnern zusammen. Ein technisch gutes Spiel verkauft sich international nicht automatisch. Finanzierung, Vermarktung, Übersetzung, Zahlungsabwicklung und Zugang zu den großen Plattformen können für kleine Entwickler ebenso entscheidend sein wie das Spiel selbst.
Neue Partnerschaft soll Zugang zum Weltmarkt erleichtern
Genau an dieser Stelle setzt eine Anfang August bekannt gewordene Kooperation zwischen der GDAP, dem Export Marketing Bureau des philippinischen Department of Trade and Industry und dem internationalen Spiele-Commerce-Unternehmen Xsolla an.
Die Partner wollen philippinischen Entwicklern unter anderem Mentoring, Schulungen und Unterstützung bei Veröffentlichung und Monetarisierung anbieten. Dazu sollen auch Kontakte und Instrumente gehören, die kleinen Studios den weltweiten Vertrieb ihrer Spiele erleichtern. Die Programme richten sich ausdrücklich sowohl an junge Indie-Entwickler als auch an bereits etablierte Publisher, die international wachsen wollen.
Das ist für die weitere Entwicklung der Branche ein wichtiger Punkt. Programmierer, Grafiker und Designer können technisch auf internationalem Niveau arbeiten – der Aufbau eines eigenen Spieleunternehmens verlangt jedoch zusätzliche Kompetenzen. Dazu gehören Finanzierung, Projektmanagement, internationale Verträge, Marketing, Vertrieb und die Fähigkeit, nach einer Veröffentlichung über Jahre eine Spielergemeinschaft aufzubauen.
Von der verlängerten Werkbank zur eigenen Marke
Die philippinische Spieleindustrie steht deshalb in gewisser Weise zwischen zwei Entwicklungsstufen.
Als internationaler Dienstleistungs- und Co-Development-Standort ist sie bereits etabliert. Die Beteiligung philippinischer Teams an großen internationalen Produktionen zeigt, dass im Land Fachwissen für technisch und organisatorisch anspruchsvolle Projekte vorhanden ist. Dass ein Studio wie Ubisoft Philippines inzwischen Verantwortung für komplette Spielbereiche eines internationalen AAA-Titels übernimmt, geht deutlich über einfache ausgelagerte Routinearbeiten hinaus.
Weniger weit entwickelt ist bislang die internationale Wahrnehmung eigener philippinischer Spielemarken. Zwar zeigen Titel wie Until Then, dass ein Spiel mit eindeutig philippinischem Hintergrund über einen internationalen Publisher weltweit vertrieben werden kann. Die Zahl global bekannter Spiele, die unmittelbar mit den Philippinen als Entwicklungsland verbunden werden, bleibt jedoch deutlich kleiner als die Zahl internationaler Produktionen, an denen philippinische Fachkräfte im Hintergrund mitarbeiten.
Das ist keine ungewöhnliche Entwicklungsstufe. Auftragsarbeit bietet Studios regelmäßiger Einnahmen und ermöglicht Teams, technische Erfahrung an großen Produktionen zu sammeln. Eigene Spiele bieten dagegen die Chance auf größere langfristige Wertschöpfung, sind aber wesentlich riskanter: Entwicklungskosten entstehen über Monate oder Jahre, während sich erst nach Veröffentlichung zeigt, ob genügend Spieler das Produkt kaufen.
Eine Szene, deren Größe schwer zu messen ist
Gerade deshalb sollte die Größe der Branche nicht allein an einzelnen Messezahlen oder Verbandsmitgliedschaften gemessen werden. Zur philippinischen Szene gehören große internationale Studios, lokale Entwicklungsfirmen, spezialisierte Dienstleister, kleine Indie-Teams, einzelne Entwickler und Hochschulen, die Nachwuchs ausbilden. Eine aktuelle, einheitliche Statistik, die diese Gruppen vollständig erfasst, liegt nicht vor.
Die vorhandenen Indikatoren zeigen dennoch eine zunehmend dichte Struktur: mehr als 130 GDAP-Mitglieder aus Wirtschaft und Hochschulbereich, eine Philippine GameDev Expo mit einer dreistelligen Zahl eigener Indie-Projekte, Geschäftsreisen zu den wichtigsten internationalen Branchenmessen und philippinische Teams, die seit Jahren an einigen der weltweit bekanntesten Spiele mitarbeiten.
Die nächste Entwicklungsstufe entscheidet sich deshalb vermutlich weniger an der Frage, ob Filipinos international konkurrenzfähig Spiele entwickeln können. Dafür gibt es inzwischen genügend Beispiele. Spannender ist, wie oft aus diesem Können künftig Unternehmen entstehen, die nicht nur Entwicklungsleistungen exportieren, sondern ihre eigenen Spiele, Figuren und Marken weltweit verkaufen.
Die philippinische Spieleindustrie ist international also längst angekommen – bislang nur häufig unter dem Namen eines anderen Unternehmens. Die wachsende Indie-Szene versucht nun, dafür zu sorgen, dass künftig auch der Name des philippinischen Studios auf der Verpackung steht.
Quellen: Game Developers Association of the Philippines/Philippine GameDev Expo; Ubisoft; Secret 6; Polychroma Games/Maximum Entertainment; Department of Trade and Industry – Export Marketing Bureau; Philippine News Agency; Xsolla; Inquirer Technology. RM







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