Heiko Eckard – Dienstag, 14. September 2021 – Das Grosze Ganze – Da die Blaetter heute frueh nur Themen aufwaermen, die wir zur Genuege kennen, konzentriere ich mich auf eine Meldung von “Associated Press”, welche die “Times” gestern unter der Ueberschrift “World moving in the wrong direction – UN” brachte.
Der erste Frage – Was waere, wenn morgen die Sonne im Westen aufgeht? Antwort: Man muesste alle Sonnenuhren in den Gaerten umstellen – ist grober Unfug. Um mit Fug darueber sprechen zu koennen, zitiere ich daher den Artikel der “Times” ganz in der Uebersetzung von DeepL:
“ UNITED NATIONS: Der Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN), Antonio Guterres, warnte eindringlich, die Welt bewege sich in die falsche Richtung und stehe vor einem „entscheidenden Moment (pivotal Moment)“, an dem die Fortsetzung des „business as usual“ zu einem Zusammenbruch der globalen Ordnung und einer Zukunft mit ständigen Krisen führen könnte. Ein Kurswechsel könnte einen Durchbruch zu einer grüneren und sichereren Zukunft bedeuten, sagte er.
“ Der UN-Chef sagte, die Nationen und Menschen der Welt müssten die heutigen gefährlichen Trends umkehren und sich für das „Durchbruchszenario (breakthrough scenario)“ entscheiden.
“ Die Welt stehe an fast allen Fronten unter „enormem Stress“, und die Covid-19-Pandemie sei ein Weckruf, der zeige, dass die Nationen nicht in der Lage seien, zusammenzukommen und gemeinsame Entscheidungen zu treffen, um allen Menschen angesichts einer globalen lebensbedrohlichen Notlage zu helfen.
“ Guterres sagte, diese „Lähmung“ reiche weit über Covid-19 hinaus und betreffe auch das Versagen bei der Bewältigung der Klimakrise und „unseren selbstmörderischen Krieg gegen die Natur und den Zusammenbruch der biologischen Vielfalt (collapse of biodiverity)“, die „unkontrollierte Ungleichheit“, die den Zusammenhalt der Gesellschaften untergrabe, und den technologischen Fortschritt „ohne Leitplanken, die uns vor seinen unvorhersehbaren Folgen schützen“.
“ Als weitere Anzeichen für eine chaotischere und unsicherere Welt verwies er auf die zunehmende Armut, den Hunger und die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern nach jahrzehntelangem Rückgang, das extreme Risiko für das menschliche Leben und den Planeten durch einen Atomkrieg und einen Klimazusammenbruch sowie die Ungleichheit, Diskriminierung und Ungerechtigkeit, die die Menschen auf die Straße treiben, um zu protestieren, „während Verschwörungstheorien und Lügen tiefe Spaltungen innerhalb der Gesellschaften schüren“.
“ In einem die Horizonte abmessenden Bericht für die Generalversammlung, sagte Guterres, dass seine Vision für das „Durchbruchsszenario“ zu einer grüneren und sichereren Welt von „dem Prinzip der Zusammenarbeit angetrieben wird, in der Erkenntnis, dass wir aneinander gebunden sind und keine Gemeinschaft oder kein Land, wie mächtig es auch sein mag, seine Herausforderungen allein lösen kann“.
“ Der Bericht – „Unsere gemeinsame Agenda“ – ist eine Antwort auf die Erklärung der Staats- und Regierungschefs zum 75-jährigen Bestehen der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr und auf die Aufforderung der 193 Mitgliedsstaaten der Versammlung an den UN-Chef, Empfehlungen zur Bewältigung der Herausforderungen für die globale Governance zu geben.
“ In der heutigen Welt, so Guterres, „ist die globale Entscheidungsfindung auf den unmittelbaren Gewinn fixiert und ignoriert die langfristigen Folgen von Entscheidungen – oder Unentschlossenheit“.
“ Er sagte, multilaterale Institutionen hätten sich als zu schwach und fragmentiert für die heutigen globalen Herausforderungen und Risiken erwiesen.
“ Was wir brauchen, so Guterres, sind keine neuen multilateralen Bürokratien, sondern effektivere multilaterale Institutionen, einschließlich einer UNO 2.0″, die für das 21. Jahrhundert bedeutender ist.
“ „Und wir brauchen einen Multilateralismus mit Zähnen“, sagte er.
“ In dem Bericht, in dem er seine Vision von der „Reparatur“ der Welt skizziert, sagte Guterres, dass sofortige Maßnahmen erforderlich seien, um die „wertvollsten“ Güter des Planeten – von den Ozeanen bis zum Weltraum – zu schützen, um sicherzustellen, dass der Planet bewohnbar ist, und um das Streben der Menschen überall nach Frieden und guter Gesundheit zu erfüllen.
“ Er forderte einen sofortigen globalen Impfplan, der von einer Notfall-Task-Force umgesetzt werden sollte, und sagte, dass „die Investition von 50 Milliarden Dollar in Impfungen jetzt der Weltwirtschaft in den nächsten vier Jahren schätzungsweise 9 Billionen Dollar hinzufügen könnte“.
“ Der Bericht schlägt vor, im Jahr 2023 einen globalen Zukunftsgipfel zu veranstalten, der sich nicht nur mit all diesen Themen befasst, sondern über die traditionellen Sicherheitsbedrohungen hinausgeht, um die globale Governance der digitalen Technologie und des Weltraums zu stärken und zukünftige Risiken und Krisen zu bewältigen“, sagte er.
“ Außerdem soll eine neue Agenda für den Frieden erarbeitet werden, die Maßnahmen zur Verringerung der strategischen Risiken durch Atomwaffen, Cyberkriegsführung und tödliche autonome Waffen vorsieht, die Guterres als eine der destabilisierendsten Erfindungen der Menschheit bezeichnete.
“ Der Generalsekretär erklärte, dass ein neues Zukunftslabor der Vereinten Nationen regelmäßig Berichte über Megatrends und Risiken“ veröffentlichen wird.
“ Er sagte, die Covid-19-Pandemie habe auch die Schwächen des globalen Finanzsystems offengelegt.
“ Um diese Schwächen zu beheben und das globale Finanzsystem mit anderen globalen Prioritäten zu verknüpfen, schlug Guterres vor, alle zwei Jahre Gipfeltreffen der 20 führenden Volkswirtschaften der G20, des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen, der Leiter der internationalen Finanzinstitutionen, einschließlich des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, und des UN-Generalsekretärs abzuhalten.
“ Er rief auch dazu auf, „einen großen blinden Fleck in der Art und Weise, wie wir Fortschritt und Wohlstand messen“, zu korrigieren. Er sagte, das Bruttoinlandsprodukt berücksichtige nicht „die unkalkulierbaren sozialen und ökologischen Schäden, die durch das Streben nach Profit verursacht werden können“.”
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Ich stimme der Analyse des Generalsekretaers zu bis zu dem Punkt, wo er Masznahmen vorschlaegt und “einen sofortigen globalen Impfplan” fordert.
Das ist nun kein origineller Einfall von mir, sondern das ist “thinking as usual”. Bei einer Katastrophe ist man sich rasch einig, dass das eine Katastrophe ist. Geht es darum, wie man damit umgeht, gehen die Meinungen ebenso rasch auseinander.
Deshalb will ich hier nicht ueber meine Vorschlaege zur Rettung der Welt reden – unter uns gesagt: ich hab gar keinen – sondern den Gedanken aufgreifen, den ich gestern von Arthur Schopenhauer zitierte. Die Evolution kuemmert sich nicht um das Individuum, sondern sie zielt auf die Erhaltung der Art.
Ist dies nicht ein aehnliches Problem?
Schon, aber die aktuelle Frage stellt sich nicht im Rahmen der Natur, sie geht darueber hinaus und bezieht den “Weltraum” ein. Und was geht ueber die Natur hinaus?
Der Kosmos.
In seinem Buch “Das Denken und seine Zukunft” ordnet Hans Graßmann das Leben in seinen kosmischen Zusammenhang ein:
“ Indem das Leben die Moleküle seiner Umgebung ordnet, erhöht es durch die abgestrahlte Wärme die Entropie des Universums um mehr, als es die Entropie seiner Umgebung erniedrigt. Wenn es uns also gelegentlich so vorkommt, als lebten wir nicht, um zu essen, sondern äßen, um zu leben, so ist dies – aus rein thermodynamischer Sicht – ein Irrtum. Aus thermodynamischer Sicht leben wir, um zu essen, denn damit erhöhen wir die Entropie des Universums. Darum leben wir, ganz spontan.”
Es geht um die Erhoehung der Entropie des Kosmos. Dagegen kann man nach dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik – “Es gibt keine Zustandsãnderung, deren einziges Ergebnis die Übertragungs von Wãrme von einem Körper niederer auf einen Kötprt hoeherer Temperatur ist” – auch gar nichts tun. Und fuer den Menschen heiszt das einfacher ausgedrueckt, dass er weiter seine Umgebung ordnet – selbst wenn die schon geordnet ist.
Das sieht man vielleicht daran, dass einst “Zehn Gebote” reichten, das Leben der Menschen zu regeln. Heute sind Buecherregale voll mit Gesetzbuechern, die auch nicht mehr leisten.
Und so bin ich wenig optimistisch, ob weitere Plaene und Regelungen erreichen, dass sich die Welt in die “richtige Richtung” dreht. Schon auf die Frage, was denn die “richtige Richtung” sei, wird man sich kaum einigen koennen – besonders dann nicht, wenn nur die “20 führenden Volkswirtschaften” sich dafuer zusammensetzen.
Was ist mit den 173 anderen Staaten, die der UNO angehoeren? Haben die nichts zu sagen?
Gemaesz “Manila Times” u.a. uebersetzt mit DeepL.
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